Bild eines Paares kurz vor der Scheidung.

Scheidung

Besonders für Kinder ist eine Scheidung ein riesiges Drama. Zwar haben sie Eure Unstimmigkeiten in der Zeit vor der Trennung schon ganz bestimmt mitbekommen, doch wenn der finale Schritt geschieht, bricht für sie häufig eine Welt zusammen. Eltern stellen sich oftmals die Frage: „Wie wird mein Kind die Scheidung verarbeiten?“

An diesem Punkt solltet ihr euren Kindern ein gutes Beispiel sein. Je einiger ihr euch seid, was Umgang, Erziehung, Unterhalt, Sorgerecht und Aufenthalt der Kinder aufgeht, und je weniger ihr anfangt, schmutzige Wäsche zu waschen, desto wahrscheinlicher wird es sein, dass die Kinder die Scheidung – nach dem ersten Schock – recht gut verarbeiten.
Dabei spielt das Alter der Kinder natürlich eine entscheidende Rolle. Säuglinge und ganz kleine Kinder werden von den veränderten Umständen wahrscheinlich erstmal gar nicht so viel mitbekommen. Ebenso ist es mit Kindern im Teenageralter, die auch häufig viel einfacher mit der Situation zurecht zu kommen. Mit ihnen kann man schon vernünftig reden und ihnen die Entscheidung erklären. Am schwierigsten ist eine solche Lage für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren.

Hier muss man sagen, dass Ihnen noch – ohne es böse zu meinen – der Verstand fehlt. Kinder in diesem Alter geben sich oftmals die Schuld an der Trennung der Eltern. Dazu kommt ein Loyalitätskonflikt gegenüber den Eltern. Oftmals haben sie das Gefühl, einen Elternteil weniger liebzuhaben, wenn sie sich entscheiden, bei dem anderen zu leben. Damit Deine Kinder gar nicht erst in solche Konflikte geraten, solltest Du bei der Trennung unbedingt folgende Punkte beachten:

  • Kinder haben mit der Trennung nichts zu tun!
    Vermeide es, Dein Kind während der Trennung zu instrumentalisieren. Es hat es schon schwer genug mit der neuen Situation zurechtzukommen. Dränge es nicht, sich für eine Seite zu entscheiden und sei nicht nachtragend, wenn sich Dein Kind dafür entscheidet, bei deiner Ex-Partnerin zu leben.
  • Sei ehrlich zu Deinen Kindern!
Wenn eure Entscheidung getroffen wurde, dass Ihr euch trennt, bezieht die Kinder mit ein. Es wäre ein großer Fehler, einfach auszuziehen und die Kinder vor vollendete Tatsachen zu stellen. Nutzt die Gelegenheit, die Kinder altersentsprechend über die neue Situation aufzuklären und gebt Ihnen Gelegenheit zu trauern. Je schonender Ihr eure Kinder an die Lage heranführt, desto weniger schwer wird es für sie.

  • Keine schmutzige Wäsche waschen!
Vermeide es, schlecht über deine Partnerin oder ihre Familie zu sprechen. Auch so bringst Du Deine Kinder in Loyalitätskonflikte. Andere Menschen haben mit Deiner Trennung nichts zu tun. Und vor allem: Auch wenn Du dich von Deiner Schwiegerfamilie löst,Oma, Opa, Mama, Tante und Onkel bleiben weiterhin Bestandteile des Lebens Deiner Kinder!

  • Das Kind vom anderen Elternteil zu trennen
Auch hier gilt: Die Trennung betrifft nur Dich und Deine Partnerin. Für die Kinder sind Mama und Papa gleichwichtig. Unterlasse es aus verletzter Eitelkeit oder Stolz deinen Kindern den Umgang mit dem anderen Elternteil zu verbieten.

  • Einigt euch gütlich
Es wird Euch viel einfacher fallen, wenn Ihr Eure Probleme und Streitigkeiten konstruktiv besprecht und gemeinsam an einer Lösung arbeitet. Ja, es ist harte Arbeit und in einigen Fällen sind die Fronten so verhärtet, dass Gespräche sehr schwierig werden. Holt Euch für solche Fälle professionelle Hilfe. Paartherapeuten können euch auch im Rahmen eurer Trennung beratend zur Seite stehen.

Alles ist geklärt, wie geht es weiter?

Eure Trennung ist durch, jeder hat seinen eigenen Hausstand und der Alltag ist eingekehrt. Wie geht es weiter? Gebt euren Kindern nun Gelegenheit sich an die neue Situation zu gewöhnen. Falls ihr feststellt, dass der Nachwuchs immer noch Schwierigkeiten hat, solltet Ihr euch auch in dieser Situation professionelle Hilfe holen.

Folgende Anzeichen können darauf hindeuten, dass Dein Kind die Trennung nicht gut verarbeitet:

  • Gereiztheit
  • Schlechtere Leistungen in der Schule
  • Das Kind zieht sich zurück
  • Das Kind zeigt aggressives Verhalten
  • Schlafstörungen
  • Kontaktängsten
Nicht nur die Trennung an sich hinterlässt Spuren bei Deinem Kind, auch muss es sich nun und in der kommenden Zeit an ein völlig neues Leben gewöhnen. Eine Trennung kann unter Umständen einen Schul- oder Wohnortwechsel mit sich ziehen. Dadurch verlieren sich oftmals auch andere soziale Beziehungen. Oftmals müssen sich Scheidungskinder auch materiell sehr stark einschränken, zumindest bis die Vermögensverhältnisse geklärt sind. Kinder reagieren in einer solchen Situation oftmals mit
  • Wut
  • Trauer
  • Angst
  • Schuldgefühlen
  • Scham
Wichtig ist, dass Scheidungskinder Halt und Stabilität erfahren. Das bedeutet vor allem Routine im Alltag, klare Strukturen und eine gute Bindung zu beiden Elternteilen. Sie sollten jederzeit das Gefühl haben, dass sie willkommen sind und bei Dir ein Ohr für ihre Ängste finden. Die Entwicklung eines Kindes ist maßgeblich von Vertrauen, Harmonie und Verlässlichkeit geprägt. Kinder brauchen feste Werte, an den en sie sich orientieren und mit denen sie wachsen können.

Zeige stets Verständnis für die Gedanken und Gefühle Deines Kindes. So wird euer Verhältnis gestärkt und das Kind erfährt, dass Du trotz der Trennung für es da bist und ein verlässlicher Begleiter für es bist.

Manchmal kann es passieren, dass ein Kind dem Elternteil, das ausgezogen ist, die Schuld für die Trennung gibt und mit Wut und Abneigung auf diese Person reagiert. Sei auch hier verständnisvoll. Je mehr Du Deinem Kind – auch einfach nur mit Geduld – zeigst, dass seine Gefühle normal sind, desto schneller wird es wieder Vertrauen zu Dir fassen.

Wenn nichts mehr hilft – Unterstützung holen

Manchmal sind das größte Verständnis, die meiste Geduld und auch ein Höchstmaß an Liebe nicht ausreichend um Dein Kind aus seinem tiefen Loch zu holen. Spätestens dann, wenn Du bemerkst, dass Dein Kind depressive Züge annimmt und sich immer weiter isoliert, ist es an der Zeit zu handeln. Spezielle Kinder- und Jugendtherapeuten können in besonderen Therapieformen bei der Bewältigung der Situation helfen. Sie lernen mit Ihren Gefühlen umzugehen und diese auf besondere Art und Weise auszudrücken. Und auch die betroffenen Eltern werden in der Regel „mitbehandelt“. In ausführlichen Gesprächen lernen Sie, wie sie mit den Gefühlen Ihrer Kinder umgehen können und wie sie in den unterschiedlichen Situationen entsprechend handeln können. Die meisten solcher Therapien werden übrigens von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sprich die Kostenübernahme aber auf jeden Fall im Vorfeld ab.

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