Langeweile beim Kind

Langeweile beim Kind
Langeweile beim Kind: Warum sie für dein Kind positiv und wichtig ist und warum du nichts dagegen tun solltest

Es ist Wochenende, ihr könnt ausschlafen und das süße Nichtstun genießen. Du liegt noch in den Federn, hast dich gerade ein zweites oder drittes Mal umgedreht. Plötzlich trötet es lauthals: „Papa, mir ist sooooo langweilig!“ Jetzt kannst du zwei Dinge tun: Komplett ignorieren oder aus dem Bett springen und die Kinderbespaßung starten, damit die Langeweile beim Kind schnell behoben ist. Wenn du jetzt überzeugt bist, das Richtige zu tun, indem du als Entertainer alles daran setzt, gegen die Langeweile deines Kindes aktiv zu werden, musst du diesen Artikel unbedingt lesen.

Gelangweilte Kinder: Die sicheren Anzeichen

Eigentlich macht das süße Nichtstun Spaß. Einfach mal abhängen, rumgammeln, nichts tun. Oder zumindest etwas tun, was Spaß macht. Das Kinderzimmer ist voll Spielzeug. Die Katze liebt es immer, wenn sie geschmust wird. Und außerdem könnte dein Sohn oder deine Tochter notfalls das Kinderprogramm gucken oder ein Bild für Oma und Opa malen.  Doch plötzlich hat dein Nachwuchs an nichts von alledem Freude. Was es sonst über alles liebt und nie genug davon bekommen kann, ist jetzt gerade langweilig. Alles, was angefangen wird, wird nach wenigen Augenblicken bereits wieder beendet. Dieser Zustand macht dein Kind über alle Maßen unzufrieden und DU musst das ausbaden. Im Minutentakt kommt dein Nachwuchs zu dir und teilt dir mit, dass der Tag doof ist, die Spielsachen doof sind, die Katze doof ist und das es gleich vor Langeweile sterben wird. Du fühlst dich im Zugzwang. Du willst das Leben deines Kindes retten. Doch das sollst und brauchst du gar nicht.

Was kann man machen, wenn Kinder sich langweilen?

Die Antwort auf diese Frage ist kurz: Nichts. Diese Empfehlung wird auch von den Jugendämtern ausgesprochen. Langeweile gehört zum Alltag und ist – anders als chronische Langeweile bei Erwachsenen – überhaupt nicht schlimm. Ganz im Gegenteil sogar. Langeweile beim Kind ist ein Zeichen dafür, dass es all diese Dinge um es herum im Überfluss hat, doch sie ihm (momentan) keine emotionale Befriedigung geben. Die Katze ist immer da, das Spielzeug kennt dein Kind in- und auswendig und in den letzten Tagen hat es mindestens schon 300 Bilder für Oma und Opa gemalt und dass das Sitzen vor der Glotze seit Neuestem langweilig ist – ist doch prima!

Dein Kind ist unbefriedigt und braucht etwas Neues

All das, was deinem Nachwuchs zur Beschäftigung ständig zur Verfügung steht, gibt ihm momentan nichts. Es hat gerade einen Schub von Entdeckerdrang und Wissbegier. Das Mädchen / der Junge will etwas Neues erleben und unternehmen. Es will seinen Radius erweitern und sich mit etwas beschäftigen, das noch nicht seinen Reiz verloren hat. Kinder brauchen Abwechslung, um ihren Entdeckerdrang zu stillen und dem Gehirn neues Input zu geben. Dinge, die es ohnehin häufig tut, können diesen Nutzen nicht erfüllen.

Babys und Kleinkinder kennen keine Langeweile

Kleine Kinder können sich nicht langweilen. Babys lassen sich mit einfachsten Dingen begeistern und sie können sich sehr lange mit einfachen Gegenständen beschäftigen. Sei es ein Papierknäuel, ein Stück Stoff oder die eigenen Fingerchen. Sobald Babys mobil werden, gibt es so unglaublich viel zu entdecken. Den Griff von der Schublade am Schrank, die Teppichborde, den Kochtopf, in dem es Papierfetzen „kocht“ oder die Tapete, die sich mit den kleinen Entdeckerfingern in kleinen Fetzen von der Wand abziehen lässt. All diese Aktivitäten helfen Kindern dabei, die Welt mit ihren Augen (und Fingern) zu erforschen. Das macht intelligent und regt die Kreativität an. Umso mehr die Kleinen entdeckt, gelernt und ausprobiert haben, desto häufiger kommt es zu Langeweile.

Was passiert, wenn Kinder sich langweilen?

Fällt Jungs und Mädchen nichts ein, mit dem sie sich momentan sinnvoll beschäftigen können, erleben sie das Gefühl von Unzufriedenheit. Sie quengeln, nölen und können Väter und Mütter ganz schön nerven. Für Kinder ist es denkbar bequem, wenn Mama und Papa nun alles daran setzen, etwas gegen die Langeweile zu tun und das Kind zu bespaßen. Dies kann zwar gelingen, doch es wird von Mal zu Mal schwieriger, ein gelangweiltes Kind sinnvoll zu beschäftigen, damit es sich nicht mehr langweilt. Wenn du dich immer von deinem Kind dazu drängen lässt, ihm die Freizeitbeschäftigung vorzugeben, nimmst du ihm die Gelegenheit, selbst in sich hinein zu hören, womit es sich beschäftigen kann. Dein Kind verlernt, wie es seine innere Unzufriedenheit aushalten und selbst etwas dagegen tun kann.

Außerdem finden gelangweilte Kinder sowieso alles doof, was man ihnen vorschlägt.

„Langeweile ist für viele Menschen aber auch eine Triebfeder, denn Langeweile markiert für diese oft einen Startpunkt, gibt einen Motivationsschub, um aufzubrechen und etwas an der aktuellen Situation zu ändern.

Quelle: http://lexikon.stangl.eu/11978/langeweile/
© Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik“

Wenn du dein gelangweiltes Kind sich selbst überlässt, wird es zunächst sehr genervt sein, weil es nichts mit sich und seiner Freizeit anzufangen weiß. Vermutlich wird es alles mögliche ausprobieren und schon nach wenigen Minuten entnervt einer anderen Beschäftigung nachkommen. Doch irgendwann passiert es: Dein Kind findet etwas, was ihm Spaß macht. Langweilige treibt nämlich an, nach etwas zu suchen, was sinnvoll beschäftigt. Vermutlich handelt es sich dabei um etwas, was es entweder schon lange nicht mehr getan oder noch nie zuvor gemacht hat. Es tut etwas, bei dem es wieder gefordert und gefördert wird. Dadurch können Kinder sich darüber klar werden, was sie wirklich wollen – und so entstehen auch Hobbys oder tiefe Interessen, die beispielsweise für die spätere Berufswahl wichtig sein können.

Ist fehlende Langeweile sogar schädlich für die Entwicklung?

Im Umkehrschluss kann man auch vermuten, dass Kinder, die sich nie langweilen dürfen, weil Eltern immer sofort für Bespaßung sorgen, unter Spätfolgen leiden, weil sie Langeweile gar nicht mehr aushalten können.

Auch der renommierte Familientherapeut Jesper Juul kommt in diesem Interview zu dem Entschluss, dass Kinder nicht permanent entertaint werden sollten und ist der Überzeugung, dass Kinder sich auch mal langweilen müssen.

„Eltern und Kinder sind Konsumenten geworden. Das führt dazu, dass vielen Kindern langweilig wird, sobald die externe Stimulation fehlt. Es ist ihnen fad ohne Computerspiele, DVDs und Fernsehen. Auch Kindertagesstätten und Schulen setzen auf externe Stimulation. Wenn Kinder dem den ganzen Tag lang ausgesetzt sind, erhalten sie eine Überdosis davon.“

Du hast jetzt gelesen, dass du nichts gegen die Langeweile deines Kindes machen sollst und es in solchen Phasen sich selbst überlassen sollst. Diese Empfehlung gilt aber wirklich nur bei Langeweile. Wenn dein Kind Aufmerksamkeit braucht, sollst du dich selbstverständlich um dein Kind kümmern!

Vorsicht: Langeweile oder Bedürfnis nach Aufmerksamkeit?

Die meisten Väter arbeiten die komplette Woche über und haben deshalb nur wenig Zeit für das Kind. Kinder kommen dann leider häufig zu kurz, so dass sie regelrecht nach gemeinsamer Beschäftigung mit dem Papa dürsten. Dann ist klar: Raus aus den Federn und zusammen etwas machen, dass die Bedürfnisse deines Kindes nach Nähe zu dir stillt und euch beiden Spaß macht.

Wie erkennst du, ob es sich um Langeweile oder um das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit handelt?

Kinder, die sich langweilen, werden zum echten Nervbolzen. Sie sind unzufrieden, werden trotzig, ziehen demonstrativ Grimassen, gehen rabiat mit ihren Spielsachen um, fangen an zu spielen, hören aber sofort wieder auf und lassen sich nicht davon abhalten, ihrem Umfeld ihr Langeweile-Leid zu klagen. Wenn du also die typischen Sätze hörst, handelt es sich um Langeweile.

Kommt dein Kind zum Kuscheln zu dir. Hängt wie eine Klette an dir und fragt ganz konkret etwas wie

„Papa, spielen wir?“

kannst du dir sehr sicher sein, dass dein Kind sich nicht langweilt, sondern mit dir zusammen Zeit verbringen will. Dann ist es auch schon fast egal, ob ihr zusammen mit Lego Steinen baut, mit der Eisenbahn spielt oder ihr nach draußen geht. Hauptsache, Papa nimmt sich Zeit!

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