Schreikinder - Belastung für die gesamte Familie

Schreibaby – Hilfe für betroffene Familien

Jedes Baby weint, da das Schreien die einzige Art der Kommunikation ist, mit der Säuglinge mitteilen können, dass sie Hunger haben oder sich aus anderen Gründen unwohl fühlen. Schreien ist somit ein vollkommen normales Verhalten. Als Schreikinder werden Säuglinge bezeichnet die über „das normale Maß“ hinaus schreien. Insgesamt sollen zwischen 16 und 29 % aller Neugeborenen Schreibabys sein, die mit exzessivem Schreien die Nerven von Mutter und Vater regelrecht überstrapazieren. An eine ruhige Minute ist für die Eltern kaum zu denken, denn rund 8 Prozent der betroffene Babys schreien die ersten drei Lebensmonate, einige darüber hinaus. Weshalb diese Säuglinge in dieser Form so schreien, ist wissenschaftlich noch nicht abschießend geklärt. Somit ist auch die Theorie der Dreimonatskolik ins Wanken geraten. Neuere Forschungen lassen erahnen, dass Schreibabys später diverse Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.

Ist mein Kind ein Schreibaby?

Wenn dein Neugeborenes viel schreit, bist du beunruhigt und machst dir Gedanken, ob du mit deiner Partnerin das Baby richtig versorgst, ob es vielleicht krank ist oder ihr ein Schreikind habt. Es ist wichtig, in Erfahrung zu bringen, warum euer Kind so viel weint – auf jeden Fall solltest du den Kinderarzt zu Rate ziehen! Familien mit einem Schreikind sind hoch belastet und sollten unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen, da die Dauerbelastung meist folgenschwer für die gesamte Familie ist.

Die typischen Anzeichen von Schreikindern

Anhand der Dreierregel wird diagnostiziert, ob es sich bei einem häufig schreienden Baby um ein Schreikind handelt. Die rule of threes, welche 1954 vom amerikanischen Kinderarzt Morris Wessel entwickelt wurde, setzt diese drei erfüllten Kriterien voraus:

Das Baby schreit wenigstens 3 Stunden am Tag an mindestens 3 Tagen pro Woche und über einen Zeitraum von 3 Wochen und mehr.

Ein weiteres Kriterium: Obwohl es dem Baby an nichts fehlt, die Windel frisch ist, es gestillt ist oder das Fläschchen bereits mehrfach angeboten wurde, lässt sich der Säugling durch nichts beruhigen.

Nicht betroffene Babys weinen etwa 60 Minuten pro Tag, selten länger, als eine halbe Stunde am Stück, lassen sich aber durch die gängigen Methoden (Füttern, Wickeln, Kuscheln) beruhigen. Mamas und Papas gelingt es meistens, intuitiv das Richtige zu tun, um ihr Kind zu versorgen.

Schreikinder weinen und schreien scheinbar grundlos. Eben noch tief und fest im Bettchen liegend am Schlummern, dreht das Baby mit einem Mal lauthals seine Stimme auf und schreit, schreit und schreit noch mehr. Währenddessen verfärbt sich das Babygesicht dunkel rot, das Baby schwitzt stark und es spannt die gesamte Körpermuskulatur sowie seine Gliedmaßen massiv an, so dass die Schreiattacke fast einem körperlichen Krampfanfall gleicht.

Extremer Stress für Familien mit Schreibaby

Wenn du ein Baby hast, das fast allabendlich mit seinem lauthalsen Geschrei das gesamte Haus und auch noch die Nachbarschaft beschallt, braucht man dir nicht zu beschreiben, wie Eltern sich dabei fühlen. Für werdende Papas und andere Leser ist es dennoch wichtig, dass auf die Belastungssituation für betroffene Familien näher eingegangen wird.

Lautes Babygebrüll trotz Erschöpfung des Babys

Alle Mamas und Papas möchten ihr Baby optimal versorgt und gesund wissen. Wenn Babys weinen, ist dies das Signal, dass Eltern sich jetzt kümmern müssen. Schreikinder schreien aber nicht nur, wenn ein konkretes Bedürfnis gestillt werden muss und deshalb lassen sie sich auch nicht beruhigen. Ganz im Gegenteil. Der schreiende Säugling schreit sich „in Fahrt“ und schreit selbst dann noch, wenn ihm die körperliche Erschöpfung schon längst anzusehen und womöglich die Stimme schon fast heiser ist.

Völlige Überanstrengung und Verzweiflung bei den Eltern

Eltern eines Schreikindes sind dem Wahnsinn nahe, da sie nichts gegen das endlose Geschrei tun können. Weder das Anbieten vom Schnuller, noch die sanfte Melodie der Spieluhr oder ein sich bewegendes Schlummerlicht lenkt den Säugling ab. Und so entsteht ein stressiges Programm für Mütter und Väter, bei dem Sie alles versuchen, das Baby irgendwie dazu zu bringen, endlich mit dem Geschrei aufzuhören. Sie tragen das Kind die halbe Nacht durch die Wohnung, fahren ihr Kleines nachts im Auto spazieren oder setzen das Baby in den Babysitz, um es stundenlang zu schaukeln. Es entsteht ein Gefühl der Hilflosigkeit, wenn trotz aller Bemühungen das Kind unentwegt weiter brüllt und mit seinem gellen Stimmchen auch noch für Ohrenschmerzen und Kopfweh bei allen sorgt.

Schlaflosigkeit für alle Familienmitglieder

Mama, Papa, Geschwisterkinder und Schreikind – für niemand ist an Schlaf zu denken und wenn das Schreibaby nach vielen Stunden endlich vor Erschöpfung eingeschlafen ist, rappelt für viele Väter und Mütter schon wieder der Wecker, weil die Arbeit oder die Schule der älteren Geschwisterkinder rufen. Alle Familienmitglieder haben somit kaum mehr Erholungsphasen und deshalb folgt nach endloser Müdigkeit dann bei den meisten Eltern eine ungewollte Aggression einhergehend mit völliger Überforderung.

Gestörte Eltern-Kind-Beziehung

In der Schwangerschaft haben sich die betroffenen Eltern auf die Geburt des Kindes gefreut – und dann das! Sie kümmern sich liebevoll um das Baby, strengen sich noch mehr als andere Eltern an, um das Kleine bestmöglich zu versorgen, tragen es fast jede Nacht stundenlang durch die Wohnung, doch das kleine Wesen zeigt sich von all den Bemühungen gänzlich unbeeindruckt und brüllt einfach weiter. Oft steigern die Schreikinder ihr exzessives Geschrei sogar, umso mehr Eltern versuchen, es zu beruhigen.

Eltern eines Schreikindes sind extremem körperlichen wie auch emotionalen Stress ausgesetzt und kommen in jedweder Hinsicht an ihre Grenzen. Dies wirkt sich auch auf die Eltern-Kind-Beziehung aus. So wenig dies für Außenstehende nachvollziehbar sein mag – betroffenen Eltern fällt es zunehmend schwerer, ihr Kind uneingeschränkt zu lieben. Oftmals kommt es auch soweit, dass Mütter und Väter ihr Kind gar nicht mehr aushalten und ertragen können. Außerdem empfinden Eltern starke Schuldgefühle und fühlen sich zunehmend verunsichert. Sie verlieren ihr Selbstbewusstsein, weil sie scheinbar nicht in der Lage sind, sich adäquat um ihr Kind zu kümmern.

Familien mit Schreikindern brauchen Unterstützung

Mamas und Papas in dieser Situation sind keine schlechten Eltern, wenn sie das Geschrei ihres Babys als nervend und unerträglich empfinden. Die Kombination aus lautem Gebrüll, Schlafentzug, körperlicher Überforderung und der Hilflosigkeit sind de facto nerven- und kräftezehrend. Umso wichtiger ist für betroffene Eltern, sich schnell Unterstützung zu suchen und ein möglichst gutes Netz aus Unterstützern zu spannen, damit sie trotz Schreikind ausreichend schlafen und sich erholen können. Wichtig ist die Unterstützung von Außen ebenso für Geschwisterkinder, die sonst wegen dem Schreikind zu kurz kommen und leiden. Nicht nur die Eltern, sondern sogar die Geschwister brauchen eine Auszeit.

Für den Säugling kann die externe Hilfe überlebenswichtig sein. Fries: „Wir erklären Eltern behutsam, dass Wut normal ist. Aber sie müssen ihre Wut kontrollieren lernen.“ Damit es nicht zu dem kommt, wofür Schreien ein Risikofaktor ist: Kindesmisshandlung.

Quelle: https://www.welt.de/wissenschaft/article855081/Schreibabys-sind-typisch-deutsch.html

Mit dem Schreibaby zum Kinderarzt

Wenn euer Kind häufig und exzessiv schreit, vereinbart schnellstmöglich einen Termin bei eurem Kinderarzt. Dieser kann abklären, ob es andere Gründe (z. B. unbemerkter Knochenbruch, organische Ursachen) für das Babygeschrei gibt oder aber diagnostizieren, ob ihr eins der Schreikinder habt.

Ihr erhaltet vom Kinderarzt Tipps, was ihr tun könnt. Allerdings gibt es für das Schreibaby keine Therapie oder gar ein Medikament, um das lautstarke Weinen zu lindern. Im Wesentlichen werdet ihr die Phase aushalten und abwarten müssen, bis euer Nachwuchs das Schreien von sich aus reduziert.

Körperliche Ursache: Facharzt hinzuziehen

Möglich ist auch, dass bei eurem Kind eine Blockade vorliegt. Besprecht dies mit dem Kinderarzt. Falls dem der Fall ist, kann dies von einem Orthopäden oder einem Ostheopat diagnostiziert und behandelt werden. Ist der Bewegungsapparat des Babys nämlich eingeschränkt, kann der Grund des Schreiens darin legen.

Teilt euch bei der Babybetreuung auf

Wichtig ist, dass ihr als Paar zusammenhaltet – schwere Beziehungskrisen lassen nämlich nicht lange auf sich warten, wenn bei dir und deiner Frau die Nerven blank liegen. Ihr könnt die Stärke eures Nervenkostüms quasi verdoppeln, wenn ihr euch bei der Babyversorgung aufteilt. Geht die kleine Sirene wieder los, sollte einer von euch beiden sich kümmern, während der andere Elternteil nach draußen, zu Freunden oder bei die Eltern geht. Dies ist zwar eine höhere Belastung für den Elternteil, der zuhause beim Baby bleibt, aber der Partner / die Partnerin kann sich besser erholen und ist für den nächsten Schreianfall besser gestärkt. Muss einer von euch beiden am nächsten Tag zur Arbeit, sollte sich der Elternteil möglichst ausquartieren, um fit zu sein.

Helfernetz aufbauen

Sprecht Menschen in eurem Umfeld an. Verwandte, Freunde, Nachbarn. Redet mit ihnen über eure Situation, schildert eure Hilflosigkeit und bittet um Unterstützung. Jede Stunde, die ihr euer Kind in liebevolle Betreuung abgeben könnt, ist eine spürbare Entlastung für euch. Nutzt die Zeit, um zu schlafen und euch zu erholen. Falls ihr gute familiäre Unterstützung habt, besteht vielleicht die Möglichkeit, das Baby auch mal für einen ganzen Tag oder sogar ein komplettes Wochenende abzugeben. Dies ist super und sollte von euch intensiv ausgekostet werden. Geht raus, unternehmt etwas, was euch gut tut und schlaft viel.

Selbst Helfer kommen an ihre Grenzen

Auch Unterstützer kommen schnell an ihre Grenzen, zumal es nicht deren eigenes Kind ist. Es kann also sein, dass eure Helfer schon nach 1-2 Stunden oder nach einem halben Tag genervt sind und selbst Pause brauchen. Besprecht euch mit den engsten Angehörigen, ob die Großeltern sich bei der Betreuung des Schreibabys aufteilen können, so dass mehr babyfreie Zeit für euch möglich wird. Sucht nach einem guten Babysitter, damit ihr trotzdem zumindest stundenweise entlastet werdet.

Niemand aus dem sozialen Umfeld hilft

Alleinerziehende, aber auch Familien haben nicht immer ein soziales Umfeld, das bei der Kinderbetreuung hilft. Schon gar nicht, wenn es sich um ein Schreikind handelt, denn diese Babys sind anstrengend und weit davon entfernt,  bei Außenstehenden Muttergefühle / Vatergefühle anzusprechen. Hast du niemanden, der seine Hilfe anbietet, solltest du professionelle Unterstützung suchen.

Externe Unterstützung für Eltern von Schreikindern

Im gesamten Bundesgebiet gibt es zahlreiche Beratungsstellen und Ansprechpartner für Eltern. Diese hier alle aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Daher verlinken wir dir Seiten mit entsprechenden Angeboten.

Vorab noch der Hinweis: Wende dich unbedingt an eure Hebamme und euren Kinderarzt. Beide kennen höchstwahrscheinlich Ansprechpartner in eurer Region.

Kontaktadressen

Internetseite Schreibaby.de
mit sehr vielen Adressen für Eltern von Schreibabys (unterteilt in PLZ)
https://www.schreibaby.de/adressen-fuer-eltern-von-schreibabys/

Internetseite Schreiambulanz
http://www.schreiambulanz.de/schreibaby-schreikind.html

Selbsthilfeinitiative Trostreich
http://www.trostreich.de/Initiative/initiative.html

Literatur Schreibaby

  • Weinendes Baby – Ratlose Eltern: Wie Sie sich und Ihrem „Schreibaby“ helfen können (Kösel-Verlag München, 1998)
  • Unser Baby schreit Tag und Nacht. Hilfen für erschöpfte Eltern.
    (Reinhardt Ernst, München)

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