Pubertät bei Jungen und Mädchen

Pubertät bei Jungen und Mädchen

Wenn dein Kind in die Pubertät kommt, stehst du gemeinsam mit deinem Kind vor einer großen Herausforderung. Plötzlich ist alles anders. Kinder fühlen sich missverstanden, empfinden Alles und Jeden als Angriff, du als Vater verstehst deine Tochter bzw. deinen Sohn nicht – und umgekehrt. Rein wissenschaftlich betrachtet bedeutet der Begriff “Pubertät” die Phase der Geschlechtsreifung bis hin zur Fähigkeit der Fortpflanzung und bezeichnet die genetische Veränderung von Teenager zum Erwachsenen. Die Pubertät ist jedoch nicht nur das Erwachsenwerden des Körpers, sondern geht einher mit wachsendem sexuellen Interesse sowie einer massiven psychischen Veränderung. Nicht nur der Körper des Kindes reift heran, sondern es findet auch ein Heranreifen des emotionalen und sozialen Wesens statt, welche insbesondere die Eltern-Kind-Beziehung für beide Seiten auf eine harte Probe stellt.

Die Pubertät bei Jungen

Als Vater kannst du dich sicher noch an die eigene Pubertät erinnern. Die ersten Bartstoppel sprießen, die Intimbehaarung beginnt zu wachsen und statt Schulbüchern wälzen sind es die Geschlechtshormone, die den Alltag eines pubertierenden Jungen bestimmen. Mit Eintritt in die Pubertät sind Jungen besonders leicht erregbar und entdecken die Lust an der Masturbation, da die körperliche Reifung einhergeht mit einer sehr aktiven Sexualität. Bereits vor Eintritt in die Pubertät beginnen im Alter von etwa acht oder neun Jahren die ersten hormonellen Veränderungen und die Produktion der Geschlechtshormone wird gesteigert. Allmählich wird dadurch der sexuelle Reifeprozess – die eigentliche Pubertät – in Gang gesetzt. Noch bevor dein Sohn in die Pubertät eintritt, läuft die Testosteronproduktion in den Hoden auf Hochtouren. Testosteron ist das männliche Geschlechtshormon, das die körperlichen Veränderungen bei Jugendlichen zu verantworten hat und für die Entdeckung der Sexualität verantwortlich ist. Durch die Steigerung des Testosteronspiegels auf den zwei- bis dreifachen Wert beginnen Penis, Hoden, Samenleiter und Samenblase sowie Prostata verstärkt zu wachsen. Dies gilt auch für Präputialdrüsen und Bulbourethraldrüsen.

Die körperliche Veränderungen pubertierender Jungs

Mit Eintritt in die eigentliche Pubertätsphase kannst du bei deinem Sohn eine Reihe körperlicher Veränderungen feststellen:

  • Die Stimme wird männlicher. (Stimmbruch)
  • Die Haut neigt zu Unreinheiten und Pickeln.
  • Der Körper wächst und die Muskulatur wird aufgebaut.
  • Der Haarwuchs (Bart, Achselhaare, Brustbehaarung und Schambehaarung) beginnt.
  • Die äußerlichen Geschlechtsteile wachsen sichtbar heran.
Durchschnittlich erstreckt sich die Pubertät bei Jungs über einen Zeitraum vom 9. bis zum 21. Lebensjahr, beginnt mit dem Wachstum der Hoden und erstreckt sich über die Pubertätsjahre bis hin zum Ende des Längenwachstums, das zwischen dem 15. und 21. Lebensjahr erreicht wird.

Die Pubertät bei Mädchen

Ebenso wie bei den Jungs gibt es auch bei den Mädchen eine vorpubertäre Phase, in der sich die Blutwerte messbar verändern. Der erste Frauenarzt besuch steht auf dem Plan und der jugendliche Körper des Mädchens steigert die Produktion von Östrogen, dem weiblichen Sexualhormon. Durch die gesteigerte Hormonausschüttung werden Busen, Gebärmutter und Scheide zur Entwicklung angeregt. Neben dem Östrogen werden in den Nebennieren auch Androgene gebildet, welche das Wachstum der Schambehaarung aktivieren und die maximale Körpergröße deiner Tochter festlegen. Mit der Veränderung des Hormonhaushaltes in der Vorpubertät verändert sich nicht nur der Körper, sondern auch die Psyche des heranreifenden Mädchens.

Die körperliche Veränderungen pubertierender Mädchen

Bei pubertierenden Mädchen verändern sich ebenfalls zahlreiche körperliche Merkmale. Die Pubertät bei Mädchen fängt etwa mit dem 8. Lebensjahr an, kann aber auch erst im 13. Lebensjahr beginnen. Diese Veränderungen kommen mit der Pubertät:

  • Wachstum der Schambehaarung beginnt.
  • Körperliches Wachstum (meist schubweise).
  • Scheide und Gebärmutter wachsen.
  • Die Brust entwickelt sich.
  • Das Mädchen bekommt zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr die Menstruation.
  • Im 12. bis 17. Lebensjahr ist der Busen vollständig entwickelt.
Den Verlauf sowie das Voranschreiten der körperlichen Entwicklung wird bei Mädchen von Faktoren wie Genetik, Psyche, Sport und Ernährung beeinflusst. Sportliche Mädels entwickeln sich häufig später, während sich kräftiger gebaute Mädchen mit höherem Körperfettanteil oft früher entwickeln. Essstörungen können sich verzögernd entwickeln.

Pubertas praecox & Pubertas tarda

Der zeitlichen Verlauf der Pubertät bei Teenagern kann lediglich aufgrund durchschnittlicher Werte angegeben werden. Weichen die Entwicklungsphasen deines Kindes signifikant vom Durchschnitt ab, spricht man von verfrühter, verspäteter oder angehaltener bzw. ausgebliebener Pubertät.

Pubertas praecox: Die verfrühte Pubertät

Diverse Faktoren begünstigen die vorzeitige Geschlechtsreife bei Teenagern, die als Pubertas praecox bezeichnet und nach nach ICD-10 als

  • E22.8
  • E25
  • E30.1
klassifiziert wird. Mädchen sind  5 mal häufiger davon betroffen und frühreif, aber auch Jungen können sich frühzeitig entwickeln. Wie oben schon erwähnt, kann intensiv ausgeübter Sport, eine Essstörung, eine plötzliche Gewichtszunahme oder ein seelisches Leiden den zeitlichen Eintritt in die Pubertätsphase sowie deren Fortschritt beeinflussen. Aber auch hormonbildende Tumore sind beeinflussende Faktoren, weshalb eine medizinische Abklärung anzuraten ist.

Pubertas tarda: Langsamer Verlauf der Pubertät

Bei der gehemmten Pubertät spricht man von Pubertas tarda (ICD-10 E30.0) und bezeichnet die zu spät beginnende, nicht vollständige oder gar fehlende Pubertät. Kannst du bei deinem Sohn oder bei deiner Tochter zwischen 13,5 und 14 Jahren keinerlei Anzeichen der Pubertät feststellen, solltest du eine diagnostische Abklärung bei einem Jugendarzt in die Wege leiten. Chronisch-entzündliche Grunderkrankungen können Auslöser sein, ebenso kann Pubertas tarda eine Folge einer Strahlentherapie sein.

Umgang mit pubertierenden Teenagern

Die einzelnen Entwicklungsphasen der Pubertät können das Eltern-Kind-Verhältnis sehr stark belasten und stellen die Nerven von Vätern und Müttern auf eine harte Probe. Steckt dein Kind bereits in der Pubertät, kennst du die „Allüren“ deiner zickigen Tochter und die Null-Bock-Phase deines Sohnes. Streitereien zwischen Vater und Teenager gehören jetzt zum Alltag, denn der Teenie steckt in einer Phase, in der sich sein gesamtes Leben verändert:

  • Der Körper wird erwachsen.
  • Die Seele ist im Umbruch und macht gravierende Höhen und Tiefen durch.
  • Die gerade entdeckte Sexualität steht bei vielen Teens im Vordergrund.
  • Gutes Aussehen und cool sein wird zum wichtigsten Lebensinhalt.
  • Der erste Liebeskummer lässt nicht lange auf sich warten.
Als Vater solltest du dich jetzt darin üben, öfter mal die Luft anzuhalten, wenn dein Teenie dir auf der Nase rumtanzt. Erinnere dich daran, wie du in dem Alter warst und wie wenig Lust du damals hattest, dir von den „Alten“ was sagen zu lassen. Dein Kind ist jetzt in einer Entdeckerphase und probiert viele neue Dinge aus – das gilt auch für sein Verhalten gegenüber Vater und Mutter.

Konfrontation mit Eltern ist Reifeprozess

So nervig das ist: Dein Kind braucht die Konfrontation mit dir sowie das Auflehnen gegen von dir aufgestellte Regeln und Grenzen. Die Pubertät ist ein Prozess des Erwachsenwerdens. Dazu gehört eben auch das Abnabeln von den Eltern. Damit dein Teenager eigenständig wird, musst du dafür Verständnis aufbringen. In der Erziehung kannst du jetzt die Zügeln etwas lockerer lassen – schließlich hast du die wichtigste Arbeit bereits in den Jahren davor geleistet. Doch die Zügel jetzt etwas lockerer zu lassen heißt nicht, dass du Grenzen und Regeln aufheben sollst, da gerade eine feste und für deinen Teenager (einigermaßen) logische Struktur deinem Kind dabei hilft, in dieser chaotischen Lebensphase nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren.

Lass Sohn und Tochter eigene Wege ausprobieren und auch Dinge probieren, bei denen etwas schief gehen kann. Bewahre das gute Vertrauensverhältnis und den Draht zu deinem Nachwuchs und sei für dein Kind da, wenn der erste Liebeskummer plagt, die schulischen Leistungen absacken. Auch die Freundschaften deines Kindes können sich jetzt verändern und sogar beste Freundinnen und Kumpels „auf´s Leben“ können plötzlich zum Kontrahenten oder zur Erzfeindin werden. Ersetzte deinem Kind nicht die beste Freundin oder den besten Kumpel, sondern bleibe Vater, der mit Liebe und Verständnis weiter Regeln aufstellt, Einhaltung von Grenzen einfordert, aber da ist, wenn das Kind Hilfe braucht. Wenn es dir einmal mehr zu bunt wird, geh raus auf ein Bier und denke daran: Irgendwann ist auch dein Kind aus der Pubertät heraus und wird wieder „normal“.

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