Werken statt Basteln

Keine Lust auf Basteln? Werken!

Ostern, Halloween, Weihnachten, Fastnacht, Frühlingsanfang, Sommeranfang, Muttertag, Valentinstag, Herbstanfang, Kindergeburtstag, Einschulung – eigentlich an 365 Tagen im Jahr gibt es für Frauen einen Grund zum Basteln. Basteln ist die Königsdisziplin der Frau. Insbesondere die der Mütter. Und für uns Väter? Papierblümchen hier, Origami da. Der kreative Albtraum hat viele Namen: Pappmaché, Serviettentechnik, Sockenmonster, Wollbälle, Wäscheklammer-Männchen und Pilzfigürchen aus leeren Klopapierrollen. Doch woran liegt es, dass wir Männer dem kreativen Arbeiten mit schier unzähligen Bastelmaterialien nichts abgewinnen können – oder besser – gar nichts anfangen wollen? Und wie wirkt sich die Bastel-Unlust von uns Vätern auf unsere Kinder aus? Außerdem bekommst du von uns tolle Tipps rund um´s Handwerken mit deinem Kind – denn das ist eine absolut männliche Alternative zum Basteln.

Basteln – eine Mütterdomäne!?

Spätestens mit der Schwangerschaft werden Frauen vom Nestbau regelrecht befallen und sie kennen nur bevorzugt einen Trieb: Das Zuhause familiär herrichten. Die gesamte Wohnung oder das ganze Haus wird jetzt auf das Kind abgestimmt. Bis zur Geburt muss alles schön und kindgerecht designed sein. Wenn es nach (einigen) Frauen geht, fliegt die Hifi-Anlage raus und dort, wo das Multimedia-Center stand, soll bis spätestens zur Geburt ein dezenter optischer Reiz für das Kind seinen Platz bekommen. Bunte Farben, runde Formen, schlichte Designs – all das regt die kindliche Phantasie an und dient der Entwicklung des Kindes. Gut, das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert. Aber im Wesentlichen kennt jeder Vater diese feminine, hormongesteuerte Wandlung der besseren Hälfte. Der Nestbautrieb ist gewiss nichts Verkehrtes. Natürlich soll das Baby in eine schöne Umgebung geboren werden. Aber kaum ist das Kind auf der Welt, beginnt bei vielen Frauen die Leidenschaft des Basteln erst richtig. Türschilder, Erinnerungs-Bilderrahmen, Wandbilder, Frühlingsdeko, Herbstdeko und Weihnachtssterne. Spätestens, wenn euer Kind ins Kindergartenalter kommt, wird deine bessere Hälfte auch dich nicht mehr verschonen. Du musst ebenfalls mit ran und sollst gemeinsam mit Kind und Frau basteln oder malen. Doch warum müssen Frauen ständig basteln?

Die Antwort: Basteln ist wichtig für euer Kind!

Mit jeder Bastelarbeit lernt euer Nachwuchs. Basteln setzt zahlreiche Fingerfertigkeiten voraus. Wer viel bastelt, trainiert Grobmotorik und besonders die Feinmotorik. Ebenfalls wird die Phantasie angeregt. Außerdem: Während des Bastelns wird mit vielen verschiedenen Materialien und Werkzeugen hantiert, wodurch nicht nur Materialkunde erfolgt, sondern auch der Umgang mit Werkzeug. (Ah, Werkzeug. Das klingt doch schon besser für unsere Ohren!)

Und mal ganz abgesehen von all dem pädagogisch Wertvollen! Kinder finden es vollkommen genial, mit dem Papa etwas Kreatives zu machen. Deshalb wollen wir euch dazu inspirieren, zusammen handwerkliche Dinge zu tun. Du wirst schnell feststellen, dass es überhaupt nicht notwendig ist, dass du dich zum Basteln überwinden musst, denn es gibt wirklich jede Menge Papa-taugliche Alternativen, die dir und deinem Nachwuchs extrem viel Spaß machen werden! Beim Handwerken kommen nämlich Werkzeuge zum Einsatz, die uns gut in der Hand liegen und die nichts mit dem Binden von Schleifchen oder Ausschneiden von rosafarbenen Papierrosetten zu tun haben.

Keine Lust auf Basteln – dann handwerke mit deinem Kind

Dass du keine Lust auf Nadel & Faden oder zum Hantieren mit Pappmaché hast, kann dir niemand verübeln. Außer dein Kind. Denn ihm ist es egal, ob du gerne bastelst oder nicht. Es will zusammen mit dir Zeit verbringen und mit dir gemeinsam etwas machen. Damit es keine Krokodilstränen gibt und du trotzdem mit deinem Kind etwas Cooles herstellen kannst, solltest du einfach das Werken mit deinem Nachwuchs probieren. Da habt ihr beide mächtig Spaß und so legt du diesen wichtigen Teil der Förderung deines Kindes nicht ausschießlich in Frauenhände, sondern bringst Sohn und Tochter etwas Vernünftiges für´s Leben bei: Der Umgang mit Werkzeug. Das ist übrigens nicht nur etwas für Jungen – Mädchen haben daran ebenfalls Spaß. Hier haben wir für dich geniale Bastel-Alternativen! Außerdem findest du bei papa.de ein paar Ideen, wie ihr Kastanienmännchen oder mit Kits Drachen selber bauen könnt.

Laubsägen mit Kindern

Wahrscheinlich kennst du das Laubsägen noch aus deiner Kindheit. Mit der Laubsäge werden Formen aus dünnen Holzbrettern ausgesägt, die dann angemalt und aufgehängt werden können.

Das benötigt ihr zum Laubsägen:

  • Laubsäge mit feinen Sägeblättern
  • 4-6 mm dickes Pappelsperrholz
  • 1-2 Schraubzwingen
  • Schmirgelpapier
  • 1 Handbohrer
  • 1 Bleistift
  • Farben & Pinsel zum Anmalen (z. B. Wasserfarben, Acrylfarben)

So  geht´s:

Malt zunächst ein einfaches Motiv auf das dünne Holzbrett. Das kann ein einfacher Drache, ein Fisch oder eine Muschel, eine Fledermaus, ein Osterei oder ein Auto sein. Falls du keine Ideen hast oder nicht malen kannst: Besorge dir aus dem Internet Malvorlagen. Nun fixiert ihr das Brett mit der Schraubzwinge auf der Tischkante, so dass ihr mit der Laubsäge die äußeren Konturen des Motivs aussägen könnt. Nachdem die Figur vollständig ausgesägt wurde, braucht ihr nur noch die Kanten mit dem Schmirgelpapier zu glätten, ein Loch zum Aufhängen hineinzubohren und die Laubsägearbeit bunt anzumalen. Habt ihr dann etwas Übung im Laubsägen, könnt ihr Mobile, Hampelmann, Lampen für´s Kinderzimmer, Türschilder, kleine Möbel für das Puppenhaus und vieles andere mehr werkeln.

Hammerstarke Nagelbretter

Aus einem einfachen Brett, ein paar Nägeln und gewöhnlichen Haushaltsgummis kannst du zusammen mit deinem Kind ein tolles Spielzeug werkeln.

Das braucht ihr für Nagelbretter:

  • ca. 1-1,5 cm starkes Holzbrett (Länge und Breite nach eurer Wahl)
  • 1 Kästchen kleine Nägel
  • 2 kleine Hammer
  • 1 Packung Haushaltsgummis

So wird´s gemacht:

Nagelt in gleichmäßigen Abständen (ca. 1-2 cm) die Nägel in das Brett, bis das gesamte Holzbrett mit Nägeln bestückt ist. Das war es auch schon. Jetzt könnt ihr mit den Gummis phantasievolle Formen und Figuren über die Nägel spannen.

Bild: Wollbälle für Lichterketten

Aus Luftballons, Wolle & Holzleim entstehen bunte Bälle für Lichterketten

Bunte Lampions für Lichterkette

Aus wenigen Materialien kannst du mit deinem Kind bunte Bälle basteln, die eine langweilige Lichterkette in eine coole Kinderzimmer-Deko verwandeln.

Das musst du besorgen:

  • Wolle (verschiedene Farben und mehrere Knäuel)
  • 1-2 Flaschen Holzleim
  • 1 Packung Wasserbomben
  • altes Zeitungspapier
  • leere Kloppapier-Rollen
  • 1 alte Plastikschale
  • etwas Wasser
  • 1 Schere
  • 1 Schnabelzange
  • Lichterkette

So bastelt ihr die bunten Bälle:

Vermische den Holzleim mit etwas Wasser, um ihn zu ein wenig zu verdünnen. Blast die Wasserbomben auf und knotet sie zu. Achtet darauf, nicht zu viel Luft in die Ballons zu blasen, da sie noch ihre runde Form behalten sollen. Tränkt nun etwas Wolle im verdünnten Holzleim, wickelt sie um einen Luftballon und stellt diesen auf ein Stück leere Klopapier-Rolle zum Trocknen. Anfangs ist es schwierig, den nassen Faden auf dem Luftballon zu fixieren. Daher macht ihr am besten erst nur ein oder zwei Umrundungen, die ihr dann in Heizungsnähe komplett aushärten lasst. Danach bringt ihr die getränkte Wolle viel leichter zum Halten.

Wenn ihr alle Luftballons mit Wolle ummantelt und getrocknet habt, stecht ihr den Luftballon im Inneren kaputt und zieht ihn mit einer Schnabelzange einfach raus. Auf diese Weise fertigt ihr genügend Wollbälle, damit ihr auf jedes Lämpchen der Lichterkette eine Lampionkugel setzen könnt. Dazu schiebt ihr einfach jedes Lämpchen durch eine der Öffnungen zwischen der Wolle in eine Kugel – fertig ist eure Kinderzimmer-Lampe, die ihr auch als Nachtlicht verwenden könnt. Dafür verwendet aber eine Lichterkette mit Batteriebetrieb.

Brandmalerei mit Lötkolben

Jetzt kommt der absolute Super-Tipp für Papas, die lieber werkeln statt basteln – das Brandmalen. Dabei wird entweder auf Holz, Kork oder Leder mit einem Lötkolben gemalt.

Benötigte Werkzeuge & Materialien:

  • Holz, Frühstücksbretter aus Holz, Kork oder Leder (bei Holz könnt ihr zugeschnittene Bretter oder Baumscheiben verwenden)
  • Brandmalkolben mit verschiedenen Lötspitzen
  • evt. Fuchsschwanz oder Laubsäge zum Zuschneiden der Materialien
  • Verlängerungssteckdose
  • Schraubzwinge
  • eventuell Pinsel und Farben zum Anmalen

So funktioniert die Brandmalerei:

Zum Ausprobieren könnt ihr den normalen Lötkolben aus deiner Werkzeugkiste verwenden. Einziger Nachteil: Dieser hat keine so feinen Lötspitzen. Die Anschaffung eines Brandmalkolbens rentiert sich aber erst, wenn ihr Spaß an diesem Hobby habt und ihr den Malkolben öfter verwenden wollt.

Als Mal-Untergrund eignet sich anfangs ein einfaches Frühstücksbrett aus weichem Holz. Darauf könnt ihr z. B. Schriftzüge wie Oma, Opa, Guten Morgen usw. einbrennen. Natürlich könnt ihr auch ein kindliches Motiv in das Holz zeichnen. Zum Brennen wird die heiße Spitze des Lötkolbens einfach über das Holz geführt. Je nach Geschwindigkeit und Druck werdend die Brandlinien mal dünner, dicker, heller oder dunkler. Bevor ihr loslegt, verlege die Steckdose an das hintere Tischende und klemme mit der Schraubzwinge das Stromkabel des Lötkolbens auf der Tischplatte fest, damit der Lötkolben nicht versehentlich runterfallen kann.

Das Brandmalen müsst ihr vermutlich erst einmal lernen und die ersten Übungsstücke werden sicher keine Meisterwerke werden. Sobald ihr den Dreh raus habt, könnt ihr richtig kreativ werden und von individuell beschrifteten Gürteln, Türschildern über Frühstücksbretter bis hin zu bunten Brettspielen alles mögliche gestalten. Wollt ihr die Brandmalerei mit bunten Farben kombinieren, werden lediglich die Konturen in feinen Linien in Holz, Kork oder Leder gebrannt. Zum Ausmalen werden dann geeignete Farben genutzt.

Speckstein bearbeiten

Bei Speckstein handelt es sich um ein relativ weiches Gestein, das mit Raspeln und Feilen bearbeitet werden kann. Kinder haben dabei viel Spaß und es lassen sich mit dem weichen Gestein tolle Sachen herstellen.

Diese Materialien und Werkzeuge braucht ihr:

  • Speckstein (in verschiedenen Größen und Farben)
  • kleine Feilen und Raspeln
  • eine Säge zum Zurechtschneiden größerer Steine
  • Schmirgelpapier (grobe und feine Körnung)
  • Speckstein-Öl zum Polieren
  • Staubmasken
  • altes Zeitungspapier
  • wasserfesten Filzstift

So wird Speckstein bearbeitet:

Tragt beim Bearbeiten von Speckstein Staubmasken, da die Staubentwicklung recht hoch ist. Die weichen Steine gibt es in zahlreichen Größen, Formen und Farben zu kaufen. Für den Anfang eignen sich kleine Steine, die gut in der Kinderhand liegen. Solche Steine kannst du mit einer Säge aus größerem Gestein rausschneiden. Bevor ihr loslegt, werft einen Blick auf jeden einzelnen Stein, überlegt, welche Figur daraus entstehen kann. Mit dem Filzstift kann die Kontur auf den Stein gemalt werden. Jetzt geht´s los. Mit Raspeln werden die groben Konturen geformt, mit feineren Feilen die Feinheiten und die Oberfläche gestaltet. Zum Abschluss wird die fertige Figur mit Schmirgelpapier geglättet. Durch das Abreiben mit dem Öl gewinnt die Figur einen schönen Glanz.

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