Wochenbettdepression

Wochenbettdepression erkennen

Obwohl es von jeder Mutter erwartet wird, bleibt bei den meisten Frauen die große Freude über das geborene Baby aus. Baby Blues, Wochenbettdepression und andere Postpartale Stimmungskrisen gehören somit fast schon zum normalen Verlauf der Schwangerschaft und schließen diese ab. Der Baby Blues kommt am häufigsten vor und ist das harmloseste Postpartale Stimmungstief. Er stellt auch kein Krankheitsbild dar. Anders ist es bei der Wochenbettdepression, die einen anderen Verlauf aufweist und in seinem Ausmaß eine Gefahr für Mutter und Kind darstellen kann. Zwar kommt sie bei Weitem nicht so häufig vor, wie der Baby Blues, doch der prozentuale Anteil bei allen entbundenen Frauen liegt mit 10 bis 20 % recht hoch.

Wichtig: Bei schwerwiegenden Symptomen (Depression oder Psychose) kann es erforderlich sein, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Unser Ratgeber kann nur zur ersten Information dienen, ersetzt aber keine ärztliche Beratung! Als erste Ansprechpartner kommen Hebamme, Gynäkologe und Hausarzt in Betracht.

Postpartale Stimmungskrisen

Als solche werden auffällige Veränderungen nach der Entbindung beschrieben, die im Wochenbett auftreten. Die Symptome der nachschwangerschaftlichen Veränderungen ähneln und überschneiden sich. Falls du bei deiner Frau Auffälligkeiten bemerkst, gibt die nachfolgende Tabelle dir erste Informationen:

Bezeichnung der AuffälligkeitHäufigkeit (ca.)Alternative Bezeichnungentypische AnzeichenVerlaufMaßnahmen / notwenige Behandlungen
Postportales Stimmungstiefzwischen 20 und 80 %, vermutlich ca. 70 %(Angaben schwankend)Baby Blues, Heultagespontanes, grundloses Weinen
Sorgen & Ängste
Appetitlosigkeit
Konzentrationsstörungen
Einschlafprobleme
Durchschlafprobleme
Gereiztheit
treten meist am 3. Tag nach der Entbindung auf, ebben binnen 2 vollständig Wochen abi. d. R. genügt Entlastung der Mutter in Verbindung mit liebevoller Fürsorge
Postpartale Depression10-20 %PPD, Wochenbettdepressiontiefe Traurigkeit
allgemeines Desinteresse
wenig Interesse am Kind
wenig oder kein Interesse allgemein
Hoffnungslosigkeit
auch körperliche Symptome wie Herzbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen
Angststörungen
Panikattacken
Auftreten bis zwei Jahre nach der Geburt, im Verlauf verstärken sich die Symptome bis hin zu Zwangshandlungen und Suizidgedanken auch Tötungsabsichten gegen das Kind und andere Personenpsychologische oder psychiatrische Hilfe notwendig
unter Umständen ist auch eine stationäre Behandlung nötig
Postpartale Psychose1–3 ‰PPP, Wochenbettpsychose, paranoid-halluzinatorische PuerperalpsychoseAngstzustände
Erregungszustände
Verwirrtheitszustände
entsteht meist innerhalb von 2 Wochen nach der Geburt oder als Folge der Schwangerschaftsdepression
Beginn häufig spontan
schnellstmögliche Einweisung in eine psychiatrische Klinik

Anmerkung zu den Zahlen: Diverse seriöse Quellen geben unterschiedliche Zahlenwerte zur Häufigkeit an. Die Abweichungen sind zum Teil sehr stark. Dies erklärt sich durch unterschiedliche Forschungsansätze, bei denen verschiedene Parameter einbezogen werden. Die Zahlen sind daher nur als grobe Richtwerte zu beachten.

Am Ende unseres Artikels haben wir dir mehrere Quellen, weitere Informationen und einen Selbsttest verlinkt.

Wochenbettdepression erkennen

In der Tabelle hast du bereits die wichtigsten Symptome der Wochenbettdrepession lesen können. Dies kann dir dabei helfen, die Depression von den (fast schon) üblichen Heultagen des Babyblues abzugrenzen.

Beim Baby Blues musst du dir keine allzu großen Sorgen um deine Partnerin machen. Bei der Wochenbettdepression sieht dies schon ganz anders aus. Wichtig ist, sie möglichst früh zu erkennen und im Auge zu behalten. Dabei bleibe aber bitte besonnen. Wenn deine Frau den Baby Blues hat, brauchst du sie nicht zum Psychiater zu schleppen, sondern es genügt, wenn du sie liebevoll unterstützt und sie im Auge behälst.

Der wohl wichtigste Unterschied zwischen Blues und Depression liegt darin, dass der Babyblues sehr früh, nämlich etwa 3 Tage nach der Geburt beginnt und sich innerhalb von etwa 2 Wochen von alleine auflöst. Bei der Depression (PPD) verschlechtert sich der Zustand deiner Frau schleichend. Für den Baby Blues kennzeichnend sind auch die spontanen Tränenausbrüche, die in jeder Situation auftreten können. Eben noch gut gelaunt und im Babyglück kann es also sein, dass deine Frau 1 Minute später dicke Krokodilstränen produziert, um 10 Minuten später wieder „normal“ zu sein.

Symptome der Wochenbettdepression

Wenn deine Frau überwiegend oder nur noch tieftraurig wirkt, sie sich leer und schuldig fühlt und ihre Gefühle zu eurem Kind wechselhaft sind, kann es sich um eine postpartale Depression handeln. Achte auf körperliche Beschwerden, für die es offenbar keinen Grund gibt. Hat deine Partnerin Herzbeschwerden, Rückenschmerzen oder häufig Kopfschmerzen, können dies Symptome der Depression nach der Geburt sein. Ebenfalls treten häufig Zittern, Schwindel und selbstverletzendes Verhalten auf.

Wodurch entsteht eine Wochenbettdepression?

Wie beim Baby Blues auch, wird angenommen, dass die Hormonumstellung für depressive Stimmungen nach der Entbindung verantwortlich sind. Es gibt Frauen, bei denen aufgrund bereits bestehender psychischer Erkrankungen die Entstehung einer Postpartalen Depression begünstigt scheint. Auch psychische Krankheiten in der Verwandtschaft können sich begünstigend auswirken.

Weitere Faktoren, die vermutlich das Entstehen einer PPD fördern:

  • Beziehungsprobleme
  • finanzielle Probleme
  • belastende Lebenssituationen
  • soziale Isolation
  • traumatisches Geburtserlebnis
  • Posttraumatische Belastungsstörungen

Vergewaltigung, Misshandlung in der eigenen Kindheit oder eine vorausgegangene Fehlgeburt kommen somit ebenfalls als erhöhende Risikofaktoren für eine PPD in Betracht.

Liegen solche Faktoren vor, können bereits in der Schwangerschaft Maßnahmen ergriffen werden, um eine Depression zu verhindern oder deren Verlauf abzuschwächen. Zwar gibt es keine Garantie, dass dies immer gelingt, aber ein Versuch lohnt sich. Tipps gibt es auf dem Hebammen-Blog hier.

Verdacht auf Wochenbettdepression: Was kann man tun?

Gerade in den ersten Tagen nach der Entbindung ist die Verwechslung zwischen Baby Blues und Wochenbettdepressionen für Laien sehr hoch. Wahrscheinlich bist du verunsichert und machst dir große Sorgen um deine Partnerin. Du solltest jetzt aber kühlen Kopf bewahren und nicht in Panik ausbrechen. Es kann durchaus sein, dass der Babyblues etwas stärker verläuft oder es sich um eine sehr leichte Form der depressiven Verstimmungen handelt.

Notiere dir Auffälligkeiten

Hast du das Gefühl, dass deine Frau mehr, als nur den Blues haben könnte, mache dir am besten Notizen. Schreibe auf, was dir an ihr auffällt und über welche Beschwerden sie klagt. Unbedingt solltest du mit eurer Hebamme reden oder mit dem Frauenarzt. Der Frauenarzt kann durchaus ein guter Ansprechpartner sein, da beispielsweise auch hoher Blutverlust durch die Entbindung Ursache für körperliche Symptome sein kann.

Hebamme kontaktieren

Setze dich mit eurer Hebamme in Verbindung und bitte sie, ins Haus zu kommen. Sie ist Expertin und kann sich einen Eindruck verschaffen, um dir weitere Tipps zu geben. Die Hebamme kann deiner Frau bei der Versorgung des Babys unterstützen so dazu beitragen, dass sich die Mama besser fühlt. Falls die Hebamme dein Gefühl teilt und zur Annahme kommt, dass es sich um eine Postpartale Depression handelt, kann sie dich bzw. euch über die weiteren Schritte informieren und euch wichtige Kontaktadressen vermitteln.

Falls eine psychiatrische Behandlung oder gar eine stationäre Aufnahme deiner Frau notwendig sein sollte, wird dich die Hebamme bei allen Schritten unterstützen. Sie kann die Anmeldung in einer Klinik mit dir erledigen und dir dabei zur Seite stehen, deiner Frau die Situation und die Notwendigkeit der Einweisung zu erklären. Dies ist keine leichte Aufgabe, denn in Ausnahmefällen kann auch eine Zwangseinweisung notwendig werden, wenn die Depression bereits so etabliert ist, dass Suizidalitätsabsichten oder gar eine Kindstötung nicht ausgeschlossen werden können.

Postpartale Depression diagnostizieren

Zeigt deine Frau in den ersten vier Wochen nach der Geburt depressive Stimmungsschwankungen, die Anlass zur Sorge geben, ist eine Diagnostik notwendig. Das Ärzteblatt schreibt dieses:

„Es handelt sich dabei um eine depressive Erkrankung mit Beginn innerhalb von vier Wochen nach der Entbindung. Charakteristische Symptome sind zum Beispiel gedrückte Stimmung, Interessen- und Appetitverlust, Schlafstörungen, erhöhte Ermüdbarkeit, Wertlosigkeits- und Schuldgefühle, verminderte Konzentration sowie Suizidgedanken und -handlungen. Mindestens fünf Symptome müssen über mindestens zwei Wochen vorhanden sein, um die Diagnose einer PPD zu stellen.“

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/54466/Postpartale-Depression-Vom-Tief-nach-der-Geburt

Insofern keine Besserung eintritt, muss zwingend eine fachmedizinische Diagnostik eingeleitet werden. Bei frühem Therapiebeginn bestehen sehr gute Heilungschancen; ohne Therapie wächst die Suizid-Gefahr sowie das Risiko von

  • Vernachlässigung des Kindes
  • dauerhaft gestörter Mutter-Kind-Beziehung
  • und sogar Kindstötung

Im Rahmen der Diagnostik sind Anämie und Schilddrüsenunterfunktion als Auslöser auszuschließen.

Behandlung Wochenbettdepression

Deckt die Diagnostik eine PPD auf, sind bei leichterem Verlauf Psychotherapie, bei mittlerer und schwerer Erkrankung dieTherapie mit Medikamenten kombiniert mit der Psychotherapie indiziert. In der Psychotherapie kann beispielsweise eine kognitive Umstrukturierung angestrebt werden, bei der negative Gedanken durch positive ausgetauscht werden. In der medikamentösen Therapie werden Antidrepressiva wie Amitriptylin oder Trimipramin verabreicht. Auch die Verabreichung von Fluoxetin oder Sertralin ist möglich.

Bei ausgeprägter Depression kann auch eine Mutter-Kind-Therapie in einer geeigneten Einrichtung in Betracht kommen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Mutter-Kind-Beziehung gefährdet ist. In der Mutter-Kind-Therapie wird nicht nur die Schwangerschaftsdepression therapiert, sondern auch die Mutter-Kind-Beziehung aufgebaut und gefördert.

Weiterführende Informationen, Beschreibung & Selbsttest

Ausführlichere Beschreibung der Postpartalen Stimmungskrisen
https://de.wikipedia.org/wiki/Postpartale_Stimmungskrisen

Beschreibung im DocCheck Flexion
http://flexikon.doccheck.com/de/Wochenbettdepression

Fragebogen zur PPD-Selbsteinschätzung (Edinburgh Postnatal Depression Scale)
http://www.femina.uni-bonn.de/pdf/Die%20EPDS.pdf

Schatten und Licht e. V. informative Website rund um peripartale Problemfelder
http://www.schatten-und-licht.de

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