Erziehung meint, wie sich Eltern gegenüber ihren Kindern verhalten, wie sie einander begegnen und wie Kinder dadurch wahrgenommen und angenommen werden. So unterschiedlich Eltern sind, so unterschiedlich sind auch Erziehungsstile. Die häufigsten Muster lassen sich in Kategorien bzw. Stile unterteilen – wobei eines klar ist: Es gibt nicht DEN richtigen Erziehungsstil und es gibt im täglichen Leben Mischformen, die sich situationsbedingt unterscheiden.

Wenn Eltern behaupten, dass sie ohne Regeln erziehen und ihrem Kind auf Augenhöhe begegnen, dann meinen sie damit einen bedürfnisorientierten Erziehungsstil, der den Kindern viel Eigenverantwortung erlaubt – dennoch werden auch diese Eltern ihr Kind davon abhalten bei Rot über die Straße zu laufen, weil sie es schützen. In dieser Situation entscheiden sie dann über den Wunsch des Kindes hinweg, verhalten sich also eher autoritär. Der Alltag ist voll von Mischformen – entscheidend ist, in welcher Weise Eltern und Kinder sich hauptsächlich begegnen.

Hier gibt es einen
Überblick über die Erziehungsstile

Kurt Lewin gilt als der Begründer der Erziehungsstilforschung und entwickelte in den 1930er Jahren ein typologisches Konzept, bei dem drei Stile unterschieden wurden:

Autoritäre Erziehung


Beim autoritären Erziehungsstil treffen die Eltern die Entscheidungen und das Kind muss folgen. Der Gehorsam hat oberste Priorität. Wenn das Kind nicht hört, wird es mit einer Bestrafung zu dem gewünschten Verhalten gezwungen. Die Autonomie des Kindes wird beim autoritären Erziehungsstil stark eingeschränkt, eine Diskussion oder ein Suchen von Lösungen findet nicht statt. Zwischen Eltern und Kindern ist in diesem Erziehungskonzept sowohl ein liebevolles und besorgtes Verhältnis möglich, aber auch eines, das das Kindeswohl gefährdet.

Autoritative Erziehung

Im Gegensatz zur autoritären Erziehung werden beim autoritativen Erziehungsstil die Autonomie des Kindes, sein Wille, seine Wünsche und seine Interessen berücksichtigt und es wird auf diese eingegangen. Dennoch treffen die Eltern die Entscheidungen, nachdem es eine Diskussion und einen Austausch gab.

Dieser Erziehungsstil gilt auch der Goldene Mittelweg, da dem Kind Kommunikationsbereitschaft und Akzeptanz entgegengebracht wird. Es ist ein Stil, der von Wärme und Fürsorge lebt und vom Austausch miteinander. Die Eltern sehen sich als Begleiter ihres Kindes, nehmen aber auch die Position des Leitwolfs ein und sind federführend.

Laissez-faire-Erziehung


Die Laissez-faire-Erziehung ist eine permessive Erziehung, die die Autonomie des Kindes berücksichtigt und damit das Verhalten des Kindes akzeptiert. Es wird nicht erzieherisch eingegriffen, um das Kind in keine Richtung zu ziehen. Sowohl ein besorgtes Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist möglich, als auch ein vernachlässigendes Verhalten.

Ergänzt werden diese drei Stile auf der Grundlage von Glen H. Elder und bietet damit die Grundlage für heute aktuellen Erziehungsstile. Folgende sieben Erziehungsstile gelten heute als bekannt:

Autokratisch


Bezeichnend für den autokratischen Erziehungsstil ist, dass von einer Notwendigkeit ausgegangen wird, dem Kind autoritär gegenüber aufzutreten. Dabei werden Eigeninitiative des Kindes, Autonomie und kindliche Meinungen nicht hinterfragt, sondern unterdrückt. Der Ansicht nach müssen Kinder noch geformt werden und brauchen elterliche Führung.

Autoritär


Beim autoritären Erziehungsstil geht es um psychische Kontrolle und Gehorsam. Werden Regeln und Normen nicht befolgt, wird dieses Verhalten mit Bestrafungen nicht toleriert. Respekt und Achtung vor den Eltern und ihren Regeln hat oberste Priorität, Diskussionen, Hinterfragen oder eigenständiges Handeln sind nicht erwünscht. Die Beziehung ist von Distanz, Kälte und Kontrolle geprägt. Kinder werden reglementiert, Eltern verhalten sich nicht feinfühlig und liebevoll, sind wenig sensibel, es wird viel geschrien, gedroht und befohlen. Auch von körperlichen Bestrafungen wird nicht Halt gemacht, denn Strafen werden als ein effektives Mittel zur Erziehung angesehen. Das Bild des Kindes ist von Hilflosigkeit geprägt, Kinder müssen erst in erzogen werden, sie bringen keine eigenen Kompetenzen und Ideen mit. Kinder, die autoritär erzogen werden, sind häufig ängstlicher, haben eine geringere Frustrationstoleranz und sind im sozialen Miteinander schlechter.

Demokratisch


Der demokratische Erziehungsstil verfolgt das Ziel, dass Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten werden und sich entfalten dürfen. Kinder erfahren ein Gefühl von Akzeptanz, Geliebt-werden und Sicherheit, sie erhalten aber auch genug Raum und Zeit für ihre Entfaltung. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen und erklärt, das eigenverantwortliche und selbständige Handeln wird im Alltag unterstützt.

Egalitär

Beim egalitären Erziehungsstil begegnen sich Eltern und Kinder auf Augenhöhe. Die Meinung des Kindes ist gleich viel Wert wie die Meinung der Eltern und Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. Das Kind verfügt über dieselben Rechte und Pflichten wie die Eltern, natürlich altersangepasst. Von diesem Erziehungsstil spricht man auch in der Attachment Parenting-Bewegung, eine bedingungslose Liebe zwischen Eltern und Kindern, eine bedürfnisorientierte Beziehung. Es geht nicht mehr um Erziehung, sondern um Beziehung miteinander, zur Natur und zu sich selbst.

Permissiv

Bei der permissiven Erziehung nehmen sich Eltern bewusst (und unbewusst) zurück – persönliche Entscheidungen muss das Kind alleine treffen und dann auch die Konsequenzen tragen. Kinder werden darin unterstützt, ihre Individualität auszuschöpfen und Eigenständigkeit zu erlernen – häufig tun Kinder sich aber schwer, sich an Regeln und Normen der Gesellschaft zu halten, weil im Elternhaus kein Wert darauf gelegt wird. Dieser Erziehungsstil wird auch häufig als „unerzogen“ bezeichnet.

Laissez-faire

Beim Laissez-faire-Stil ist das Kind weitgehend sich selbst überlassen, es gibt keine verbindlichen Regeln, keine Normen, keine Werte, keine Unterstützung bei der Entwicklung des Kindes, kein besonderes Interesse. Das Kind kann selbst entscheiden, ohne dabei die Wünsche und Bedürfnisse der Eltern zu berücksichtigen.

Negierend

Eltern mit einem negierenden Erziehungsstil zeigen für das Kind überhaupt kein Interesse, beeinflussen die Beziehung und Erziehung nicht. Es herrscht ein Gefühl von Gleichgültigkeit, ohne Liebe und Nähe. Kinder fallen besonders durch schulisch schlechtere Leistungen auf, weil sie nicht gefördert werden, sie haben ein schlechteres Selbstwertgefühl, da ihnen Bestätigung und positives Feedback fehlen und sie neigen zu Aggressionen und Verhaltensauffälligkeiten. Nicht immer, aber häufig sind das auch Voraussetzungen für Kriminalität, Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Es haben sich neue Begriffe wie z.B. „Helikopter-Eltern“ ausgebildet


Es gibt bei diesen Kategorien auch ungesunde Erziehungsstile, die nicht im besten Interesse des Kindes sind – das ist einerseits eine Übererziehung wie „Helikopter-Eltern“, die ihr Kind übermäßig viel überwachen und versuchen, ihren Kindern alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Für Kinder ist es wichtig, sich auch mit Problemen auseinanderzusetzen und diese zu meistern, um daran wachsen zu können – und Kinder benötigen auch unbeobachtete Momente und Raum, um sich frei zu entfalten.

Aber auch zu wenig Erziehung ist für die Entwicklung eines Kindes nicht gut, denn mangelndes elterliches Engagement zeigt sich in sozialen Auffälligkeiten und schlechten Verhaltensweisen – diese Auswirkungen kann es bei autoritären Erziehungsstilen genauso geben wie bei Laissez-faire. 

Und Erziehung von Teenagern ist auch nochmal ein Thema für sich…