Ein unerfüllter Kinderwunsch kann für eine Beziehung zur Zerreißprobe werden. Um endlich „eine richtige Familie” zu sein, entscheiden sich viele Paare für eine Adoption. Bei dem adoptierten Kind muss es sich allerdings nicht immer um ein Fremdes handeln: Seit 2004 werden jährlich zwischen 2.000 und 3.000 Stiefkinder adoptiert.

Mit dem Entschluss, ein Kind anzunehmen, lösen sich jedoch nicht alle Schwierigkeiten in Luft auf – im Gegenteil. Spätestens, wenn die Frage nach den leiblichen Eltern aufkommt, müsst ihr euch Problemen stellen, die andere Familien nicht kennen.

Zuallererst: Der Selbstcheck

Bevor ihr ein Kind adoptiert, solltet ihr ausgiebig darüber nachdenken, warum ihr das tun möchten. Willige auf gar keinen Fall nur ein, um deiner Partnerin eine Freude zu machen! Ein adoptiertes Kind großzuziehen, kann auf lange Frist nur gelingen, wenn beide Partner hinter der Entscheidung stehen. Eine Adoption ist auch kein “Beziehungsretter” oder “Trostpflaster” und das adoptierte Kind entspricht höchstwahrscheinlich nicht den idealisierten Vorstellungen, die du dir gemacht haben. Macht euch als Paar und auch du persönlich ausgiebig mit der Materie vertraut, bevor ihr eine Entscheidung treffen.

Fragt euch:

  • Warum möchten wir adoptieren?
  • Stehe ich hinter der Adoption?
  • Ist unsere Beziehung stark genug für diese Belastung?
  • Werde ich das Kind auch lieben, wenn es sich nicht nach meinen Vorstellungen entwickelt?

Voraussetzungen und Ablauf

Voraussetzung um ein Kind anzunehmen, ist ein Mindestalter von 25 Jahren. Seid ihr verheiratet, darf einer von euch auch jünger sein, mindestens aber 21. Bist du und deine Partnerin jedoch nicht verheiratet, kann nur einer von euch das Kind adoptieren, denn gemeinschaftliche Adoption ist nur Eheleuten gestattet. Solltet ihr euch später doch noch entscheiden zu heiraten oder befindet ihr euch in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, besteht die Möglichkeit der Sukzessiv-Adoption, d. h. du adoptierst ein Adoptivkind deines Partners.

Zwischen Kind und Adoptiveltern wird ein Altersabstand von maximal 40 Jahren empfohlen, um ein natürliches Eltern-Kind-Verhältnis zu gewährleisten. Die Adoption in Deutschland erfolgt entweder über das Jugendamt oder einen sozialen Träger. Bewerber müssen sich einer intensiven Prüfung unterziehen, bevor sie als Adoptiveltern zugelassen werden. Geprüft werden zum Beispiel:

  • deine Beweggründe und charakterliche Eignung
  • dein Gesundheitszustand (z. B. sind lebensverkürzende Krankheiten ein Ausschlusskriterium)
  • dein polizeiliches Führungszeugnis (Sexualstraftäter etc. scheiden logischerweise aus)
  • finanzielle und Wohnsituation (durch Hausbesuche überprüft)
  • Stabilität der Partnerschaft, Familiensituation, Vorstellungen über Kindererziehung…

Außerdem musst du ein “Bewerbungsschreiben” verfassen, in dem du dich persönlich und als Paar vorstellst. Wird euer Antrag genehmigt, kommt ihr auf die Warteliste. Bis euch tatsächlich ein Kind zugeteilt wird, können mehrere Jahre ins Land gehen. Nutzt diese Zeit, um Seminare zu besuchen und euch auf die neue Situation vorzubereiten. Mit der Vermittlung eines Kindes ist der Vorgang allerdings noch nicht abgeschlossen: Der Adoptionsantrag kann erst nach einjährigem Zusammenleben mit dem Kind (der sog. Adoptionspflege) eingereicht werden.

Um den Adoptionsantrag beim Familiengericht einzureichen, benötigt ihr die notariell beglaubigten Einwilligungserklärungen der leiblichen und Adoptiveltern sowie des Kindes bzw. seines gesetzlichen Vertreters und einen beurkundeten Adoptionsantrag. Eingereicht werden außerdem ein polizeiliches Führungszeugnis, ein ärztliches Attest und verschiedene Geburts- und Abstammungsurkunden der Beteiligten.

Dieser Aufwand mag im ersten Moment übertrieben erscheinen, zumal ihr ja nur Gutes tun möchtet, aber denke bitte daran: Es geht nicht primär darum euch mit einem Kind zu versorgen, sondern darum, jedes Kind an die für ihn/sie am besten geeigneten Eltern zu vermitteln. Schließlich geht es um deren Zukunft!

Manche Paare entscheiden sich angesichts der langen Wartezeiten und der Situation von Waisen in 3.-Welt-Ländern für eine Auslandsadoption. Ist das auch euer Wunsch, dann geht bitte nicht zu blauäugig vor. Sucht eine vertrauenswürdige Agentur und macht euch mit der Kultur und Sprache des Kindes vertraut. Plant außerdem auch das entsprechende Budget von 8.000,- bis 20.000,- Euro ein.

Sonderfall Stiefkindadoption

Viele Väter in “Patchworkfamilien” schließen ihre Stiefkinder so richtig ins Herz, besonders natürlich, wenn sie sie schon von klein auf großziehen. Liebst du dein Stiefkind, als wäre es dein eigenes, dann darfst du durchaus über eine Adoption nachdenken. Voraussetzungen sind, dass zwischen euch ein echtes Vater-Kind-Verhältnis besteht und, dass der leibliche Vater der Adoption zustimmt. Verweigert er seine Zustimmung, so hast du wenig Chancen, die Adoption dennoch gerichtlich durchzusetzen.

Sei in diesem Fall aber verständnisvoll, denn der leibliche Vater wird nicht nur seiner Unterhaltspflicht entbunden, sondern verliert auch sein Umgangsrecht. Auch bei der Stiefkindadoption erfolgt eine Prüfung durch das Jugendamt, die einjährige “Adoptionspflege” entfällt jedoch meist. Die Antragstellung verläuft wie bei einer “normalen” Adoption.

Was kostet eine Adoption?

Die Vermittlung eines Kindes über das Jugendamt ist kostenfrei, über einen privaten Träger können Gebühren bis zu 5.000,- Euro anfallen. Auch für die Bewilligung des Adoptionsantrags beim Familiengericht bei der Adoption eines Minderjährigen fallen keine Gerichtsgebühren an. Die eigentlichen Adoptionskosten verstecken sich in den Notargebühren: 60,- Euro für die Beurkundung des Adoptionsantrags, plus je 30,- Euro für die Beglaubigung der Einwilligungserklärungen, wenn diese getrennt vom Antrag vorgelegt werden. Dazu kommen noch Kosten für die Ausstellung verschiedener Dokumente, z. B. 13,- Euro für das polizeiliche Führungszeugnis; 30,- bis 100,- Euro für ein ärztliches Attest sowie je 5,- bis 10,- Euro für die Beantragung anderer Dokumente (Abstammungs- und Geburtsurkunden…). Insgesamt sollten Sie ca. 100,- bis 300,- Euro einplanen.

Der besonderen Vaterrolle gerecht werden

Ist der Adoptionsvorgang abgeschlossen, sehen sich viele Paare am Ziel ihrer Träume. Dabei übersehen sie leider, dass die wirklichen Schwierigkeiten erst noch auf sie zukommen. Gerade weil eine Adoption einen langjährigen Traum erfüllt, besteht für Adoptiveltern das Risiko, sich nur noch auf das Baby zu konzentrieren und sich als Paar zu vernachlässigen. Schafft euch also unbedingt Momente der Zweisamkeit, um eure Beziehung zu stärken. Traue dich auch, offen mit deiner Partnerin über deine Gefühle zu sprechen und löst Probleme gemeinsam.

Sei dir auch bewusst, dass dein Adoptivkind in seinem zarten Alter schon viel durchmachen musste; es ist nicht ungewöhnlich, dass sich dadurch Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Suche bei Schwierigkeiten den Kontakt mit anderen Adoptiveltern – zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein ist, kann enorm weiterhelfen.

Aber wie kann man nun einem Adoptivkind ein guter Vater sein? Zuallererst natürlich, indem du ihm dieselbe Liebe und Geborgenheit zukommen lässt, die du auch deinem leiblichen Kind schenken würdest.

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem du dein Kind über seine Herkunft aufklären musst. Suche dafür nach passenden Gelegenheiten und schaffe eine angenehme Atmosphäre. Lasse dein Kind spüren, dass es jederzeit Fragen stellen kann, wenn ihm danach ist. Überlasse diese Gespräche auch nicht nur deiner Partnerin, sondern nutze z. B. das Zu-Bett-bringen als Gelegenheit darüber zu sprechen.

Spätestens, wenn dein Kind in die Pubertät kommt, wird es einen besonders starken Identitätskonflikt austragen müssen. Sätze wie: “Du bist gar nicht mein Vater!” können enorm verletzen, sind aber oft gar nicht so böse gemeint. Stehe deinem Kind in dieser schweren Zeit weiterhin als Bezugsperson zur Seite.

Entscheidet ihr euch für eine offene oder halboffene Form der Adoption, steht euer Kind in Kontakt zu seinen leiblichen Eltern. Traurigerweise ist vom biologischen Vater in vielen Fällen nicht einmal der Name bekannt. Versucht trotzdem ein möglichst positives Bild von ihm zu zeichnen und findet eine angemessene und altersgerechte Bezeichnung für ihn. Stehe deinem Kind als männliche Bezugsperson zur Verfügung, das ist besonders für Jungs sehr wichtig.

Als Adoptivvater eines Stiefkindes hast du zu dem Kind schon ein Verhältnis aufbauen können, aber auch das will gepflegt werden. Hast du außerdem noch eigene Kinder, dann vergiss nicht, auch mit ihnen über die Adoption zu reden. Kein Kind sollte sich zurückgesetzt fühlen – das ist natürlich leichter gesagt, als getan. Auch hier gilt: Tue dem Kind einen Gefallen und rede den leiblichen Vater nicht unnötig schlecht.

Adoption ein großer Schritt

Die Entscheidung für oder gegen eine Adoption muss wohlüberlegt sein und darf nicht nur aus dem Affekt oder aus dem Bauch heraus getroffen werden. Wichtig ist, dass ihr den Entschluss als Paar fasst und Probleme gemeinsam durchsteht. Genau wie leibliche Kinder brauchen auch Adoptivkinder viel Zuwendung und Eltern, die sie lieben.