Bild gezeichnet Patchwork Familie

Patchwork Familie

Patchworkfamilien sind heute keine Ausnahme mehr. Ganz im Gegenteil. Statistiken besagen, dass etwa 10% aller Familien mit Kindern aus einer zusammengewürfelten Kombination besteht.

Damit das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie gut gelingt, sollten Sich Eltern und Kinder an einige Dinge halten.

Was genau ist eine Patchworkfamilie?

Der Begriff Patchworkfamilie ist neudeutsch und vermittelt einen sehr positiven Eindruck. Während der Stiefvater oder die Stiefmutter – vor allem in Märchen –  immer als böse und rücksichtslos bezeichnet wurden, ist der Begriff Patchwork eher bunt und fröhlich. Genauso, wie der Alltag in einer Lebensgemeinschaft sein sollte. Traditionelle Patchworkdecken werden aus vielen kleinen Teilen zu einer großen Decke vernäht und ergeben ein sehr stimmiges Gesamtbild. Und dies ist auch das Ideal einer Patchwork-Familie. Es wird zusammengewürfelt, was eigentlich gar nicht zusammengehört und ergibt in der Summe eine harmonische Einheit.

Patchworkfamilien können sehr unterschiedlich zusammengesetzt sein. Manchmal leben in ihr zwei neue Partner, gemeinsam mit den jeweiligen Kindern. Oder nur ein neuer Partner bringt Kinder mit in die Beziehung. Es ist aber auch möglich, dass beide Partner Kinder haben, diese aber nur an den Wochenenden zu Besuch kommen. Auch dies ist eine Patchworkfamilie. Damit dieses Zusammenleben harmonisch abläuft, sollte jedes Familienmitglied einige Regeln befolgen.

Geben Sie sich und Ihren Kindern Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen

Besonders für Kinder ist der Umstand, dass Mama oder Papa einen neuen Lebensgefährten hat alles andere als leicht. Viele Paare machen den Fehler, zu schnell zusammen zu ziehen, noch bevor der neue Partner überhaupt in der Familie angekommen ist. Klar, dass hier Probleme vorprogrammiert sind.

Die wichtigste Regel vor Beginn des Zusammenlebens ist, dass Ihre Kinder Zeit bekommen, den neuen Partner kennenzulernen. Unternehmen Sie gemeinsame Ausflüge und reden Sie viel miteinander. Ihr neuer Partner sollte die Kinder höflich und respektvoll behandeln und eine nachhaltig vertrauensvolle Basis schaffen. Dies gilt natürlich auch für die Kinder. Erwarten Sie nicht, dass Ihre Kinder den neuen Partner sofort ins Herz schließen. Aus Sicht der Kleinen ist ein neuer Lebensgefährte in erster Linie immer ein Konkurrent. Ein Konkurrent für sich selbst (Mama oder Papa teilt die Liebe) oder aber auch für die echten Mamis und Papis. Fast jedes Kind wünscht sich nichts sehnlicher, dass die eigenen Eltern doch wieder zusammenfinden.

Die wichtigsten Regeln bei der Familienzusammenführung im Überblick:

  • Geben Sie dem Kind Zeit sich kennenzulernen
  • Vermitteln Sie niemals den Eindruck, den richtigen Papa oder die richtige Mama ersetzen zu wollen
  • Schaffen Sie eine vertrauensvolle Basis
  • Unternehmen Sie viel miteinander
  • Lassen Sie dem Kind Zeit, seine Trauer zu bewältigen
  • Zeigen Sie stets Fingerspitzengefühl und treffen Sie Entscheidungen bewusst.
  • In Familien mit Kindern aus unterschiedlichen Familien sollten von Beginn an Regeln für ein Zusammenleben aufgestellt werden
  • Kein Kind wird bevorzugt!

Es gibt keine Patentrezepte für die Familienzusammenführung – das Alter der Kinder entscheidet mit

Trennen sich Mutter der Vater eines Kindes bereits im Säuglingsalter, ist die Situation eine ganz andere, als wenn die Kinder im Kindergartenalter oder in der Pubertät sind. Für ein kleines Baby spielt der neue Partner erstmal keine Rolle, wichtig ist, dass seine Hauptbezugsperson bei ihm ist.

Ältere Kinder hingegen brauchen nach einer Trennung erst einmal viel Zeit, um diese in Ruhe betrauern zu können. Oftmals werden die neuen Partner der Eltern verantwortlich für die Trennung gemacht. Kinder können mit Wutausbrüchen, Vorwürfen und mangelndem Respekt dem neuen Partner gegenüber reagieren. Ein Kind in dieser Situation zu bestrafen, wäre das schlimmste, was Sie oder Ihr neuer Partner nun machen können. Zeigen Sie Verständnis, und reden Sie mit dem Kind.

Häufig liegt das Problem gar nicht darin, dass das Kind den neuen Partner gar nicht mag. Im Gegenteil. Das Kind kommt vielleicht sogar ganz gut mit ihm aus und das schlechte Gewissen, gegenüber dem zurückgebliebenen Elternteil steigt. Auch hier können Sie nur mit Geduld und Verständnis reagieren. Erfahrungswerte zeigen, dass es bis zu fünf Jahren dauern kann, bis eine Patchworkfamilie richtig zusammengewachsen ist.

Nicht nur eine neue Mama oder ein neuer Papa – Die Geschwister in einer Patchworkfamilie

Häufig betrachten Sich Kinder in einer Patchworkfamilie als Konkurrenten. So müssen zu Anfang des Zusammenlebens erst einmal die Reviere abgesteckt werden. Das ist völlig normal. Je nach Situation kann es ja auch sein, dass ein ehemaliges Einzelkind nun auf einmal Geschwister hat, und mit der Lage völlig überfordert ist. Galt die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Eltern bislang ihm, so muss es ab nun teilen. Zeit und reden sind auch hier wieder die goldenen Regeln. Die kleinen brauchen zum einen die Zeit, um mit der neuen Situation zurecht zu kommen, andererseits brauchen Sie die Sicherheit und das Verständnis ihrer Eltern, auch wenn es einmal nicht so gut klappt.

Zeigen Sie Ihren Kindern, dass Sie niemanden bevorzugen und alle Kinder in der Gemeinschaft gleichbehandeln. Ebenso ist es mehr als sinnvoll, dass grundsätzliche Erziehungsfragen vor dem Zusammenleben geklärt werden:

  • Wer erzieht?
  • Wer darf unter Umständen strafen?
  • Welche Grundregeln im Zusammenleben soll es geben (Haushaltsdienst, Zeiten, etc.)?
Schwierig kann es dann noch einmal für die vorhandenen Kinder werden, wenn das neue Paar gemeinsame Kinder bekommt. Häufig entsteht für die „alten“ Kinder der Eindruck, dass die Eltern nun das gemeinsame Kinde viel mehr lieb haben, als die alten Geschwister. Zeigen Sie Ihrem Kind, dass dem nicht so ist und gestalten Sie den Alltag genauso, wie Sie es vor dem neuen Kind getan haben. Zeigen Sie Ihrem Kind / Ihren Kindern (denn sie sind nun eine Familie!), dass sie es genauso lieb haben wie zuvor.

Fazit:

Es gibt nicht die eine Lösung, wie das Familienleben zügig miteinander funktioniert. Zeigen Sie Fingerspitzengefühl und bereiten Sie sich und Ihre Kinder möglichst schonend auf die neue Situation vor. Seien Sie respekt- und liebevoll im Umgang miteinander. Den Rest bringt die Zeit, und die haben Sie ja. Schließlich möchten Sie ja alle miteinander alt werden. Ebenso, wie eine Patchworkdecke nicht an einem Tag entsteht, sollten Sie auch nicht erwarten, dass Ihre neue „Flickenfamilie“ über Nacht zusammenwächst.

Auf papa.de findest du ein Elternmagazin aus der Sichtweise von Vätern/Papas geschrieben. Werde Teil unserer großen Community und erlebe die Faszination des Elternseins aus dem Blickwinkel eines Papas.