Wie kann man dem Kind die Scheidung vermitteln?

Dem Kind die Scheidung vermitteln
Wenn Eltern sich trennen, stellt sich die Frage: Wie kann man dem Kind die Scheidung vermitteln?

Steht die finale Trennung deiner Ehefrau und dir bevor, steht auch das Kommunizieren an euer Kind bevor. Wie kann man dem Kind die Scheidung vermitteln? Hierfür gibt es keinen allgemeingültigen Weg, sondern immer muss anhand des Alters des Kindes und seiner Reife abgewogen werden, wie man dem Kind die Nachricht überbringt. Bei noch sehr jungen Kindern bis ca. 2,5 oder 3 Jahre müsst ihr in der aktuellen Situation entweder gar nichts oder nur sehr wenig erklären. Babys und Kleinkinder haben bei Weitem noch nicht die Reife, überhaupt zu ermessen, was Trennung und Scheidung der Eltern bedeuten. Wesentlich schwieriger wird es bei Kindern ab 3 Jahre. In diesem Alter sind die Kleinen sehr eng an beide Elternteile gebunden, ihr Bewusstsein ist bereits ausgeprägt und deshalb nehmen sie Ereignisse in ihrem Umfeld sehr gut wahr. Dass der Papa nun auszieht, oder in wenigeren Fällen die Mama, fällt dem Kind extrem auf und das Kind ist nun in der Lage, selbst etwas zur Trennungssituation zu sagen, bzw. Fragen an die Eltern zu stellen. Abhängig davon, wie Eltern ihrem Kind die Scheidung vermitteln, kann der Junge oder das Mädchen mit der Situation klar kommen und verarbeiten.

Kinder sind traurig und haben Angst, einen Elternteil zu verlieren. Als Trennungseltern liegt es an euch, wie euer Kind mit eurer Scheidung umgehen kann. Die Differenzen zwischen deiner Ex-Partnerin und dir müssen von beiden Seiten zum Wohle des Kindes in den Hintergrund gerückt werden.

Kein Kind will die Scheidung seiner Eltern

Noch jüngere Kinder können mit dem juristischen Begriff Scheidung nichts anfangen; jedoch spüren und erfahren auch schon die Kleinen schnell, welche Folgen die elterliche Trennung aber auch die vorausgehenden Auseinandersetzungen von Mama und Papa für sie hat. Noch bevor Trennung bzw. Scheidung thematisiert werden, sind die Differenzen zwischen den Elternteilen im alltäglichen Familienleben meist spürbar und häufig bekommt der Nachwuchs mit, wenn die Eltern sich streiten. Diese Situation macht Jungs und Mädchen Angst, denn die bisher gewohnte familiäre Geborgenheit löst sich in Luft auf. Kinder, deren Elternteile sich in der Trennungsphase befinden, fühlen sich nicht mehr sicher und nicht mehr wohl und sie spüren, dass negative Veränderungen gerade ihren Lauf nehmen. Dadurch entwickeln sich Ängste, was wiederum dafür sorgt, dass Kinder sich wünschen, dass diese Veränderungen wieder “weggehen”.

Eins ist klar: Für die allermeisten Kinder gehören Mama und Papa zusammen und kein Kind wird mit der Trennung seiner Eltern einverstanden sein, da die Trennung im Kind negative Gefühle auslöst und es auch sieht, dass Mama und Papa traurig und unglücklich sind.

Ärger Luft machen und Basis für die Trennung schaffen

Hat deine Partnerin dich betrogen? Du sie? Oder habt ihr euch aus anderen Gründen getrennt? Dann könnt ihr euch darüber streiten, euch gegenseitig die Meinung an den Kopf werfen und sauer aufeinander sein. Manchen Menschen tut es gut, wenn sie ein Ventil für Ärger, Wut und Enttäuschung haben – dies kann in der Trennungssituation auch das gegenseitige Anschreien sein. An der aktuellen Situation selbst ändert dies jedoch nichts, deswegen müsst ihr einen klaren Strich ziehen und euch dann auf möglichst neutraler Ebene begegnen. Denn nachdem der größte Ärger verdaut ist, müsst ihr ganz schnell wieder als Papa und Mama funktionieren. Während ihr eurem Kind die Scheidung vermittelt, solltet ihr eure persönliche Betroffenheit sowie möglichen Ärger über einander ausblenden, um euren Nachwuchs damit nicht zu belasten.

Dies ist für dich und deine Partnerin wahrscheinlich ein schwieriges Unterfangen. Hilfreich kann es sein, wenn ihr euch beide an die Zeit erinnert, in der ihr euch verliebt und auf das gemeinsame Kind gefreut habt. Führt euch beide vor Augen, dass euer Kind Vater und Mutter liebt und braucht.

Bereitet euch auf das Gespräch mit dem Kind vor

Trennungen sind nie leicht, noch schwieriger wird es, sobald ein Kind beteiligt ist. Euch beiden fällt es ohnehin schwer, miteinander zu reden und jetzt müsst ihr euch gemeinsam besprechen, wie ihr eurem Kind die Scheidungsabsicht erklärt. Dieses Gespräch solltet ihr nach Möglichkeit zusammen mit dem Kind führen, damit ihr eurem Nachwuchs ganz klar vermittelt, dass ihr euch zwar als Paar trennt, aber ihr trotzdem beide als Elternteil für das Kind erhalten bleibt und da seid.

Kinder verkraften die Trennung der Eltern meistens besser, wenn es merkt, dass Mama und Papa sich nicht hassen oder böse aufeinander sind. Keinesfalls dürft ihr Tochter oder Sohn den Eindruck vermitteln, dass einer von den Erwachsenen Schuld an der Trennung hat, da ihr das Kind sonst wahrscheinlich in einen Loyalitätskonflikt bringt. Dies ist der Fall, wenn das Kind z. B. den Eindruck hat, dass es sich zwischen den beiden Elternteilen entscheiden muss.

Hilfreich: Klärt die Rahmenbedingungen vor dem Gespräch

Für dich und die Mama des Kindes kann das Gespräch mit eurem Nachwuchs leichter sein, wenn ihr euch vorher aussprecht und euch Gedanken darüber macht, wie es nach Trennung und Scheidung weitergeht.

Damit ihr gemeinsam absprechen könnt, in welcher Form das passieren kann, lasst andere Themen außen vor. Ist die Trennung ohnehin schon beschlossene Sache, geht es jetzt nicht um eine mögliche Schuldfrage, sondern nur darum, wie es mit eurer Familie weitergeht. Ihr begegnet euch nach der Trennung nicht mehr als Paar, sondern als Eltern, deren wichtigste Aufgabe es ist, sich um die Erziehung des gemeinsamen Kindes zu kümmern. Nur die Themen, die unmittelbar auch das Kind betreffen, sollten jetzt besprochen werden.

Regelt diese wichtigen Punkte:

  • Wie werden ihr künftig den Kontakt untereinander gestalten?
  • Bei wem wird das Kind leben?
  • Plant ihr das Wechselmodell?
  • Wie oft soll der andere Elternteil das Kind sehen und betreuen dürfen?
  • Wie regelt ihr Unterhaltszahlungen?
  • Welche Ferienregelung soll es geben?

Steht das Konzept, wo und wie das Kind künftig leben wird und wie die Umgänge zum getrennt lebenden Elternteil gestaltet werden, könnt ihr eurem Kind die Scheidung vermitteln und ihm gleichzeitig auch mitteilen, wie das neue Familienleben künftig sein wird.

So könnt ihr eurem Kind die Scheidung vermitteln

Wie ihr das Gespräch mit eurem Kind gestaltet und wie sehr ihr dabei ins Detail geht, hängt natürlich vom Alter eueres Kindes ab. Wichtig ist altersunabhängig, dass ihr als Eltern geschlossen und einig auftretet. Druckst nicht herum oder wirkt ratlos. Dies verunsichert das Kind sonst noch mehr. Selbst kleine Kinder haben feine Antennen dafür, wenn die Erwachsenen unsicher oder unentschlossen sind.

Kleinkinder: Sprache und Inhalte der Reife des Kindes anpassen

Etwa ab dem 4. Lebensjahr sollte einem Kind erklärt werden, dass die Eltern sich trennen oder sich scheiden lassen und was dies für das Kind bedeutet. Im Kindergartenalter können die Kleinen mit Begriffen wie

  • Trennung
  • auseinandergelebt
  • Scheidung

noch nichts anfangen. Daher ist es wichtig, dass ihr eure Sprache und die Inhalte des Gesprächs der Reife eures Kindes anpasst. Euer Kind muss nicht alles wissen und Trennungsgründe müssen nicht zwingend genannt werden. Auch über die vornehmlich rechtlichen Konsequenzen der Scheidung braucht ihr nichts zu erklären. Viel wichtiger ist die Perspektive, die ihr aufzeigt. Diese soll dem Kind seine Ängste und Sorgen nehmen.

Ihr könnt zusammen dem Kind erklären, dass du und die Mama euch lange lieb hattet und ihr deshalb Mama und Papa des Kindes geworden seid. Und obwohl ihr euch jetzt nicht mehr lieb habt, ändert das nichts daran, dass ihr euren kleinen Schatz liebt und ihr beide euch genauso weiter darum kümmern werdet, dass es ihm gut geht. Vermittelt dem Kleinen die Sicherheit, dass ihr trotz Trennung bzw. Scheidung genauso Mama und Papa bleibt, wie zuvor.

Kinder im Grundschulalter bis etwa 12 Jahre die Scheidung erklären

Mit größeren Kinder solltet ihr auch über die Scheidung sprechen und dem Kind erklären, was die Scheidung bedeutet. Ab welchem Alter dies zu empfehlen ist, hängt von der Entwicklung eures Kindes ab. Heute kennen viele Sechsjährige oder Siebenjährige den Begriff Scheidung, wissen allerdings nicht zwingend, was das für den Familienalltag bedeutet. Dieser ist für das Kind jedoch weitaus wichtiger, als die juristischen Belange, die bei einer Ehescheidung von Bedeutung sind. Darum ist es auch bei größeren Kindern wichtiger, mit ihm über die spürbaren Veränderungen im Alltag zu sprechen.

Einer von euch, entweder du oder die Kindesmutter, zieht auch der bisher gemeinsamen Wohnung aus. Oder beide, wenn die Wohnung zu groß ist. Darüber solltet ihr unbedingt mit dem Kind sprechen. Versichert ihm, dass die neue Wohnsituation nichts daran ändert, dass ihr Papa und Mama bleibt und ihr euer Kind beide liebt. Bei den meisten Trennungen lebt das Kind überwiegend bei einem Elternteil und hat weniger Kontakt zum anderen Elternteil. Es sei denn, ihr einigt euch auf das Wechselmodell.

Tritt die Situation ein, dass euer Kind dich oder die Mutter durch die Scheidung seltener sieht, müsst ihr das ansprechen. So kann sich der Junge oder das Mädchen darauf vorbereiten. Kinder im Grundschulalter sind bereits in einigen Bereichen sehr selbständig. Ermöglicht es dem Kind, dass es zumindest immer den Elternteil anrufen kann, bei dem es nicht lebt. So kann es seine Traurigkeit etwas lindern.

Teenagern die Scheidung erklären

Umso älter die Kids werden, desto besser kommen sie meist mit der Scheidung zurecht. Auch im Teenie-Alter sollten Kinder nicht unbedingt in alle Details involviert werden. Generell für alle Kinder, vor allem aber für die Teenager ist es wichtig, dass sie wissen: Beide Elternteile bleiben Respektspersonen und gleichberechtigte Erziehungspersonen. Merken Teenies, dass sie Vorteile dadurch haben, weil sich nach der Trennung die Eltern gegeneinander ausspielen lassen, habt ihr es bald mit der Erziehung echt schwer.

Anders als bei jüngeren Kindern könnt ihr den Teenager in die Zukunftsplanung einbeziehen. Wenn du und deine Ex-Frau es wollt, könnt ihr dem Jugendlichen die Wahl lassen, wo er/sie leben will. Für Jugendliche nimmt der eigene Freundeskreis einen sehr hohen Stellenwert ein. Dies kann unter Umständen dafür sorgen, dass der Teenager bei dem Elternteil leben möchte, das die Wohnung behält. Eine Entscheidung des Teenagers ist also nicht zwingend für oder gegen den anderen Elternteil, sondern oftmals eine Entscheidung rein pragmatischer Art.

Wenn ihr eurem jugendlichen Kind die Scheidung vermitteln müsst und ihm ein Mitspracherecht einräumen wollt, wo es demnächst leben will, solltet ihr jedoch klarstellen, dass diese Entscheidung beständig ist. Sonst kommt der Teenager womöglich auf die Idee, nach Belieben wechseln zu können und so immer gerade dort wohnen will, wo man ihm am meisten durchgehen lässt. Denkbar ist dennoch auch ein Wechselmodell, wenn du und deine Ex-Frau in Erziehungsfragen Einigkeit zeigt.

Scheidung leichter machen: Bleibt ein Familien-Team

Keine Scheidung ist einfach und jedes Kind ist traurig, wenn die Eltern verkünden, ab sofort getrennte Wege zu gehen. Die gesamte Familienstruktur und der Alltag ändert sich. Alle Familienmitglieder werden eine gewisse Zeit brauchen, um sich mit der neuen Situation zurecht finden zu können.

Habt ihr mit dem Nachwuchs über die Scheidung gesprochen, beobachtet beide euer Kind, wie es die veränderte Familienstruktur verkraftet. Ihr könnt euer Kind besser begleiten und ihm die Trennungssituation zumindest etwas erleichtern, wenn ihr vor allem in den ersten Wochen und Monaten häufig gemeinsame Unternehmungen macht und für ein möglichst entspanntes Verhältnis sorgt. Es spielt keine Rolle, ob dein Kind bei dir oder bei deiner Exfrau lebt oder ihr im Streit auseinander gegangen seid. Umso mehr ihr dem Kind zeigt, dass ihr als Eltern immer noch ein Team seid und das Kind merkt, dass es nichts verliert, desto besser kommt das Kind, aber auch du und die Mutter des Kindes mit der Trennung klar.

Auch langfristig solltet ihr dafür sorgen, dass deine Ex und du als Eltern miteinander reden könnt und stets im Sinne des Kindes gemeinsam Entscheidungen trefft. Das ist positiv für die Entwicklung eures Kindes und macht es euch beiden ebenfalls wesentlich leichter, unverkrampft miteinander umzugehen.

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