Bild eines schwangeren Teenager

Teenager Schwangerschaft

Trotz aller Aufklärung kommt es jährlich immer wieder vor, dass junge Menschen, eigentlich selbst noch Kinder, auf einmal Kinder bekommen. Für die Eltern von Jungen wie Mädchen ist dieses Thema gleichermaßen brisant, wenn auch im Ablauf sehr unterschiedlich.

Wenn Sie eine Tochter haben, sollten Sie bei folgenden Anzeichen hellhörig werden:

  • sie ist plötzlich sehr unausgeglichen
  • ihr ist morgens schlecht
  • ihre Essgewohnheiten ändern sich
  • ihr Körper wirkt irgendwie „fraulicher“
  • sie klagt über Bauch- und/oder Brustschmerzen
  • die Haut ist plötzlich ungewohnt rein, das Haar glänzt mehr als sonst
  • sie mag keine engen Hosen oder Röcke mehr tragen
Bei einem Jungen gibt es natürlich keine äußerlichen Veränderungen. Dennoch gibt es den einen oder anderen Hinweis, der auf eine anstehende Vaterschaft hinweisen könnte:
  • er ist nervös oder zieht sich sehr zurück
  • er will plötzlich von Mädchen nichts mehr wissen
  • er stellt sehr verdeckte Fragen über Vaterschaft
  • im Internetverlauf zeigen sich einschlägige Seiten

Sie werden Opa! (K)ein Weltuntergang!?

Der erste und wichtigste Tipp für Sie lautet: Für Sie ist diese Schwangerschaft ein GAU. Für Ihre Tochter oder Ihren Sohn allerdings…ein SuperGAU! Überhäufen Sie Junior jetzt bitte nicht mit Vorwürfen! Die Kids haben eine oft geradezu beängstigend klare Vorstellung davon, was jetzt auf sie zukommt. Und, auch wenn das unglaubwürdig klingt, diese Schwangerschaft war mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wirklich ein „Unfall“, weil die Verhütung der Jugendlichen gar nicht oder falsch stattgefunden hat.

Vielleicht ist das Kondom gerissen, oder der Sex kam derart spontan, dass man hoffte, es werde schon gut gehen. Vielleicht hat das Mädchen die Pille vergessen oder sich gedacht, sie sei an einem Punkt im Zyklus, wo sie unmöglich schwanger werden könnte. Auch das Ammenmärchen: „Beim ersten Mal passiert nie was“ ist immer noch weit verbreitet.

Es ist nun einmal, wie es ist, Sie werden Opa! Die Frage, wie eine Familie mit einer Teenie-Mutter oder einem Teenie-Vater umgehen wird, ist sehr individuell. Jedoch ist es sicher hilfreich, sich in der „hohen Kunst des Weglassens“ zu üben. Ersparen Sie Ihrem, ohnehin schon gebeutelten Nachwuchs also Fragen oder Ansagen wie:

„Was sollen die Nachbarn denken!?“

„Was hast du dir nur dabei gedacht!?“

„Willst du mich/uns ruinieren!?“

„Es ist mir egal wie, aber regle das!“

„Wer war es!?“ (am Besten noch hinterher: „dem ziehe ich die Ohren lang!“)

Sollten all diese Dinge tatsächlich die ersten Reaktionen sein, die Ihnen in einem solchen Fall einfielen, so ist das nur verständlich. Die gemeinsame Grundaussage Ihrerseits lautet: „Ich bin hilflos und im Moment gerade überfordert!“ Das ist Ihr Nachwuchs auch. Vermutlich helfen Sie ihm oder ihr sehr viel mehr, wenn Sie das auch so sagen.

Lebensentscheidungen, die zusammen getroffen werden sollten 

Das Baby im Anmarsch ist nicht nur das Kind Ihres Kindes, sondern auch Ihr Enkel. Eine kategorische Forderung nach Abtreibung sollte aus Ihrem Munde nicht kommen. Ihre Tochter entscheidet diese Frage ganz allein. Oder Ihr Sohn wird die Entscheidung seiner Partnerin mittragen, so einfach ist das!

Abtreibungen haben für die Mütter und auch manche Väter tiefgreifende, lebenslange Folgen. Früher oder später muss man sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, das eigene Kind wissentlich getötet zu haben. Für einen solchen Schritt sollten also wirklich gute und schwerwiegende Gründe vorliegen. „Papa wollte das so“, reicht sicher nicht und wird zur Folge haben, dass Sie nach Ihrem Enkel auch Ihr Kind wahrscheinlich früher oder später verlieren werden. Der Grund: Sie haben gefordert, dass Ihre Tochter einen solchen schwerwiegenden und mit Schuldgefühlen beladenen Weg geht. Wenn sich das Mädchen dann von Ihnen abwendet, so ist das eine logische psychologische Reaktion.

Besser ist es, mit dem Kind alle Fürs und Widers abzuwägen und ihm oder ihr zu sagen, dass Sie die Entscheidung Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes mittragen werden. Mit der Hilfe der eigenen Eltern können auch Teenager die Elternschaft „stemmen“. Und, entgegen aller anders lautenden Behauptungen, ist das Leben Ihres Kindes keineswegs vorbei. Es gibt Möglichkeiten, die Schullaufbahn fortzusetzen oder zu einem späteren Zeitpunkt eine Ausbildung zu beginnen. Alles verschiebt sich etwas, doch der Zug ist mitnichten abgefahren. Jugendämter und andere Organisationen bieten Hilfen an und auch der Rest Ihrer Familie wird sich sicher nicht lange bitten lassen, wenn Sie einfach einmal fragen.

Herausforderung an Sie 

Wir Männer mögen Herausforderungen, richtig? Wenn der Nachwuchs einem mitteilt, dass man Opa wird, dürfte diese Herausforderung wohl kaum zu toppen sein. Wir sind doch noch gar nicht im „Opa-Alter“! Was?? Jetzt schon? Wir hatten doch noch so viel vor! Alles richtig, doch jetzt… können wir unsere ganze Kraft, Kunst und Liebe als Papa wirklich zeigen. Unser schon so selbstständiger Teenager hat uns vermutlich noch nie so sehr gebraucht, wie jetzt.

Junior wird seinem Kind ein ebensolcher Vater sein, wie Sie es ihm sind. Also als Erstes: Raten Sie ihm dringend, zu seiner Freundin und dem Baby zu stehen! Sie haben ja schließlich seine Mutter auch nicht verlassen, als Junior unterwegs war. Gehen Sie alle Wege, vor allem den zu den anderen Großeltern wider Willen, mit ihm zusammen. Sie fühlen sich schon überfordert, was glauben Sie, wie es Ihrem Sohn erst geht?

Handelt es sich um Ihre Tochter, wird die Herausforderung an Sie vermutlich noch ganz andere Aspekte haben: Ihr kleines, süßes Mädchen ist… eine FRAU! Mit Sexualität und allem, was dazugehört! Und, fast noch schlimmer, Sie sind nicht mehr DER Mann in ihrem Leben, sondern „nur“ noch der Papa. So oder so ähnlich fühlt es sich an. Manche Väter entwickeln eine heftige (und natürlich verdrängte) Eifersucht auf den „Nebenbuhler“ um das Herz der Tochter. Sie schütteln gerade den Kopf, weil das so irrational ist? Nun, Gefühle sind nicht rational, das ist ja das Schwierige an ihnen.

Ebenso wird Ihr Beschützerinstinkt zur Höchstform auflaufen, denn Sie wollen und sollen Schaden von Ihrem Kind fernhalten. Ob die Schwangerschaft Ihrer Tochter nun Schaden ist oder nicht, sie ist nun einmal da. Jetzt zu strafen oder „die Sache in die Hand zu nehmen“ und die junge Frau ihrer Entscheidungsbefugnisse zu entheben, ist sicher unangebracht. In ihrem Kopf sind Sie als der Papa eine Art „Über-Mann“. So schwer das auch ist, aber dieser Rolle gerecht zu werden, ist der sinnvollste Weg, den Sie einschlagen können: Seien Sie einfühlsam! Total unmännlich, aber genau das, was Ihr Mädchen jetzt braucht. Einen einfühlsamen Mann, an den sie sich anlehnen kann und der ihr Verständnis entgegen bringt. Lassen Sie sie wissen, dass Sie für sie da sind. Dass Sie gerne raten und helfen, aber auch, dass Sie die Entscheidungen Ihrer Tochter respektieren.

Und sehen Sie die Chance, die sich Ihnen bietet: Manche Väter machen den Fehler, die schwangere Tochter an die Mutter zu verweisen und sich selbst herauszuhalten. Die Schwangerschaft mit all ihren Höhen und Tiefen ist zweifellos „Weiberkram“. Doch ist das die Elternschaft auch? Wie wäre es, wenn Sie den rationalen Teil übernehmen? Fragen wie zum Beispiel:

  • Wird Ihre Tochter alleinerziehend sein?
  • Sollen die Beiden oder die Drei im Elternhaus wohnen?
  • Welche Hilfen in Form von Geldern und Betreuungsangeboten gibt es?
  • Wie könnte ein Betreuungsplan aussehen, der Ihrer Tochter eine weitere Ausbildung ermöglicht?
  • Kinderzimmer? Die Mädels planen, ich baue!
Alle diese Fragen müssen beantwortet werden. Und hier können wir mit unserem Talent zum Planen und Machen sehr helfen. Ideal ist es natürlich, wenn auch der Vater Ihres Enkels seinen Teil an Verantwortung trägt. Und jetzt… sind Sie gleich noch einmal gefordert! Statt Ihrem verständlichen Wunsch, dem Jungen ordentlich die Leviten zu lesen stattzugeben, nehmen Sie ihn einfach an. Sehen und wertschätzen Sie, dass er Ihr Mädchen (und seine Freundin) nicht alleine lässt. Nehmen Sie ihn für voll und stehen Sie dem werdenden Vater als bereits routinierter, erfahrener Vater bei.

Verbindung aufbauen von Herz zu Bauch 

Jetzt wird es einen Moment richtig konkret. Die Schwangerschaft Ihrer Tochter schreitet voran, es kommt DER Frauenarzttermin. Sie wissen schon, der dem auch Sie damals entgegen gefiebert haben, erste Ultraschallbilder vom Baby werden gemacht. Ihre Tochter kommt heim, strahlt Sie an und sagt: „Papa schau mal!“ dabei hält sie Ihnen die Bilder hin. Und Sie? Werden wahrscheinlich von Gefühlen überwältigt. Das also ist das kleine Wesen, Ihr Enkel oder Ihre Enkelin. Es ist im Bauch Ihrer Tochter und wird in einigen Monaten auf Ihrem Schoß krähen.

Und jetzt lieber Papa, haben Sie diese eine Gelegenheit, einmal richtig gefühlsduselig zu werden. Jetzt ist nicht der coole Papa gefragt, der immer alles im Griff hat, sondern der Mensch, der ebenso überwältigt vom Wunder des Lebens ist, wie Ihre Tochter auch. Erzählen Sie Ihrer Tochter ruhig wie es war, als Sie sie das erste Mal im Ultraschall gesehen haben. Erlauben Sie sich, Ihren kleinen Enkel ins Herz zu schließen, ihn willkommen zu heißen und ihn anzunehmen, aller Schwierigkeiten und Herausforderungen zum Trotz. Wenn Sie den Wunsch haben, fragen Sie Ihre Tochter, ob Sie Ihre Hand auf ihren Bauch legen dürfen. Spüren Sie das kleine Bündel Leben darin, es ist auch ein Teil von Ihnen.

Sollte Ihr Sohn Ihnen erste Bilder seines Sohnes oder seiner Tochter zeigen, dürfen Sie das getrost als „Ritterschlag“ sehen. Ja, Sie sind nicht nur sein Vater sondern auch der werdende Opa. Sie sind fester, wichtiger und geschätzter Teil dieser Familie, die sich auf die nächste Generation vorbereitet.  Sprachlos? Feuchte Augen? Nehmen Sie Ihren Sohn fest in den Arm und sagen Sie…gar nichts. Er ist auch ein Mann, er wird verstehen. Spätestens jetzt wird es Zeit, dass Sie sich um ein Gespräch mit Ihrer Schwiegertochter in spe bemühen, sofern das noch nicht stattgefunden hat. Sagen Sie Ihr, dass sie und das Baby in Ihrer Familie willkommen sind. Das klingt sehr formal, aber große Ereignisse brauchen Würdigung. Ihre Schwiegertochter wird sehr glücklich sein zu wissen, dass das Baby nicht nur einen Vater, sondern auch einen Großvater haben wird, idealerweise sogar zwei.

Vielleicht kann man auf dieser Basis sogar Kontakt mit dem anderen beteiligten Elternhaus knüpfen: Die beiden künftigen und für den Job viel zu jungen Großeltern setzen sich einfach Mal auf ein Glas Wein oder ein Abendessen zusammen. Am Anfang ist das sicher komisch, aber bald schon kann es tröstlich und auch sehr hilfreich sein zu sehen, dass Sie mit Ihren vielen offenen Fragen, Unsicherheiten und Überforderungen ganz und gar nicht alleine sind. Vielleicht ergibt sich sogar ein Weg, der zeigt: Was zwei Großeltern nicht schaffen, schaffen vier geradezu spielend.

Die Geburt steht bevor 

Natürlich tut sie das, genau genommen, vom ersten Tag der Schwangerschaft an. Doch wenn der Bauch Ihrer Tochter so langsam lange vor ihr durch die Türe kommt wissen Sie aus Erfahrung: Jetzt dauert es nicht mehr sehr lange. Zeit, für den „Papa-Check“:

  • Kliniktasche gepackt?
  • Kinderbettchen fertig?
  • Babykleidung und Wickelkommode am Start?
  • Fertig für den großen Tag??
Keine Sorge, wenn Sie die letzte Frage verneinen mussten, auf manche Ereignisse ist man nie vorbereitet. Haben Sie Angst, vielleicht sogar Panik bei dem Gedanken, Ihre kleine Tochter plötzlich schweißgebadet und mit schmerzverzerrtem Gesicht heraus pressen zu hören: „Papa? Ich glaub es geht los!“ Oder diesen Anruf von Ihrer Frau zu bekommen: „Schatz? Unsere Kleine ist im Kreißsaal! Komm bitte schnell!“ Das ist nur natürlich. Als Sie selber Vater wurden, waren Sie mittendrin, denn Sie halfen bei der Geburt Ihres Kindes. Jetzt sind Sie quasi am Spielfeldrand. Kein Mann mag das besonders. Es ist okay, wenn Ihnen beim Gedanken an diesen Tag ein bisschen flau im Magen wird.

Ob Sie mit in die Klinik, vielleicht sogar in den Kreißsaal möchten oder nicht, ist absolut Ihre Entscheidung. Allerdings sollte das schon vorher besprochen worden sein. Bei sehr vielen Teenager-Geburten sind beide Eltern anwesend, oder auch nur der Vater oder nur die Mutter. Hier sollten alle Wünsche respektiert werden: Können Sie das? Trauen Sie sich das zu, Ihre Tochter in der Geburt zu begleiten? Wenn ja, bieten Sie ihr Ihren Beistand an. Wenn nein, seien Sie ehrlich zu sich und zu ihr: Sagen Sie ihr, dass Sie es nicht aushalten würden, Ihre Tochter bei der immer noch schwersten und schmerzhaftesten Tat überhaupt zu sehen und ihr nicht helfen zu können. Vielleicht ist auch ein Mittelweg möglich, nämlich dass Ihre Frau und Sie abwechselnd bei der Gebärenden sind.

Vielleicht ruft Sie aber auch Ihr Sohn an: „Papa? Das Baby kommt! Ich muss wieder zu meiner Freundin!“ Und jetzt? Greifen Sie sich am Besten den Autoschlüssel und fahren Sie in die Geburtsklinik. Sofort. Sagen Sie auf der Entbindungsstation, dass Ihr Sohn gerade Vater wird und man ihm mitteilen möchte, dass sein Vater da ist. Vermutlich werden Sie die Erleichterung Ihres Jungen bis auf den Gang spüren. Es reicht, dass Sie da sind. Vielleicht kommt er zwischendurch heraus, um einen Moment bei Ihnen auszuruhen, vielleicht aber auch nicht. In jedem Fall dürfen Sie sicher sein, dass Ihre schiere Anwesenheit besser hilft, als jedes Beruhigungsmittel und alle Geburtsvorbereitungskurse der Welt zusammen.

Schon während der Schwangerschaft Ihrer Tochter oder auch der Freundin Ihres Sohnes ist es wichtig, sich die Tatsachen bewusst zu machen: Sie werden Opa. NICHT Papa! Sie sind gefragt zum helfen, beraten, später mit dem Enkel Fußball zu spielen, Geschichten zu erzählen, eben all die „Opa-Sachen“ zu machen. Lassen Sie Ihrem Kind Raum und Möglichkeit, Mutter oder Vater zu sein. Irgendwie wissen wir einfach, wie das geht, mit dem Eltern-Sein. Klar, die Menschheit ist ja nun noch nicht ausgestorben. Und daran haben auch die Opas einen wichtigen Anteil, egal wie alt sie sind.

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