Verhütung

Verhütung bei Jugendlichen

Als Vater hast du es nicht leicht. Kaum kommen die Kinder in die Pubertät, macht man sich viele Gedanken über deren Zukunft. Eine der unangenehmsten Zukunftsszenarien ist die Schwangerschaft bei Jugendlichen. Allein der Gedanke, die 14-jährige Tochter könnte schwanger werden erzeugt Gänsehaut auf des Vaters Rücken. Auch der Sohn, der eröffnet, er würde Papa werden, produziert kein gutes Gefühl. Glücklicherweise haben wir Väter es oft in der Hand, wie die eigenen Kinder mit Sex und Verhütung umgehen. Auch wenn es dir unangenehm ist: Je früher du mit deinem Kind über Sex und Verhütung sprichst, desto besser sind die Chancen, dass dein Kind ein aktives Bewusstsein in Bezug auf die möglichen Konsequenzen entwickelt.

Als lebenserfahrener Mann weißt du, dass es keine Verhütungsmethode gibt, die man als „ideal“ oder „optimal“ bezeichnen kann. Jede Art der Verhütung hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, die man gegeneinander abwägen muss. Insbesondere dann, wenn es um Verhütung bei Jugendlichen geht, muss man die verschiedenen Verhütungsmethoden besonders kritisch in Augenschein nehmen, denn der jugendliche Körper befindet sich in einem Stadium des extremen hormonellen Umbaus. Es ist klar, dass speziell der Verhütungsbereich mit hormonellen Eingriffen in den Körper derzeit fast ausschließlich junge Mädchen betrifft. Lass uns mal einen kurzen Blick auf Verhütungsmittel im Allgemeinen werfen.

So müsste das ideale Verhütungsmittel aussehen

Das perfekte und damit optimale Verhütungsmittel müsste zu 100% sicherstellen, dass eine Schwangerschaft verhindert wird. Darüber hinaus müsste es auch noch vollkommen frei von Nebenwirkungen sein und dürfte keinerlei langfristige Auswirkungen auf die allgemeine Fruchtbarkeit des jugendlichen Nutzers haben. Idealerweise könnte dieses Verhütungsmittel sowohl von Frauen als auch Männern eingesetzt werden und wäre darüber hinaus einfach in der Anwendung, besonders preiswert und beim Geschlechtsverkehr nicht störend. Außerdem müsste es zudem von Menschen unterschiedlichster Konstitution und theologischer Einstellung akzeptiert werden können.

Realistisch betrachtet kann es ein derartiges Mittel nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft nicht geben. Es sind einfach zu viele Variablen, die zu weit auseinanderliegen. Dementsprechend bleibt Männern und Frauen, egal welchen Alters sie sind, einzig die Wahl zwischen den bislang verfügbaren Verhütungsmethoden. Als Vater hast du nicht nur die Pflicht, dein Kind vor Gefahren zu schützen, sondern auch,  es zu unterstützen. Das gilt ebenfalls bei der Wahl des richtigen Verhütungsmittels.

Darüber solltest du mit deinem Sohn reden

Bei Jungs ist die Wahl der Verhütungsmethode sehr eingeschränkt, denn mit der Verwendung von Kondomen sind die Optionen, die einem männlichen Jugendlichen zur Verfügung stehen, bereits ausgeschöpft. Grundsätzlich sollte dein Sohn mit Kondomen verhüten, auch dann, wenn das Mädchen sich für eine zusätzliche Verhütungsmöglichkeit entscheidet. Unbedingt musst du deinem Sohn nahe bringen, dass er auf jeden Fall ein Kondom benutzt. Auch wenn seine Partnerin sagt, sie würde die Pille nehmen.

Wenn Jugendliche miteinander Sex haben, geht es nicht nur darum, eine Schwangerschaft zu verhüten, sondern beide Partner sollen sich gegen die Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten schützen, die in ihrem Verlauf tödlich sein können.

Selbst, wenn die Situation für euch irgendwie peinlich erscheint: Zeige deinem Sohn, wie man ein Kondom richtig benutzt und lass ihn üben (an einer Banane etc.). Zu Übungszwecken genügt es natürlich, eine Packung Kondome aus dem Billigpreissegment zu kaufen. Für den echten Einsatz allerdings sollte er sich nur auf Markenkondome verlassen.

Mit der Tochter über Verhütung sprechen?

Sehen wir die Sache mal realistisch: In den allermeisten Familien läuft es so ab, dass der Hauptteil der Sexualaufklärung von der Mutter übernommen wird. Das ist natürlich, denn sie kann sich wesentlich besser in die Bedürfnisse eurer Tochter einfühlen. Nimm es deiner Tochter deshalb nicht übel, wenn sie dich eher nicht mit diesen Themen behelligt. Falls du aber zu den Vätern gehörst, die sich glücklich schätzen dürfen, dass ihre Tochter auch beim Thema Verhütung zu ihnen kommt, solltest du umfassend informiert und vorbereitet sein. Es ist übrigens kein Fehler, wenn du auch mit deinem Sohn über die nachfolgend näher vorgestellten Verhütungsmöglichkeiten sprichst. So kann er seine Partnerin dabei unterstützen.

Verhütungsmethoden für Mädchen / junge Frauen

Grundsätzlich können und sollten Mädchen selbstverständlich ebenfalls mit Kondomen verhüten. Das solltest du deiner Tochter auf jeden Fall einbläuen, denn das Kondom schützt nicht nur vor der Schwangerschaft, sondern auch vor vielen Krankheiten. Am besten nutzt sie zu jeder Zeit ein Kondom, selbst, wenn sie zusätzlich noch eine andere Verhütungsmöglichkeit anwendet. Lass uns einen Blick auf die verschiedenen Verhütungsmöglichkeiten werden.

Natürliche Verhütungsmethoden

Die natürlichen Verhütungsmethoden sind zahlreich und ich bin sicher, dass du von der einen oder anderen Möglichkeit bereits gehört oder gelesen hast. Diese Art der Verhütung bietet Vor- und Nachteile, die du gleich näher kennenlernen wirst. Zunächst aber ein kurzer Diskurs zu den verschiedenen Methoden (du solltest die Methoden zumindest namentlich kennen).

Der Coitus interruptus („der unterbrochene Geschlechtsverkehr“)

Diese Verhütungsmethode ist schon mehrere tausend Jahre alt und lässt sich in der Menschheitsgeschichte sehr lange zurückverfolgen. Die Umsetzung dieser Verhütungsmethode ist äußerst „einfach“: Der Mann zieht, kurz bevor er zum Orgasmus kommt, seinen Penis aus der Vagina. Der Orgasmus soll dadurch außerhalb der Scheide stattfinden, wodurch der Samen des Mannes nicht zur Schwangerschaft führen kann.

Wichtig! Warne deine Tochter unbedingt vor dieser „Verhütungsmethode“, denn genauso einfach, wie sie umzusetzen ist, so unsicher ist sie auch. Mach ihr klar, dass diese Methode unter gar keinen Umständen eine Option sein darf!

Die Temperaturmethode

Die Temperaturmethode zur Vermeidung einer Schwangerschaft ist wesentlich sicherer als der Coitus interruptus. Bei dieser Verhütungsmethode misst die Frau täglich zur gleichen Uhrzeit ihre Körpertemperatur. 1-2 Tage nach dem Eisprung steigt die Temperatur merklich an. Das Problem an dieser Verhütungsmethode ist, dass vor allem bei Mädchen und jungen Frauen der Zyklus keinesfalls regelmäßig ist. Dadurch ist diese Methode ebenfalls ungeeignet.

Die symptothermale Verhütungsmethode

Genauso wie die eben genannte Temperaturmethode basiert die symptothermale Methode auf der Messung der Körpertemperatur der Frau. Zusätzlich zur Temperaturmethode wird aber noch der Schleim geprüft, der sich im Gebärmutterhals bildet (Zervix-Schleim). Dieser zeigt sich in zwei sehr deutlich voneinander unterscheidbaren Formen:

  • Während der fruchtbaren Tage
    Der Zervix-Schleim ist vollständig durchsichtig, absolut klar und in größerer Menge vorhanden.
  • Während der unfruchtbaren Tage
    Der Zervix-Schleim ist milchig und in seiner Konsistenz eher cremeartig.

Die symptothermale Verhütungsmethode gilt als ziemlich sicher, sofern während und nach dem Wechsel von den fruchtbaren zu den unfruchtbaren Tagen zusätzlich noch ein Zeitpolster von 2 Tagen zusätzlich eingehalten wird.

Die Kalendermethode

Die Kalendermethode arbeitet nach einem statistischen Konzept und ist für junge Frauen absolut ungeeignet, da der Zyklus noch keine verlässliche Regelmäßigkeit aufzeigt. Grundsätzlich arbeitet diese Methode nach einem festen Zyklus. Sie geht davon aus, dass der Eisprung immer zwischen dem 16. Bis 12. Tag vor Menstruationsbeginn stattfindet. Die Verhütungsvariante geht von der Theorie aus, dass der männliche Samen maximal 3 Tage überlebensfähig ist. Daraus ergibt sich, dass die fruchtbaren Tage der Frau zwischen dem 19. bis 12. Tag vor der nachfolgenden Regelblutung liegen. Obwohl bei dieser Methode geraten wird, den exakten Zyklus über mindestens ein Kalenderjahr hinweg genau zu notieren, kann man als verantwortungsvoller Vater seinem Kind nur davon abraten.

Schwangerschaftsverhütung mit einem Zyklus Computer

Schon in der Werbung wird man mit diesen Computern konfrontiert. Obwohl sie eigentlich dafür gedacht sind, dass man die fruchtbaren Tage bestimmt, um gezielt schwanger zu werden, kann man sie natürlich für die Schwangerschaftsverhütung verwenden.

Die einfacheren und preiswerteren Modelle sind in der Lage, die täglich zu messende Morgentemperatur zu erfassen und den Verlauf des Zyklusses zu interpretieren. Etwas komplexere Modelle beziehen in ihre Erfassung nicht nur die tägliche Temperatur, sondern auch Ergebnisse von Urintests mit ein (getestet wird auf das luteinisierende Hormon).

Obwohl diese Geräte sehr zuverlässig arbeiten, kann ich dir als Vater nur davon abraten, deiner Tochter diese Geräte nahezulegen. Selbst mit den besten Statistiken werden 5 von 100 Frauen pro Jahr schwanger, obwohl sie einen Zyklus-Computer für die Verhütung nutzen.

Chemische Verhütungsmethoden

In die Kategorie der chemischen Verhütungsmittel fallen vor allem

  • Zäpfchen
  • Cremes
  • Gels

Sprays, Tabletten und Schwämme sind eher selten. Sie sind in ihrer Anwendung unkompliziert, aber als alleiniges Verhütungsmittel ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Damit du aber weißt, worum es bei diesen Mitteln geht, erfährst du nun einiges dazu.

Einige Produkte wollen verhindern, dass Spermien Eizellen befruchten können, indem sie Spermien abtöten oder bewegungsunfähig machen. Manche Präparate sorgen auch dafür, dass sich eine Barriere vor dem Muttermund aufbaut, die von den Spermien nicht durchdrungen werden kann. Manche Präparate kombinieren verschiedene Wirkungsweisen miteinander.

Vorsicht vor der Nutzung in Verbindung mit einem Kondom! Es gibt einige chemische Präparate, die nicht auf Wasserbasis entwickelt wurden. Ihre chemische Zusammensetzung sorgt bei vielen Produkten dafür, dass sich das eingesetzte Kondom auflöst. Es wird porös, durchlässig und bietet dadurch keinen Schutz mehr!

Vor- und Nachteile chemischer Verhütungsmittel

Der größte Vorteil chemischer Verhütungsmittel ist wohl, dass sie rezeptfrei in Apotheken und Drogeriemärkten erhältlich sind. Genau da liegt jedoch die Gefahr, denn wenn sich deine Tochter ohne aufklärende Gespräche mit dir und deiner Partnerin solche Verhütungsmittel beschafft. Dann hast du eine gute Chance, bald Großvater zu werden. Positiv ist natürlich, dass sie nicht in den Hormonhaushalt eingreifen, wie es beispielsweise die Pille tut.

Wo Licht ist, gibt´s auch Schatten. Ein besonders gravierender Nachteil chemischer Verhütungsmittel ist, dass sie keinen ausreichenden Schutz vor Schwangerschaft bieten. Außerdem können solche Mittel für schmerzhaftes Brennen in der Scheide führen, das durch die Reizung der empfindlichen Schleimhäute ausgelöst wird. Schlimmstenfalls können chemische Präparate auch allergische Reaktionen auslösen.

Hormonelle Verhütungsmethoden

Als Mann ist dir natürlich bekannt, dass Frauen „die Pille“ nehmen, um keine ungewollte Schwangerschaft zu riskieren. Es gibt darüber hinaus zahlreiche andere Optionen, die zwar auf dem gleichen Wirkungsprinzip beruhen, aber deutlich schonender sind. Nachfolgend zeige ich dir kurz und bündig verschiedene Optionen auf, damit du im Gespräch mit deiner Tochter auf dein Wissen zurückgreifen kannst.

Verhütung in Tablettenform

Es wird grundsätzlich zwischen „Pille“ und „Minipille“ unterschieden. Während die meist obligatorische Pille vor allem von erwachsenen Frauen verwendet wird, ist die sogenannte „Minipille“ für junge Frauen deutlich besser geeignet, weil die Hormondosierung bedeutend niedriger ausfällt. Gerade deshalb, weil deine Tochter sich in der Pubertät befindet, sollte sie nicht bedenkenlos zur Pille greifen, sondern lieber die Minipille nutzen. Diese greift zwar bedeutend weniger in den Hormonhaushalt deiner Tochter ein, bietet aber dennoch wirksamen Schutz.

Die Hormonspirale

Obwohl die „Spirale“ als relativ sicheres Verhütungsmittel gilt, gehe ich auf sie nicht weiter ein. Der Aufwand und die Kosten für die Spirale sind relativ hoch. Außerdem sind zahlreiche Nebenwirkungen bekannt, die du deiner Tochter sicher nicht zumuten möchtest. Hinzu kommt das Prozedere des Einsetzens. Dies ist für eine Jugendliche sicher keine angenehme Option, um zu verhüten.

Die 3-Monats-Spritze

Mit der 3-Monats-Spritze kommen wir in den Bereich der Langzeitverhütung. Mit ihr wird das Hormon Gestagen intramuskulär (Gesäßmuskel oder Schulter) injiziert. Auch diese Form der Verhütung ist für deine Tochter nicht unbedingt geeignet. Die Liste der Nebenwirkungen ist enorm lang.

Das Verhütungsstäbchen (Hormonstab)

Mit dieser Verhütungsmethode kommen wir wieder in den Bereich der Langzeitverhütung, die durchaus für deine Tochter geeignet ist, wenn die Voraussetzungen stimmen. Das Verhütungsstäbchen wird über einen Applikator von einer speziell ausgebildeten Frauenärztin unter die Haut am Oberarm implantiert. Da dieses Stäbchen kontinuierlich sehr geringe Mengen des Hormons Etonolgestrel an den Körper abgibt, ähnelt es der verschreibungspflichtigen Minipille.

Das Positive an diesem Hormonstab ist, dass der Schutz ununterbrochen für gut 3 Jahre anhält. Sollte sich tatsächlich irgendeine Form der Unverträglichkeit einstellen, kann das Verhütungsstäbchen jederzeit wieder von einem Arzt entfernt werden. Auch die Gefahr, für lange Zeit nicht schwanger werden zu können, nachdem das Stäbchen entfernt wurde, ist nicht gegeben.

In Studien wurde belegt, dass nach der Entfernung bereits nach wenigen Wochen wieder mit einer Schwangerschaft gerechnet werden kann. Wie alle hormonellen Verhütungsmittel kann auch das Stäbchen mit Nebenwirkungen aufwarten, die sich allerdings in Grenzen halten. Hauptsächlich wird von vorübergehenden Kopfschmerzen, Akne und leichten Gewichtszunahmen berichtet.

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