Kinder haben es während der Corona-Zeit besonders schwer. Sie leiden nicht nur unter der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, sondern auch unter ständigen Maßregelungen der Eltern und Erzieher. Oft fehlt den Kindern die rationale Grundlage, Hygiene-Regeln und sonstige Auflagen nachvollziehen zu können – stehen sie doch in krassem Gegensatz zu natürlichem Bewegungsdrang, Geselligkeit und Lebensfreude.
Schlechte Stimmung, Streit sowie Nörgelei sind vorprogrammiert und belasten das Familienleben. Da der Nachwuchs nicht ständig in Kitas oder zu den Großeltern abgegeben werden kann, sind Eltern doppelt gefragt. Einerseits gilt es, die Kinder vernünftig zu betreuen, andererseits muss Geld verdient und sich um die anderweitigen Verpflichtungen des Alltags gekümmert werden.
Eine tragende Rolle kommt hierbei Vätern zu, die den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Home Office zu leisten haben.


Für aufwachsende Kinder ist der Vater eine wichtige Identifikationsfigur und Bezugsperson. Somit kommen sie zu ihm, wenn sie Fragen haben oder sich unwohl fühlen.
Für Jungs ist der Familienvater Vorbild und Held, für Mädchen fungiert er als Beschützer und ebenfalls als diejenige Person, zu der man bewundernd aufschaut.
Dementsprechend können Väter einiges dazu beitragen, um die Lage ihrer Kinder zu verbessern. In den nachfolgenden Zeilen geben wir Tipps und Informationen über Wege und Möglichkeiten für einen besseren Umgang mit Corona gegenüber Kindern.

Geduld als Grundlage für alles

Geduld„Papa, Corona nervt!“. Kommt Ihnen dieser Satz bekannt vor?
Kinder sind von Situationen, die sie selbst nicht nachvollziehen können oder nicht gut finden, viel schneller genervt als Erwachsene. Daher ist es die allerwichtigste Priorität, im Umgang mit den Kindern geduldig zu bleiben. Das ist leichter gesagt als getan, da es im Alltag sicherlich oft Situationen gibt, in denen man selbst lieber an die Decke gehen würde als den gelassenen Alltagshelden zu mimen.
Dennoch sind Geduld-Übungen derzeit die wichtigste Aufgabe für Väter. Versuchen Sie, bei allen Fragen und Nörgeleien ihrer Kinder geduldig zu bleiben. Sie müssen das sein, was Ihre Kinder aufgrund der hohen, seelischen Belastung unmöglich sein können. Lassen Sie Ihre Kinder ausreden, hören Sie Ihnen geduldig zu und warten Sie, wenn diese gerade eine Rangelei ausfechten oder einen Trotz-Anfall haben. Es ist nur die impulsive Reaktion Ihres Kindes, die von alleine wieder abklingt, wenn Sie Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen.
Ihr Kind wird automatisch spüren, dass Sie als Helfer stets treu zur Seite stehen und es sich auf sie verlassen kann. Wenn Sie selbst zu impulsiven Handlungen neigen, atmen Sie einmal tief ein und aus, zählen bis drei und sammeln sich, bevor Sie mit Ihrem Kind sprechen.

Lösungsorientierte Sprache

In Zeiten von sich ständig verändernden Rahmenbedingungen und drohenden Gesundheitsgefahren ist es gang und gäbe, die Probleme in den Vordergrund zu rücken. Leider wird dieser kontraproduktive Automatismus von den Medien noch bestärkt. Auch ihre Kinder können sich diesem nicht entziehen: „Papa, ich kann meine Freunde nicht treffen!“ oder „Papa, ich kann nicht einschlafen nachts!“
Sie können ganz gezielt und liebevoll gegensteuern, indem Sie sich nicht am Problem, sondern an den Lösungen orientieren. Besprechen Sie mit Ihren Kindern, was ihnen helfen und die Situation verbessern könnte. Dabei dürfen ruhig ganz konkret Fragen gestellt werden (z. B. „Wie fühlst du dich?“ und „Was würde dir Spaß machen/Freude bringen/deine Laune verbessern?“).
Falls Ihren Kindern keine Antwort auf die Fragen einfällt, liegt es an Ihnen, Lösungen aufzuzeigen. Die sind oft näherliegend, als man denkt. Übertragen Sie positive Stimmung und lösungsorientiertes Denken in Ihre Sprache – weg vom Problem und hin zu sinnvollen Ideen, die alle weiterbringen. So könnten Ihre Formulierungen beispielsweise lauten:
„Damit du heute Nacht richtig gut schlafen kannst, gehen wir später einen Waldspaziergang machen. Wir können Verstecken spielen und Bäumen einen Namen geben. Wetten, dass mir mehr Namen einfallen, als dir?“. Ebenfalls helfen Erklärungen wie:
– „Damit ältere Leute geschützt bleiben, tragen wir diese Masken“.
– „Stell dir vor, wir können bald wieder alle zusammen in Urlaub fliegen. Dafür ist es notwendig, dass…“
– „Komm, wir machen Mama eine Freude und helfen ihr, indem wir uns in das Kinderzimmer zurückziehen, bis sie mit ihrer Arbeit fertig ist. Sie braucht Ruhe, um konzentriert arbeiten zu können.“

Erfindung neuer Alltagsrituale

Lego Da die Möglichkeiten der Beschäftigung zu Corona-Zeiten stark eingeschränkt sind, verbringen Familien notgedrungen viel Zeit zuhause.
Doch auch diese Zeit kann man sich insbesondere mit Kindern versüßen – wer hält Sie als Familienvater davon ab, neue Alltagsrituale zu erfinden?
Es sind die einfachen Dinge, die Kinder glücklich machen, wie z. B. gemeinsam Waffeln zu backen. Planen Sie einen Samstag-Abend, an dem Sie alle zusammen den Teig machen und dann heiße Waffeln mit allerlei Zutaten genießen.
Eine andere Idee wäre es, den Sonntag zu einem Ausflugs-Tag zu machen. Es gibt viele Ziele, die auch Kindern Spaß machen und die nicht zu oder gesperrt sind. Aktivitäten in der Natur ersetzen den Vereinssport und sorgen für den notwendigen Ausgleich durch Bewegung. Auch das Einbinden von Gesellschaftsspielen in den eigenen vier Wänden kann großen Spaß bringen: So können Sie den Freitagabend zum Spiele-Abend erklären. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die eigene Sammlung an Gesellschaftsspielen aufzustocken. Klassiker wie Tabu (regt Ihre Kinder zum Nachdenken an) oder Twister (spricht den Bewegungsdrang an) dürfen dabei nicht fehlen.

Geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigen

Jungs und Mädchen wachsen mit einem jeweils unterschiedlichen Rollenverständnis auf, so dass Mädchen andere Bedürfnisse an ihren Vater haben als Jungen.
Wenn Sie Vater eines oder mehrerer Mädchen sind, dann werden Sie öfter Fragen beantworten und den Beschützer spielen müssen. Signalisieren Sie Ihrer Tochter, dass sie auch in Corona jederzeit mit Anliegen zu Ihnen kommen kann und Sie eine starke Schulter zum Anlehnen sind, egal wie schwer der Alltag gerade sein mag. Mädchen handeln weniger aktionistischer und suchen eine Identifikationsfigur, die ihnen z. B. die Besonderheiten der Pandemie erklären kann.
Jungs hingegen sehen in Ihrem Vater ein Vorbild und ein Spielkamerad, mit dem man gerne auch mal Kräfte messen möchte – Sie dürfen es also gelassen sehen, wenn sich Ihr Sohn mal wieder gegen Sie auflehnt oder absichtlich gegen die Corona-Regeln verstößt. Ihre Aufgabe ist es, ihm Grenzen aufzuzeigen und ihn mit spielerischem Geschick auf andere Gedanken zu bringen. Schnappen Sie sich Ihren Schützling und nehmen Sie ihn mit zur nächsten Wiese. Er wird sich darüber freuen, dass Papa nur mit ihm allein Fußball oder Federball spielen will.