Papas getrennt vom Kind

Papas getrennt vom Kind

Familie sein klingt eigentlich ganz einfach – ist es aber nicht. In Deutschland leben nämlich unzählige Papas getrennt vom Kind. Entweder als Trennungsvater, als Wochenendpapa, während Geschäftsreisen oder wenn das Kind inobhut genommen wurde und in in einer Einrichtung oder bei einer Pflegefamilie lebt. Nur die wenigsten Väter sind von ihren Kindern getrennt, weil sie keine Lust auf den Umgang mit ihren Kindern haben. Wie kommen Papas eigentlich damit klar, wenn sie ihr Kind sehen wollen, aber aus den oben genannten Gründen dies nicht oder nicht in dem Umfang können bzw. dürfen, wie sie es wollen? Was können Väter tun, bis der nächste Umgang mit dem Kind möglich ist? Was können Männer unternehmen, wenn sie ihre Kinder gar nicht sehen dürfen?

Das neue Väter-Image

Das Rollenbild der Väter hat längst schon einen Wandel vollzogen. Männer wollen mehr an der Erziehung und der Versorgung ihres Nachwuchses teilhaben, als dies noch vor zwei oder drei Generationen der Fall war. Kinderbetreuung und Erziehung waren über Generationen hinweg vornehmlich Frauenangelegenheiten, während wir Männer uns im Job um das Familieneinkommen zu kümmern hatten. Nach wie vor überwiegt noch die klassische Rollenverteilung. Aber Väter bringen sich mehr in die Familie und legen immer mehr das Image des Versorgers ab.

  • Papas gehen bereits in der Schwangerschaft mit ihren Frauen zu den Schwangerschaftsuntersuchungen.
  • Väter sind bei der Geburt inzwischen ganz selbstverständlich dabei.
  • Männer bringen die Kleinen in die Kita oder zur Grundschule.
  • Väter interessieren sich zunehmend für die Freizeitbeschäftigung der Familie.

Ein tolles neues Väter-Image, das Mütter entlastet, Vätern viel bringt und die Kinder profitieren lässt. Denn manche Dinge kann ein Kind eben am besten mit dem Papa auf typisch männliche Weise erleben und lernen.

Trennung vom Kind ist eine Belastung

Väter sind wichtig für die Familie. Nicht (nur) als Versorger, sondern vor allem auf menschlicher Ebene. Immer mehr Männer entscheiden sich heute bewusst für ein Kind und wollen am Aufwachsen des Kindes aktiv dabei sein. Leider ist dies nicht jedem Mann möglich und die Gründe sind vielfältig. Gesellschaftlich kommt das Befinden der Väter immer noch viel zu kurz, wenn Papas getrennt vom Kind sind. Fehlt der Vater in der Familie, wird die Mutter bedauert, dass sie sich um alles alleine kümmern muss. Dabei spielt es keine Rolle, ob aufgrund einer Trennung der Vater nicht mehr in der Familie ist oder ob der Papa aus beruflichen Gründen auf Geschäftsreise ist oder einen 14-Stunden-Arbeitstag hat und sich deshalb nur wenig um sein Kind kümmern kann.

Betroffene Väter leiden unter der Situation, schließlich haben auch wir Männer Gefühle und erleben Trennungsschmerz, Sehnsucht, Einsamkeit – und natürlich erleben wir Freude, Glück und Stolz, wenn uns das Baby anlächelt, zum ersten mal Papa sagt oder wir mit unseren Jungs und Mädchen über die Wiese flitzen oder etwas Tolles unternehmen. Das macht nicht nur Spaß, sondern verbindet Vater und Kind auf einzigartige Weise, die durch nichts zu ersetzen ist und gibt jede Menge Energie.

Trennung vom Kind – die verschiedenen Gründe

Eingangs haben wir bereits die häufigsten Gründe genannt, warum Papas getrennt vom Kind sind:

  • Trennung von der Kindesmutter
  • Inobhutnahme und Fremdunterbringung
  • berufliche Gründe

Außerdem kann auch Krankheit ein Grund für temporäre Trennung zwischen Vater und Kind sein, wenn Kind oder Papa in Krankenhaus oder Kur bzw. Reha sind.

Langer Arbeitstag – keine Zeit für die Familie

Männer, die beruflich stark eingeschränkt sind, kommen in Sachen Kindererziehung fast immer zu kurz. Bei einem langen Arbeitstag wird morgens in aller Früh das Haus verlassen und erst am späten Abend kommt man nach Hause. Da bleibt nicht viel Zeit, in der ein Familienvater sich um sein Kind kümmern kann. Bei Neugeborenen bekommt man kaum etwas mit, da das Kind viel schläft und wenn man selbst von einem langen Arbeitstag heim kommt, fällt man nur noch müde ins Bett, um sich für den nächsten Tag zu erholen. Bei größeren Kindern ist es nicht anders, da sie morgens noch schlafen, wenn Papa das Haus verlässt und abends liegen die Kids bereits im Bett, um fit ür den nächsten Tag zu sein. An den Wochenenden wird vom Mann im Haus dann meist das Nötigste im Haus erledigt, der Garten versorgt oder die Buchhaltung gemacht.

Bei Vätern, die im Job derart eingespannt sind, zieht die Kindheit des Nachwuchses im Eiltempo vorbei, ohne dass man davon viel mitbekommt. Die Paarbeziehung leidet, da auch die Partnerin zu wenig von ihrem Mann hat, der sie zudem weder im Haushalt noch bei der Kinderbetreuung adäquat unterstützen kann.

Hier hilft den Vätern nur, sich bewusst und konsequent Freiraum für die Familie zu schaffen. Beruflich kürzer treten, wenn dies machbar ist. An den Wochenenden Zeit für Frau und Kind freischaufeln. Samstags und Sonntags sollten organisatorische Dinge nur erledigt werden, wenn dies nicht vermeidbar ist. Vielleicht kann der eigene Vater oder der Schwiegervater gelegentlich das Rasenmähen übernehmen, damit die Familie am Wochenende etwas Gemeinsames unternehmen kann.

Väter auf Geschäftsreise: So überbrückt ihr die Trennung vom Kind

Noch schwieriger haben es Familienväter, die oft auf Geschäftsreise oder Montage sind. Sie fehlen im Alltag viele Tage und haben kaum Möglichkeiten, durch Organisation mehr Zeit mit der Familie freischaufeln zu können. Diese Papas sind darauf angewiesen, dass die Frau möglichst viel aus dem Alltag berichtet und den Papa in der Ferne mit Familienfotos und Videos versorgt.

Die moderne Technik und Flatrates machen es Familien heute immerhin wesentlich leichter, als noch vor 20 oder 30 Jahren. Mit Laptop und Smartphone ist es kein Problem, täglich zu telefonieren, digitale Fotos und Sprachmemos auszutauschen. Unabhängig davon, wie viele hundert oder tausend Kilometer Distanz die Familie trennen – kann trotzdem Familienalltag stattfinden.

Papa und Mama können sich jederzeit Fotos mit aktuellen Situationen schicken, ohne sich dabei finanziell zu ruinieren. Zwar ist dies ein noch neues, aber durchs praktikables Familienmodell, das von immer mehr Eltern rege genutzt wird. Kinder erleben trotz größter Entfernungen den Papa als wichtige Bezugsperson, die an allem teilnimmt, wenn zum Beispiel nach dem Abendessen ein Familienchat stattfindet. Der Vorteil durch den intensiven und häufigen Kontakt: Es findet keine allzugroße Entfremdung zwischen Papa und Kind statt. Außerdem lindern Fotos, kleine Videos und Telefonate das Vermissen während der Trennung auf Zeit.

Wichtig ist jedoch, dass sich das Familienleben nicht nur darauf beschränkt. Kommt der Papa von der Montage oder der Geschäftsreise zurück, sollte bereits vorher geplant sein, wie die Familie die kurze gemeinsame Zeit bis zur nächsten Reise nutzt.

Trennung von der Kindesmutter

Wie oft und wie lange Trennungsväter ihr Kind sehen, hängt maßgeblich vom aktuellen Verhältnis mit der Kindesmutter ab. Ein gutes Verhältnis aufrecht zu erhalten ist nach einer Trennung nicht immer leicht. Verletzte Gefühle und gekränkte Eitelkeit macht es beiden Seiten schwer. Leider wird das Kind in vielen Trennungssituationen als Druckmittel instrumentalisiert.

  • Väter, die sich getrennt haben, werden mit Umgangsverweigerung gestraft.
  • Väter, die Schwierigkeiten bei den Unterhaltszahlungen haben, bekommen ihr Kind nicht zu sehen.
  • Mütter, die weit weg ziehen, machen häufige Umgangskontakte unmöglich.

Der Gesetzgeber hat zwar die Väterrechte theoretisch gestärkt; in der Praxis gestaltet sich die Umsetzung einer möglichst gleichberechtigten Umgangsregelung äußert schwierig. Vielfach ist ein ausgewogenes Wechselmodell praktisch nicht realisierbar. Zum Beispiel dann, wenn die Mutter den Umgang boykottiert oder das Kind aufgrund des Schulalltags nicht ständig zwischen beiden Elternteilen wechseln kann.

Wochenendpapa & Wechselmodell

Wochenendväter haben es vergleichsweise gut, wenn die Kindesmutter den Umgang nicht verweigert, das Kind zumindest am Wochenende zum Papa darf und unter der Woche zumindest telefonisch oder via Internet mit seinem Papa Kontakt halten kann. Möglich ist letzteres jedoch nur bei größeren Kindern. Beide Elternteile sollten sich nicht als Konkurrenten betrachten, sondern dem jeweils anderen Elternteil jederzeit wichtige Informationen mitteilen und aus dem Alltag mit dem Kind berichten. So zeigen die Eltern Einigkeit bei der Erziehung und bieten dem Kind eine ungetrübte Kindheit.

Kinder, die während dem Besuchswochenende beim Papa auch die Mama anrufen dürfen und unter der Woche bei der Mama auch mit dem Papa Kontakt halten können, kommen wesentlich besser mit der Trennungssituation zurecht. Außerdem profitieren beide Elternteile davon, wenn der gemeinsame Kontakt stressfrei und ohne Streit verläuft. Niemand kommt zu kurz und keiner fühlt sich benachteiligt.

Trennungsväter – Vaterschaft auf Sparflamme

Am schlimmsten trifft es Trennungsväter und deren Kinder, bei denen die Mutter sich quer stellt, wenn es um Umgang und Telefonkontakte geht. Meist gibt es ohnehin nur alle paar Wochen oder Monate Umgangskontakte, die dann allzuoft auch noch boykottiert werden. Mütter, bei denen das Kind lebt, haben vielfach die Macht über das Kind. Sie instrumentalisieren das Kind, entfremden das Kind vom Vater und manipulieren das gemeinsame Kind. Betroffene Papas werden bestenfalls auf Sparflamme über die Entwicklung des Kindes, schulische und gesundheitliche Belange informiert. Trennungsväter sind darauf angewiesen, dass die Mutter Anrufe zum Kind ermöglicht, Geschenke an das Kind weitergibt oder dem Jungen / Mädchen die Post aushändigt.

Es gibt nicht viel, was diese Papas tun können, wenn sie ihr Kind vermissen und müssen sich oftmals mit der Trennung vom Kind abfinden. Formal können betroffene Familienväter den Rechtsweg beschreiten und die Ausdehnung der Umgänge erklagen. Doch dies ist ein mühsamer und langwieriger Weg, der nicht immer von Erfolg gekrönt ist. Ratsam, aber bei konfliktreichen Trennungen meist erfolglos: Immer wieder das versöhnliche Gespräch zur Mutter suchen und hoffen, dass ein Einlenken zum Wohle des Kindes stattfindet.

Wenn immerhin Umgangskontakte in größeren Zeitabständen oder sporadisch stattfinden, sollten diese intensiv genutzt werden für altersgerechte Freizeitaktivitäten mit dem Kind. Vätern fehlt es meist sehr leicht, die gemeinsame Zeit mit dem Nachwuchs zu gestalten.

Wie schafft man die Zeit bis zum nächsten Kontakt mit dem Kind?

Was du tun kannst, wenn du dein Kind vermisst, hängt natürlich von eurer konkreten Familiensituation ab. Bist du „nur“ auf Geschäftsreise, vermisst du zwar deine Familie, aber du kannst diese Situation besser akzeptieren und hast den großen Vorteil, dass deine Partnerin an deiner Seite steht und dir das Leben nicht zusätzlich schwer macht. Lasse dir neue Fotos schicken, rufe zuhause an und freue dich, dass ihr euch bald wieder in die Arme schließen könnt.

Du vermisst als Trennungsvater dein Kind

Gehörst du zu den Vätern, die vom Kind getrennt leben und die den nächsten Kontakt mit ihrem Kind kaum abwarten können? Als Vollblutvater zieht sich diese Zeit wie Kaugummi, während die Kontakte mit dem Kind viel zu schnell vorbei sind. Für jeden Vater mit Leib und Seele ist es schwierig, die Wartezeiten zwischen den Kontakten zu überbrücken und nicht ständig an die Familienzeit zu denken.

Bei gutem Kontakt mit der Mama bekommst du die Wartezeit natürlich viel besser hinter dich, weil du sicher mal anrufen, nach neuen Fotos und trotz Trennung nach einem verlängerten Besuchswochenende fragen kannst. In der Zwischenzeit tut die Planung des nächsten Kontakts, vor allem aber Abwechslung gut. Geh zum Sport, treffe dich mit Kumpels und widme dich deinen Hobbys. Je weniger du dich über die lange Zeit bis zum nächsten Treffen ärgerst, desto schneller vergeht die Zeit.

Väter mit wenig oder gar keinem Kontakt zum Kind

Schwieriger ist es jedoch, wenn die Kommunikation zwischen der Kindesmutter und dir gar nicht mehr funktioniert, sie kein Einlenken zeigt und auch das Familiengericht keine väterfreundlichere Umgangsregelung beschließt. Solche Fälle gibt es tausendfach. Guter Rat ist da teuer. Hast du zwischenmenschlich alle Register gezogen, doch es ist mit der Mutter keine gütliche Einigung möglich, bleibt dir nur noch der Gerichtsweg. Umso öfter du vor Gericht ziehst, um eine bessere Umgangsregelung zu erstreiten, desto verfahrener wird in der Regel der Streit mit der Mutter. Außerdem sind Umgangsverfahren langwierig. Dein Kind wächst heran und du bekommst nicht viel von seiner Entwicklung mit.

Die gerichtliche Auseinandersetzung in Umgangsverfahren nimmt sich jedoch nur dem rechtlichen Aspekt an, hilft dir aber nicht dabei, mit deinen Emotionen klar zu kommen. Jede gerichtliche Auseinandersetzung erweckt Hoffnungen, sorgt aber auch für brutale Ernüchterung, wenn wieder ein Umgangsverfahren verloren wird. Der Ärger um Unrecht und das Vermissen wird zunehmend zur seelischen Belastung, die sich auf die gesamte Lebenssituation und auf die Gesundheit auswirkt. Steckst du mitten in diesem Desaster, musst du für Ablenkung sorgen, damit dich der Umgangsstreit nicht auffrisst.

In solchen Situationen kann es hilfreich sein, sich zusätzlich mit Gleichgesinnten zusammenzuschließen und Beratung von Vätervereinen in Anspruch zu nehmen. Hier einige Anlaufstellen:

  • http://www.trennungsvaeter.de/regionalgruppen.html
  • http://vaeter.de/beratung-fuer-vaeter/vaeter-und-trennung/
  • http://www.vaeteraufbruch.de/index.php?id=startseite
  • http://www.vaeter-aktuell.de/links/Selbsthilfegruppen/welcome.htm

Trennungsväter sind oft die Verlierer

Trotz aller guter Ratschläge: Trennungsväter sind oft die Verlierer und vielen bleibt nichts anderes übrig, als sich mit der Ist-Situation abzufinden. Zumindest dann, wenn auch der Rechtsweg erfolglos bleibt. Was kann und soll man diesen Papas raten, die gegen jedweder Vernunft von ihren Kindern getrennt werden? Weder Gesetz noch gesunder Menschenverstand erlauben die Trennung von einem Elternteil (ohne handfeste Gründe) – und trotzdem passiert dies jeden Tag auf´s Neue. Väter, die ihren eigenen Kindern kein Papa sein dürfen, bleibt am Ende nur die Hoffnung, dass irgendwann das Kind selbst eine Entscheidung trifft. Bis dahin: Haltet Ausschau, ob ihr einem anderen Kind „Leihpapa“ sein dürft und so etwas Gutes tun könnt.

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