Bild einer Jugendlichen mit Pillen / Drogen in der Hand

Drogen bei Kindern und Jugendlichen

Machst du dir Gedanken darüber, ob dein Kind später mal Drogen nehmen könnte oder hast du ein Kind, das bereits Drogen konsumiert? In beiden Fällen bist du als Vater gefordert, dich zunächst zu informieren und dann zu intervenieren. Ganz wichtig ist, dass du nicht ausflippst vor Sorge. Auch wenn die Situation vielleicht schon gravierend ist, kannst du deinem Kind viel eher helfen, wenn du zunächst besonnen bleibst und nicht einfach so darauf lospolterst. Es gibt eine Menge Wissen, das du dir aneignen musst, um in der entsprechenden Situation richtig reagieren zu können.

Der erste Kontakt mit Drogen

Wenn es zu den ersten Kontakten mit Drogen kommt, sind die meisten Kinder bereits in der Pubertät. Das ist auch der Grund, warum viele Kinder zu Rauschmitteln greifen – sie machen gravierende körperliche und seelische Veränderungen durch. Ihr Hormonhaushalt gerät aus den Fugen. Sie versuchen, sich selbst zu finden und möchten sich allmählich vom wohlbehüteten Elternhaus abnabeln, um zu einem echten Individuum zu werden. Leider suchen Kinder auch häufig extreme Situationen, an denen sie wachsen können – wie beispielsweise irrsinnige Mutproben und eben den „Kick“ von Drogen.

Drogeneinstieg „Gruppenzwang“

Wenn dein Kind nun auch noch in Kreisen verkehrt, in denen Drogenmissbrauch propagiert wird, ist es höchstwahrscheinlich, dass sich dein Kind dem Ganzen nicht entziehen kann. Obwohl man es annehmen sollte, findet der Einstieg in die Drogensucht nicht durch Zigaretten, Alkohol und Cannabis statt, sondern ist eine Kombination verschiedener Auslöser. Auf das Thema „Alkohol und Zigaretten bei Kindern und Jugendlichen“ gehen wir an anderer Stelle ein. Hier soll sich alles um illegale Drogen drehen.

Drogeneinstieg „Überforderung und Hilferuf“

In der heutigen Zeit fühlen sich viele Kinder überfordert. Leistungsdruck in der Schule, eine Fülle von Aufgaben im Elternhaus und dazu noch Hobbys, die gepflegt werden wollen. Schon ist es dem einen oder anderen Kind zu viel. Um einen Gegenpart zu diesem vermeintlichen Druck zu haben, greifen Kinder dann auch zu „Muntermachern“ wie „Speed“ und/oder Extasy. Hier geht es also nicht um die zu erwartende Experimentierfreude, sondern um einen Hilferuf.

Anhand dieser Anzeichen erkennst du, ob dein Kind bereits Drogen konsumiert

Zugegeben, für uns Väter ist es nicht leicht, Drogenmissbrauch zu erkennen. Den ganzen Tag gehst du arbeiten, kommst erschöpft nach Hause und dein Kind beschäftigt sich lieber mit sich selbst. Das ist verständlich und geht den meisten Vätern so – deshalb musst du kein schlechtes Gewissen haben. Wichtig ist aber, dass du deine Sinne schärfst, um die Anzeichen für Drogenmissbrauch zu erkennen. Dein Kind braucht deine Hilfe – und helfen kannst du am besten, wenn du Bescheid weißt. Schau dir die nachfolgende Aufstellung der Anzeichen an:

Erkennbare Wesensveränderungen

Nicht umsonst sagt man, dass Kinder in der Pubertät schwierig sind. Veränderungen gehen in dieser Lebensphase meist recht schnell voran, sodass du als Vater kaum noch mit der Entwicklung Schritt halten kannst. Wenn dein Kind mit Drogen zu tun hat, erkennst du das häufig an besonders auffälligen Extremen:

  • Sehr starke Stimmungsschwankungen in kurzer Zeit
  • Unruhiges und teilweise auch aggressives Verhalten gegenüber Eltern und Geschwistern
  • Plötzliche Introvertiertheit – dein Kind verkriecht sich förmlich

Psychisch und physisch auffällige Signale

Du kennst dein Kind schon seit seiner Geburt. Wenn du die Entwicklung über die Jahre mitverfolgst, bekommst du ein Auge dafür, wenn es deinem Kind „irgendwie“ nicht gut geht. Es gibt auffällige Signale im körperlichen und seelischen Bereich, die dir auffallen können:

  • Schlafstörungen (dein Kind ist ständig müde)
  • Kränkliches Aussehen mit fahler Gesichtsfarbe
  • Häufige Übelkeit (falls du eine Tochter mit diesem Alarmsignal hast, solltest du behutsam prüfen bzw. hinterfragen, ob evtl. eine Schwangerschaft vorliegen könnte)
  • Appetitverlust (wenn dein Kind auffällig weniger isst als bislang gewohnt)
  • Kreislaufstörungen in Verbindung mit wiederkehrendem Schwindelgefühl

Verhaltensauffälligkeiten

Ebenso wie du auffällige körperliche Veränderungen wahrnehmen kannst, siehst du in der Regel auch sehr präzise, wenn sich dein Kind auffällig anders verhält als bislang üblich. Das kann auch mit der Pubertät zusammenhängen, deshalb solltest du mit Vorwürfen und Schimpftiraden eher zurückhaltend agieren. Besonders auffälliges Verhalten zeigt sich unter anderem so:

  • Konzentrationsstörung (wenn dein Kind dir beispielsweise bei einfachen Erklärungen nicht mehr richtig folgen kann)
  • Sprunghafte Themenwechsel (dieses Verhalten ist typisch für Drogenkonsumenten)
  • Fehlende Motivation (Dinge, für die sich dein Nachwuchs bislang absolut begeisterte, werden spontan und auffällig plötzlich belanglos)
  • Auffällig aggressives Verhalten selbst bei belanglosen Gesprächen
  • Geistige Abwesenheit (Drogenkonsumenten wirken häufig apathisch, wenn sie sich unbeobachtet fühlen – es wirkt so, als würden sie auf einen Punkt in tausend Metern Entfernung starren)

Die Lebensgewohnheiten ändern sich unvermittelt

Auch hier musst du sehr behutsam und besonnen vorgehen. Es ist für Kinder und Jugendliche nicht ungewöhnlich, plötzlich einen neuen Freundeskreis zu haben. Dahinter muss sich nicht zwingend der falsche Umgang mit zwielichtigen Typen verbergen. Als Indikatoren für den Verdacht des Drogenkonsums dienen unter anderem diese hier:

  • Plötzlicher Freundeswechsel mit meist älteren Personen
  • Schule und/oder Ausbildung bzw. Arbeit rückt in den Hintergrund
  • Hobbys und sportliche Aktivitäten werden plötzlich auf null heruntergefahren
  • Die Körperhygiene und das allgemeine Erscheinungsbild verändern sich radikal

Plötzliche finanzielle Engpässe

Ziemlich deutliche Anzeichen für einen potenziellen Drogenmissbrauch findest du, wenn es um die finanzielle Situation deines Kindes geht. Speziell in diesem Bereich hilft es, wenn du dein Kind „überwachst“, ohne es ständig zu kontrollieren. Du kannst dich dabei an folgenden Punkten orientieren:

  • Plötzlich kommt dein Kind nicht mehr mit seinem Taschengeld aus
  • Ständig wirst du nach Geld gefragt, kannst aber nichts finden, das dein Kind von diesem Geld gekauft haben könnte
  • Aus deinem Geldbeutel oder aus dem Geldbeutel deiner Partnerin verschwinden kleinere und/oder größere Geldbeträge spurlos

Wenn du Utensilien findest, die offenbar mit Drogenkonsum zusammenhängen

Solltest du entsprechende Gegenstände finden, die du mit Drogenkonsum in Verbindung bringen kannst, ist es höchste Eisenbahn, dich um das Problem zu kümmern. Vergiss dabei aber bitte nicht, dass du das Problem mit Druck und offensivem Verhalten noch deutlich verschlimmern kannst. Hier sind exemplarisch ein paar dieser möglichen Utensilien aufgelistet:

  • Papier- oder Alubriefchen (das weist auf den Konsum von Kokain hin)
  • Eine oder mehrere Pfeifen (diese können, je nach Ausführung, auf Haschisch bzw. Marihuana, aber auch auf Crack hinweisen)
  • Zigarettenpapier zum selbst Drehen in Überlänge (diese sogenannten „Papers“ nutzt man in der Regel für Haschisch oder Marihuana)
  • Einwegspritzen, Gummischlauch, Gürtel, Löffel und Kerzen (eine oder auch mehrere dieser Komponenten können auf den Konsum von Heroin hinweisen)

So kannst und solltest du bei Verdacht auf Drogenmissbrauch vorgehen

Wirklich wichtig ist, dass weder du noch deine Partnerin in Panik geraten, wenn der Verdacht aufkommt, dass euer Kind Drogen nimmt. Wie schon erwähnt, können die oben genannten Punkte nur als Indizien dienen – aber nicht als Beweis. Wie du deinem Kind helfen kannst, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. Einen Handlungsleitfaden kannst du dennoch haben, denn er umschließt alle potenziellen Möglichkeiten. Verliere nicht den Mut und hinterfrage deine Erziehungsmethoden nicht – du und deine Partnerin könnt euch ziemlich sicher sein, dass es nicht eure Schuld ist.

Übe dich in Geduld und versuche, mit deinem Kind in einen Dialog einzutreten

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Kind mit Drogen zu tun hat, solltest du das zunächst mit deiner Partnerin in aller Ruhe besprechen. Es hilft euch und auch eurem Kind nicht, wenn ihr euch gegenseitig Vorwürfe macht oder versucht, einen Schuldigen zu finden! Mache zunächst deiner Partnerin klar, dass sie euer Kind nicht mit Vorwürfen oder Drohungen bombardiert – das führt nämlich meist zu trotzigem Verhalten und verschlimmert die Situation noch deutlich. Nur dann, wenn du und deine Partnerin einen möglichst engen Kontakt zu eurem Kind halten, besteht die Chance, mit relativ milden Mitteln wieder aus diesem Chaos herauszukommen. Versucht keinesfalls, eurem Kind die sprichwörtliche „Pistole auf die Brust“ zu setzen. Das geht schief.

Du musst davon ausgehen, dass dein Kind zunächst abblockt und dieses heikle Thema überhaupt nicht thematisieren will. In der Regel kommt es zu Gefühlsausbrüchen, die sich in Wut, Verzweiflung oder auch Angst äußern – immerhin ist deinem Kind dann klar, dass du und deine Partnerin Bescheid wissen. Auch ist Kindern durchaus klar, dass sie etwas Falsches tun, und fühlen sich schon allein deshalb schlecht, wenn dieses Thema auf den Tisch kommt. Ich schreibe dir nun eine Reihe von erprobten und funktionierenden Handlungstipps auf, damit du weißt, wie du im Idealfall vorgehen kannst.

Tipps für dich und deine Partnerin, wenn euer Kind ein Drogenproblem hat

  • Wenn ihr Veränderungen an eurem Kind erkennt, sprecht es darauf an. Es kommt nicht wirklich darauf an, mit diesem ersten Gespräch gleich wieder alles ins Lot zu bringen. Es soll in erster Linie eurem Sonnenschein klar machen, dass ihr diesen Verdacht habt und für ihn da seid.
  • Behaltet auf jeden Fall eure Emotionen unter Kontrolle – nichts könnte in dieser Situation schlimmer sein als wütende und herumtobende Eltern, die Drohungen aussprechen und das Kind bzw. den Jugendlichen mit Bestrafung drohen. Bleibt ruhig und redet auf Augenhöhe mit eurem Kind – so ist die Chance, dass ihr einen vernünftigen Zugang zu eurem Kind bekommt, wesentlich höher.
  • Wenn du mit deinem Spross sprichst, dann sprich nicht von „oben herab“ mit ihm, sondern vermittle ihm das Gefühl, das du Verständnis hast und ihm nur helfen möchtest.
  • Auch wenn es fürchterlich schwer für dich ist: Spioniere deinem Kind nicht nach. Wenn du oder deine Partnerin das tun und euer Kind merkt es, wird es alle Hebel in Bewegung setzen, euch aus dieser Thematik vollständig herauszuhalten. Ihr werdet dann kaum noch eine Möglichkeit finden, das Problem gemeinsam mit eurem Kind zu lösen.
  • Auch dieser Punkt ist für Eltern unendlich schwierig (ich weiß das aus eigener Erfahrung): Sollte euer Kind Drogenkonsument sein und ihr wisst es, dann lasst es die Konsequenzen daraus selbst tragen.
  • Auch wenn die neuen Freunde offenbar der falsche Umgang für dein Kind sind, solltest du ihm nicht pauschal verbieten, sie zu treffen. Viel effektiver ist es, zu erklären, warum du den Kontakt zwischen deinem Kind und diesen falschen Freunden kritisierst. Erkläre deine Sichtweise ruhig und mit Argumenten. Dein Kind wird sich mit diesen Ratschlägen zwangsläufig auseinandersetzen, auch wenn es etwas dauern mag.
  • Wenn dir dein Kind Lügen auftischt und du das merkst, solltest du dies auch in konstruktiver Weise darlegen. Sag ruhig, dass du diese Lüge nicht schluckst, aber trotzdem nicht böse bist. Gib deinem Kind zu verstehen, dass es über jedes Thema mit dir sprechen kann, ohne gleich ein Donnerwetter erwarten zu müssen.
  • Auch wenn es verlockend erscheint: Es ist kontraproduktiv, wenn du deinem Nachwuchs materielle Belohnungen versprichst, wenn es sich von Drogen fernhält. Das kann zwar eine gewisse Zeit lang funktionieren, wird aber auf Dauer keinen Erfolg haben.
  • Dies ist beinahe der wichtigste Punkt von allen: Wenn du und deine Partnerin den Verdacht haben, dass euer Kind mit Drogenmissbrauch zu tun hat, dann sucht den Kontakt zu einer Drogenberatungsstelle. Dort weiß man, was zu tun ist. Ihr müsst dieses Problem nicht alleine bewältigen, sondern könnt auf professionelle und erfahrene Hilfe zählen.

Hier ein paar mögliche Anlaufstellen, die dir weiterhelfen können:

Noch ein paar abschließende Hinweise und Tipps für dich

Es ist absolut wichtig, dass du einen guten Draht zu deinem Kind behältst. Dabei hilft es, wenn du selbst mit offenen Karten spielst, um deine Glaubwürdigkeit gegenüber deinem Kind zu unterstreichen.

Du hast selbst schon Erfahrungen mit Rauschmitteln gemacht?

Hervorragend. In diesem Fall kannst du mit deinem Kind auf Augenhöhe sprechen, denn wenn du deine eigenen Verfehlungen zugibst, erzeugst du automatisch sachliche Glaubwürdigkeit. Natürlich solltest du dabei auch einfließen lassen, dass es nicht gut für dich war und das du z. B. angst hattest, weil es aus dem Ruder hätte laufen können. Erkläre auch, wie du den Absprung geschafft hast – z. B. durch den neuerlichen Wechsel des Freundeskreises, durch Umzug oder durch neue Hobbys.

Informiere dich, wie die aktuell im Umlauf befindlichen Drogen wirken

„Wissen ist Macht.“ Dieser Sinnspruch ist keine leere Phrase, sondern durchaus realistisch und korrekt. Für dich ist es sehr wichtig, dass du mit Fakten behaftet bist, wenn es in das Gespräch mit deinem Kind geht. Je mehr du darüber weißt, desto glaubwürdiger wirst du gegenüber deinem Nachwuchs. Wenn du in solchen ernsthaften Gesprächen mit Unwissenheit glänzen solltest, wirst du ziemlich schnell nicht mehr als Gesprächspartner ernst genommen. Nur wenn du wirklich mitreden kannst, wirst du auch Zugang zu deinem Kind haben, wenn es Ratschläge und Hilfe annehmen soll.

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