Bild eines Kindes zwischen den Eltern

Petition für das Wechselmodell – Interview mit Frank Möhle

Wenn nach einer Trennung um das Sorgerecht gestritten wird, findet in Deutschland noch eine Rechtsprechung aus der Nachkriegszeit Anwendung – das Residenzmodell.

Obwohl 2015 schon in der EU beschlossen wurde, dass das Wechselmodell in den EU-Staaten Standard sein muss, wird es in Deutschland bisher nicht so umgesetzt.

Frank Möhle kämpft dafür und hat eine Petition gestartet, die nicht nur von Männern unterstützt wird.

papa.de - Michael:
Heute möchten wir Euch Frank Möhle vorstellen. Frank ist Initiator der größten deutschsprachigen Petition zum Thema Wechselmodell.

Frank, stell Dich und Deine Petition doch einmal kurz vor. Einige Leser werden noch gar nicht wissen, worum es hier eigentlich geht.

Frank: Bild von Frank Möhle
Hallo und vielen Dank, dass ich hier sein darf. Ich bin strategischer Einkäufer, 42 Jahre alt und habe 2 süße Töchter, im Alter von 4 und 6 Jahren.
Getrennt bin ich seit Mitte 2013. 
Auf das Thema “Wechselmodell” stieß ich, als die Trennung in 2013 absehbar war. Ich hatte vom Wechselmodell im Internet gelesen.

Für mich war es selbstverständlich, ein solches Modell nach der Trennung zu leben. Also ein Umgangsmodell, in dem die Kinder weiterhin engen Kontakt zu beiden Eltern haben und man seine Kinder nicht nur alle 2 Wochen mal sieht.

Gefühlt war das für mich ganz normal, da wusste ich noch nicht, wie unnormal das leider in Deutschland ist. Mit der Trennung ist also meine innere Welt, in der Kinder selbstverständlich zu beiden Eltern gehören, mit der äußeren Welt kollidiert. Mit einer deutschen Realität, die sich völlig falsch für mich anfühlte.

papa.de- Michael:
Kannst du uns kurz erklären, was das Wechselmodell ist und was aktuell der Standard in Deutschland ist?

Bild von Frank MöhleFrank:
Unter “Wechselmodell” (Paritätsmodell, Pendelmodell oder Doppelresidenzmodell) versteht man in Deutschland, dass die Kinder mit beiden Elternteilen gleich viel Zeit verbringen.
Dass ein Kind also 50:50 bei seinen Elternteilen ist, zum Beispiel 1 Woche bei Mama, 1 Woche bei Papa, usw. Oder auch im 2-Wochenrhythmus.

Über 2 Wochen am Stück sollte man nicht hinausgehen, weil die Faustformel sagt, dass Kinder sollen nicht länger in Tagen von einem Elternteil getrennt sein, als sie in Jahren alt sind. Andererseits ist ein täglicher Wechsel natürlich auch eher unentspannt für das Kind. Sodass wohl der wöchentliche Wechsel am ehesten angebracht ist.

In Deutschland ist mit dieser 50:50-Teilung, also dem Wechselmodell, aber auch noch etwas Finanzielles verbunden. So sollten sich dann die Kosten auf beide Eltern gleich verteilen und keiner dem anderen Unterhalt bezahlen (wobei auch dann immer noch etwas Geld fließt, wenn einer von beiden deutlich mehr verdient…).

Im Residenzmodell ist es dagegen so, dass einer von beiden die Kinder die meiste Zeit bei sich hat und der andere Elternteil diese bei ihm “fehlende” Zeit ausgleicht – durch Geldzahlungen, weil er ja auch weniger Kosten für die Kinder hat. Wie viel Geld im Residenzmodell zu zahlen ist, das ist in der “Düsseldorfer Tabelle” ablesbar, einer Tabelle, die kein Gesetz darstellt, aber an die sich gehalten wird. Leider kennt die Düsseldorfer Tabelle aber kein Verhältnis von Zeit bei dem einen oder anderen Elternteil. Die Tabelle sieht nur, dass ein Elternteil die Kinder seltener hat als der andere und dann zeigt sie, wie viel zu zahlen ist. Egal, wie viel oder wenig Zeit das Kind bei dem einen Elternteil ist. So zahlt jemand eine gewisse Summe, wenn er das Kind vielleicht nur 10 % des Jahres hat, und zahlt aber auch dieselbe Summe, wenn er das Kind 45 % des Jahres hat. Der Gesetzgeber unterscheidet da nicht, er sieht nur, dass die Eltern das Kind nicht in gleichen Zeitanteilen haben und somit ein Residenzmodell vorliegt.

Ein wichtiger Schritt wäre an der Stelle, zu definieren, was für die Düsseldorfer Tabelle die “normale Zeiteinteilung” ist, ob es zum Beispiel 80:20 ist. Und wenn man sein Kind weniger als 20 % betreut, sollte man mehr bezahlen und umgekehrt weniger zahlen, wenn man sein Kind mehr als 20 % betreut. Dieser wichtige Schritt ist aber nie gemacht worden und somit ist die Tabelle auf einem Auge völlig blind. Und so kommt es eben, dass jemand sein Kind 48 % der Zeit hat und genauso viel zahlt, wie jemand der sein Kind quasi nie bei sich hat.

Losgelöst von dieser finanziellen Ungerechtigkeit möchten aber sehr viele Väter ihre Kinder viel öfter bei sich haben. Auch mir wäre da das Geld egal – mir wäre egal, wenn ich zahle wie jemand, der sein Kind fast nie hat. Hauptsache ich hätte meine Kinder mal mindestens ⅓ der Zeit bei mir, besser etwa ½ der Zeit. Und so sehen das sehr viele Väter. Wenn man sich die Statistiken anschaut, dann sieht man, dass es zu allermeist Väter sind, die im Residenzmodell der Elternteil sind, bei dem das Kind selten ist. Wir reden da nicht nur über Tausende Väter, oder Zehntausende Väter, die das Kind selten bei sich haben. Wir reden über 2 Millionen deutsche Väter, deren Ex-Partnerinnen als “alleinerziehend” gemeldet sind. Wenn man sich mal umhört, dann wird man im Bekanntenkreis definitiv auch solche Väter finden – Väter die gerne mehr Zeit mit ihren Kinder haben würden, aber nicht dürfen.

In der Psychologie gibt es hingegen nicht nur das Wechselmodell mit 50:50-Teilung, sondern dort sieht man, dass die psychischen Nachteile des Residenzmodell ab einem Zeitverhältnis von etwa ⅓ zu ⅔ langsam zurückgehen, dass also mit mindestens ⅓ Zeit beim (zumeist) Vater, die Kinder sich quasi erholen, weniger Schaden davon tragen als bei weniger Zeit. So etwas nennt sich dann Asymmetrisches Wechselmodell und ist schon ein guter Anfang, wenn auch die etwa hälftige Teilung noch besser ist. Aber die deutsche Rechtsprechung kennt, wenn überhaupt, nur die hälftige Teilung. Da geht es sogar um einzelne Tage im Jahr und es entscheidet auch, an welchem Ort das Kind gemeldet ist.

Es gibt leider keine verlässlichen Zahlen oder Statistiken, aber man muss leider davon ausgehen, dass das Wechselmodell im einstelligen Prozentbereich in Deutschland vorhanden ist. Das deutsche Recht kennt dieses Modell offiziell auch gar nicht, es wird nicht “angeboten”. Normal ist wohl, dass die Kinder jedes 2. Wochenende bei dem zweiten Elternteil sind, dann vielleicht noch eine Übernachtung in der Woche dazwischen und mit Glück auch die Hälfte der Ferien. Definitiv wird nur gesagt, wie häufig das Residenzmodell ist und da sind wir bei unseren über 2 Millionen “Alleinerziehenden” also Residenzmodellen. Multipliziert man das mit den durchschnittlichen 1,4 Kindern, leben 3 Millionen deutsche Kinder im Residenzmodell. Kinder, die unsere Zukunft sein sollen!

papa.de - Michael:
Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich selber habe mit meiner Ex-Frau so ein Wechselmodell. Bedeutet: Mein Sohn ist die Hälfte der Zeit bei mir, die andere Hälfte bei ihr. Als ehemals Verheiratete haben ja auch beide den Anspruch darauf, so glaubt man.

Wie kommt es also zu einem Wechsel oder Residenz-Modell, wer entscheidet das und was können Väter machen, die gerade in einer Trennung sind, oder diese unmittelbar bevorsteht.

Deine Petition zielt ja darauf ab, dass im letzten Jahr die EU entschieden hat, dass das Wechselmodell zum Standard aller europäischen Staaten werden sollte, oder nicht? 

Bild von Frank MöhleFrank:
Glückwunsch zu Eurer Regelung, das ist wirklich gut.
Ja, meine Petition zielt darauf ab, dass das Wechselmodell als erste Wahl genommen wird. Nur wenn es absolut nicht geht, weil zum Beispiel die Eltern zu weit auseinander wohnen, dann soll das Residenzmodell genommen werden, aber dies dann auch zeitlich möglichst umfangreich.

Es stimmt: Der Europarat hat im Oktober 2015 mit der Resolution 2079 vorgegeben, dass in den europäischen Staaten das Wechselmodell Standard sein soll. Aber nicht nur das. Es ging in dieser einstimmig beschlossenen Resolution auch um die Rechte der Väter und der Kinder. Beides erkennt der Europarat in Ländern wie Deutschland und Österreich als stark unter-repräsentiert, ohne uns explizit zu nennen. Aber Deutschland ist auch eines der Länder, dass die meisten Klagen von Europa erhalten hat und Deutschland ist weit hinten im Kindeswohl-Ranking. Der Standort Deutschland hat also im Familienrecht viel aufzuholen.

Wenn Eltern sich einvernehmlich trennen und einvernehmlich ein Wechselmodell wollen, so kann das eigentlich keiner verbieten. Wenn aber Streit aufkommt, was häufig der Fall ist (spätestens dann, wenn man über Geld redet), dann ist das Residenzmodell quasi zementiert. Denn dann geht man vor Gericht und das Gericht wird definitiv kein Wechselmodell zulassen. Denn die Gerichte leben in dem Gedanken “Kein Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils”. Anders herum finden Gerichte es aber völlig in Ordnung, Residenzmodelle gegen den Willen eines Elternteils einzurichten. An der Stelle befinden wir uns also noch in der frühen Nachkriegszeit und haben uns in der Rechtsprechung nicht weiterentwickelt.

Mein Startpunkt beim Thema  Wechselmodell liegt aber nicht in 2015, sondern in 2013. In dem Jahr hat eine Jura-Professorin, Frau Prof. Dr. Sünderhauf, mal die ganzen weltweiten Studien zu dem Thema Wechselmodell zusammengefasst. Sie hat also keine neue Studie gemacht, sondern aufgeschrieben, was die Kinderpsychologen weltweit seit Jahrzehnten wissen. Und dies ist eindeutig pro-Wechselmodell! Insofern wirkt es etwas seltsam, wenn wir jetzt vom Familienministerium eine Studie namens PETRA laufen haben, die Erkenntnisse über die verschiedenen Umgangsmodelle schaffen sollen. Dinge, die Frau Sünderhauf auf 900 Seiten zusammengefasst hat. Deutschland möchte also seine ganz eigene Studie zu dem Thema machen, glaubt das Rad neu erfinden zu müssen. Diese PETRA-Studie fragt auch die Kinder, ob sie sich in dem vorhandenen Modell wohl fühlen. Das tut die Studie aber nur bei den Ex-Paaren, bei denen beide Eltern der Kinder-Befragung zustimmen. Somit werden nur die Kinder gefragt, deren Eltern prima miteinander klar kommen, was eher seltener der Fall ist.

Die Leute, für die man von außen ein Wechselmodell verordnen sollte, weil einer von beiden nicht will, werden bei der Studie also völlig ausgeklammert. Dabei würden dort die Kinder sagen, dass sie öfter bei Papa (Mama) sein wollen, dass sie ein Wechselmodell wollen. Ich habe zwei Mal das Familienministerium und die für PETRA beauftragte Gesellschaft und den Deutschen Wissenschaftsrat dazu angeschrieben und die Problematik dieses Vorgehens erklärt und um Stellungnahme gebeten. So haben es auch viele andere getan. Aber die Antwort ist ausgeblieben. Wie bei allen anderen auch.

Das Studiendesign wird bisher nicht überarbeitet, dabei sagen selbst die Ausführenden von PETRA am Telefon, dass diese Form der Studie keinen Sinn macht. Am Ende des Tages geht es dem Auftraggeber vielleicht nur darum, gewünschte Ergebnisse zu erhalten und Zeit zu schinden. Zeit, in der das Wechselmodell immer noch nicht Standard wird. Bis dahin können (zumeist) Mütter mit Hilfe der Gerichte dafür sorgen, dass wir in alten Rollenmodellen leben, in denen die Kinder bei der Mutter sind und der Vater arbeiten geht, das Geld ranschafft. Was aber vergessen wird, ist, dass Kinder beide Eltern brauchen. Auch ist es nicht dasselbe, wenn ein Kind weiß, “Papa kommt nach der Arbeit wieder nach Hause”, wie wenn ein Kind seinen Vater nur alle zwei Wochenenden besucht: In einer bestehenden Familie kann ein Kind viel besser verschmerzen, wenn Papa nicht immer da ist, als wenn Papa ganz woanders wohnt und Mama vielleicht sogar schlecht über Papa redet.

papa.de - Michael:
 Schade, dass Du hier keine Antwort erhalten hast, aber toll, dass Du nicht aufgibst. Erzähl uns mehr von Deiner Petition. Was möchtest Du damit bewirken und welche Auswirkung hat diese überhaupt?

Bild von Frank MöhleFrank:
Ich möchte bewirken, dass Väter (es gibt auch einen kleinen Prozentsatz an Müttern) mehr Zeit mit ihren Kindern haben dürfen. Ich möchte, dass Väter mit einer Stimme sprechen. Denn es gibt sehr viele da draußen und auch viele, die schon lange aufgegeben haben. Viele, die am deutschen Familien-Rechtssystem verzweifelt sind. Wenn man mal guckt, dann sieht man, dass dies schon lange ein Thema in Deutschland ist. Zeitungsartikel von vor 10 Jahren zum Thema Umgang der Kinder nach Trennung der Eltern, zum Wechselmodell, lesen sich, als wären sie von letzter Woche. Artikel im Spiegel zum Beispiel kann man nach 10 Jahren fast unverändert wieder auflegen, es hat sich nichts geändert. Ich bin gestern in einem Forum im Internet über einen Schlager von 1978 gestolpert. Dort singt ein kleines Mädchen: “Sag Vati, warum kann ich denn nicht öfter bei dir sein? Warum geht es nur zweimal im Monat? Sind wir zusammen bringt mir das doch sehr viel Freude ein. Wie das eben ist, wenn man sich lieb hat.”. Das war 1978 und es lief da in der Schlagerparade im Fernsehen. Wir sind heute im Jahr 2016 und meine kleinen Kinder fragen mich trotzdem noch „Papa, warum können wir nicht öfter bei dir sein?“. Ich kann meinen Kindern ja dann nicht sagen: „Weil unser Familienrecht ein absoluter Wahnsinn ist!“, aber ich kann mich dafür stark machen, dass sich was ändert bei uns.

Wenn der andere Elternteil nicht will, sieht man seine Kinder in Deutschland nicht so oft. Egal, was man selber will und was die Kinder wollen. Und Kinder wollen ganz natürlich oft bei beiden Eltern sein, weil sie zur Hälfte aus jedem Elternteil bestehen.

Das Problem in Deutschland ist, dass man immer noch denkt, Kinder gehören zur Mutter. Auch hatte man sich lange Zeit auf Forschungsergebnisse berufen, die quasi sagten, dass ein Kind erstmal nur eine Bindung aufbauen kann, nämlich die zu seiner Mutter. Dass diese Forschungsergebnisse widerlegt wurden und selbst der Verfasser seinen Irrtum später zugab, das wurde dann nicht mehr groß publiziert. Die Petition soll eine Stimme sein für die, die schweigen. Es gibt ein ganz großes Schweigen von getrennten Vätern in Deutschland. Groß deshalb, weil es viele sind und es um die eigenen Kinder geht.

Ich bin mir sicher, dass das Schweigen irgendwann endet und die Allgemeinheit plötzlich sieht, was hier an Schaden angerichtet wird und das man dies ändern muss. Das Problem ist aber noch, dass man diese Väter nicht erreicht, die sind nicht so gut vernetzt wie es der Feminismus war und ist. Wenn es stimmt, was uns mal ein weltbekanntes Beziehungsbuch sagen wollte, dann ziehen sich Männer bei Problemen in ihre „Höhle“ zurück.
Und da muss man die Väter rausholen. Denn wenn jeder sich seine Höhle baut, dann ist der ganze Berg ziemlich durchlöchert und es ist keinem geholfen, bis der Berg zusammenbricht.

Das meine Petition, die bisher größte für Väter ist (es haben übrigens auch etwa zu ¼  Frauen unterschrieben), zeigt, dass die ersten Väter aus ihren Höhlen rauskommen. Sie trauen sich da raus, weil es in 2013 das Buch von Frau Sünderhauf gab, weil es in 2015 die Resolution 2079 gab und weil das Thema zunehmend in den Medien ist. So war zum Beispiel ein Titel des Spiegel-Magazins Dezember 2015 der erste Name meiner Petition: „Sind Väter die besseren Mütter?“. Ganz wichtig wäre auch, dass Väter/Eltern für das Wechselmodell und für bessere Zustände an den Familiengerichten auf die Straße gehen und das es Demos gibt.

Es gab zum Beispiel im Sommer eine Demo in Köln. Es waren 150-200 Leute da, was noch viel zu wenig ist. Trotzdem war es toll und für bisherige Verhältnisse groß. Ich war nicht dabei, war mit meinen Kindern woanders, aber ich habe auf Facebook die ganzen Posts gesehen, haben die Videos gesehen, wie Väter und Mütter die gesperrten Straßen in Köln entlanggehen und ihre Meinung zum deutschen Familienrecht sagten. Das war wirklich sehr bewegend und hat mir die eine oder andere Träne abgezwungen. Davon muss es noch mehr geben, größere Demos. Und es wächst, das ist klar. Die nächste Demo sollte in Köln in 2017 stattfinden.

Ich hatte gefragt, warum es nicht früher geht und der Grund war fehlendes Geld. Also startete ich einen Spendenaufruf in einem Väter-Forum auf Facebook und siehe da: Das Geld war schnell zusammen, die Leute waren heiß darauf, wieder auf die Straße zu gehen. Und jetzt gibt es die nächste Köln-Demo nicht erst in 2017, sondern am 1. Oktober schon. Treffen ist um 13 Uhr auf dem Friesenplatz. Ich glaube, dass Köln der Start von etwas Großem sein kann. Der Start von einer Welle in Deutschland.

Das ich jetzt hier an einem Interview mitwirke, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Auch gibt es Prominente, wie zum Beispiel Ingo Appelt, die sich outen. Ingo erzählte in einer Talkrunde im Fernsehen, wie das läuft in Deutschland, dass die Kinder quasi als Geiseln des Residenz-Elternteiles (also der, bei dem die Kinder sich zumeist aufhalten) gehalten werden und die Gerichte dies unterstützen. Ingo sagte, dass er sehr viel Geld investieren musste, um seine Kinder öfter bei sich zu haben.

Aber so viel Geld für Anwälte hat leider nicht jeder Vater zur Verfügung und so gibt es in Deutschland für Kinder und Väter großes Leid und stecken Väter in ihren „Höhlen“ und fragen die Kinder diese Väter: „Warum darf ich nicht öfter bei dir sein?“. Überhaupt kann es nicht angehen, dass (zumeist) Mütter von Gerichten bezüglich Anwälten finanziell unterstützt werden, Verfahrenskostenbeihilfe erhalten, ohne vorher die Probleme bei kostenlosen Beratungsstellen lösen zu müssen. Wenn man weiß, man bekommt den Anwalt bezahlt: Warum sollte man sich mit dem anderen Elternteil wie normale Eltern einigen? Man schiebt einfach seinen Anwalt vor. Und so wird der ganze Kreislauf am Leben gehalten und kommen 10.000 deutsche Familienrechtsanwälte prima klar.

Da wird eine ganze Branche durch Steuern am Leben gehalten und die Leidtragenden sind Kinder und (zumeist) Väter. Und wenn man sich mal Zeitungsartikel anschaut, die gegen das Wechselmodell sprechen, dann sind die oft von Leuten aus dem Bereich Jura geschrieben. Diese Leute schreiben dann davon, welche „Last“ es für Kinder sei. Das sind nicht Kinderpsychologen, die dort schreiben. Und angeblich gehen in Ländern, in denen das Wechselmodell mehr oder weniger vorgeschrieben wird, die Zahl an Gerichtsfällen runter, vertragen sich die Leute besser. Und da muss man dann fragen: Ist es Zufall, dass Leute aus dem Bereich Jura gegen das Wechselmodell sind? Wenn selbst Mütterverbände kritisieren, dass in Deutschlands Familienrecht so einiges schiefläuft, dann sollte man aufhorchen.

Von dem fehlenden Wechselmodell abgesehen gibt es jede Menge weiterer Probleme im deutschen Familienrecht. Verfahren werden in die Länge gezogen, Fehlverhalten wird nicht bestraft, Kinder werden reihenweise den Eltern abgenommen („Inobhutnahmen“) und für Tausende Euro pro Monat woanders untergebracht. Da verdienen sich Organisationen eine goldene Nase dran und Staatsanwälte ermitteln wegen den Machenschaften. Familiengerichtliche Gutachten wurden von drei Universitäten als schädlich erkannt – selbst der Richterbund gibt dies zu und war entsetzt über die Ergebnisse der Untersuchungen. Und auch in Gutachten geht es ja wieder um sehr viel Geld, sie sind Teil der Trennungsbranche, wie auch Anwälte und Organisationen, die bei Inobhutnahmen mitwirken.

Hätten wir ganz selbstverständlich das Wechselmodell, also zwei sich etwa hälftig kümmernde Elternteile, beide mit hälftigem Sorgerecht, dann gäbe es gesündere und glücklichere Kinder, weniger Gerichtsfälle, weniger Inobhutnahmen und eine bessere Zukunft für Deutschland -denn Kinder sind die Zukunft.

papa.de - Michael:
Ziemlich starker Tobak. Wie viele Stimmen hat Deine Petition und wie kann man dort mitmachen? An wen wird sie geschickt und gibt es einen End-Zeitpunkt? Ich kann mir noch nicht so recht vorstellen, wie das abläuft und wer diese dann zu Gesicht bekommt.

Bild von Frank MöhleFrank:
Die Petition kratzt im Moment an der 4.000er-Marke, es haben also fast 4.000 Leute unterschrieben bisher. Männer und auch Frauen. Es könnte locker ein Vielfaches davon sein, wenn es einfach publik gemacht würde. Aber bisher erfährt kaum jemand davon, es berichten keine Zeitungen oder andere Medien darüber. Es gibt ein paar Links im Internet zu der Petition, aber selbst der stärkste Link hat “nur” etwas über 200 Stimmen eingebracht. Der Rest ist also durch Weitererzählen gekommen, durch zufälliges Draufklicken und durch Posts auf Facebook. Uns fehlt die mediale Unterstützung. Da draußen sind ganz viele Väter, aber wie sollen die von dieser Petition erfahren?

Mitmachen kann man ganz leicht: Man gibt seinen Namen, Adresse und E-Mail ein und wählt noch, ob man möchte, dass der eigene Name gezeigt wird, oder eben nicht – und fertig. Stimme abgegeben. Es ist dabei völlig egal, ob man seinen Namen öffentlich zeigt, oder nicht: Zählt beides gleichermaßen und bedeutet ja nur, dass andere den Namen nicht sehen können. Das machen viele so.

Man kann auch Stimmen auf Papier sammeln (erst das Formular runterladen) und dann einscannen und hochladen. Manchmal kommen auf die Art 30 oder 50 Stimmen auf einen Schlag dazu, weil sich jemand die Mühe gemacht hat, Leute darauf anzusprechen, das Thema zu erklären und zu überzeugen. Da ziehe ich meinen imaginären Hut vor, das ist super!

Bitte nicht falsch verstehen: 4.000 Stimmen sind wirklich sehr viel, wenn man sich bisherige Petitionen zum Thema Wechselmodell oder Väterrechte anschaut. Das ist echt spitze. Ungeschlagen. Aber da geht noch sehr viel mehr, wenn es mehr in die Medien käme, da bin ich mir sicher.

Würden wir über 120.000 Stimmen erreichen, dann unterstützt das Petitions-Portal zusätzlich bei der Abgabe der Petition und macht wohl noch ein paar Dinge mehr, soweit habe ich da bisher noch gar nicht gelesen. Unter 120.000 Stimmen muss man es selber machen und fordert dann den Petitionsausschuss auf, zu handeln. Man kann es zusätzlich natürlich auch beim Familienministerium abgeben, Pressemitteilung etc., da sind die Gedanken frei und sollte man alles nutzen. Hat man viele Unterschriften für eine Sache, dann hat man was in der Hand, kann zeigen, dass die Menschen das wollen. Das interessiert dann auch die Presse und Politiker.

Wenn die Petition abgelaufen ist, am 27.12.2016, man dann also nicht mehr unterzeichnen kann, dann werde ich bereits eine Anschluss-Petition auf demselben Portal haben und hoffentlich direkt viele Leute aus der alten Petition mitnehmen können. Damit wir dort sofort einen guten Start in 2017 haben und direkt weiterlaufen können, weitere 12 Monate lang. So lange wir das Ziel nicht erreicht haben, müssen wir einfach immer mehr werden, solange, bis es nicht mehr zu ignorieren ist. Von niemandem. Ich bin da eigentlich ganz guter Hoffnung. Ich möchte jedenfalls nicht in 10 Jahren Artikel von heute lesen und denken: “Mist, es hat sich nichts geändert”. Ich möchte das, ehrlich gesagt, nicht mal mehr in fünf Jahren denken! In fünf Jahren sollen wir bereits ganz woanders stehen. Und das ist machbar: Mit Unterschriften und Demos!

papa.de - Michael:
Wir unterstützen Euch dabei! Es liegt an jedem dort draußen dafür zu sorgen, dass diese Petition ein Erfolg wird. 

Vielleicht sollte man auch noch mal klarstellen, dass es kein Kampf Mann gegen Frau ist. Diese Petition ist Geschlechter unabhängig und wird auch von Frauen unterstützt, die zum Wohle des Kindes denken, denn genau darum geht es ja.

Was sind Deine nächsten Schritte außer die eben angesprochenen?

Bild von Frank MöhleFrank:
Genau: es geht nicht um Mann gegen Frau! Es geht gegen das, schon viel zu lange, in Deutschland gelebte System. Es gibt auch genug Mütter, die an das Wohl der Kinder denken und es gibt auch viele Frauen, die an ihrem neuen Partner und dessen Kindern aus der vorherigen Beziehung sehen, was in Deutschland falsch läuft. Von diesen Frauen wird die Petition unterstützt. Und auch von den Frauen, die darin die Vorteile der Gleichberechtigung finden. Frauen, die sehen, dass Männer und Frauen im Beruf die gleichen Chancen haben, wenn beide gleichermaßen für die Kinder da sein müssen, auch nach einer Trennung. Das Wechselmodell ist der logische Abschluss der Gleichberechtigung. Es ist also gut für Kinder UND Eltern.

Meine nächsten Schritte? Weiter versuchen, die Werbetrommel zu rühren, mich bei Euch für die Möglichkeit dieses Interviews zu bedanken und in zwei Monaten die Übergabe der Petition zu planen, sowie die Anschluss-Petition aufzusetzen. Und bis dahin auch gerne in der Petition für anstehende Demos werben, so wie die jetzt am 1.10. in Köln.

papa.de - Michael:
Wo wird die Petition übergeben? Für interessierte Leser die nun diese Petition unterstützen wollen, wo können die das machen?

Gibt es sonst noch gute Quellen, die wir hier nennen sollten?

Bild von Frank MöhleFrank:
Soweit ich weiß, kann man die Petition persönlich abgeben, als eine Art Delegation vielleicht, oder auch per Post. Persönlich abgeben müsste man sie ja dann in Berlin, denke ich, und dann könnte auch Presse da sein.

Unterstützen kann man die Petition mit seiner Stimme über einen dieser beiden Links:

https://www.openpetition.de/petition/online/sind-vaeter-die-besseren-muetter-das-wechselmodell-als-standard-in-deutschland oder www.openpetition.de/!wechselmodell

Gute Quellen mit Hintergrundinformationen zum Wechselmodell wären zum Beispiel das Buch von Frau Prof. Dr. Sünderhauf http://www.springer.com/de/book/9783531183404, das es auch als PDF gibt, was bei Suchen oder Zitaten hilfreich ist. Oder das Video, was eine Art Kurzform des Buches ist und man wirklich gesehen haben sollte: https://www.youtube.com/watch?v=HpV4AXJFqHQ

Auch ist ein Film in Arbeit, der finanzielle Unterstützung benötigt (und wieder kommt das aus Köln….) http://endstation-kindeswohl.de und auf dessen Youtube-Seite https://www.youtube.com/channel/UCYpIMOd8x_ehvtG2FJXqjmw viele interessant Filme sind, z. B. von Jürgen Rudolph zum Cochemer Modell (das sogar explizit in der Resolution 2079 genannt wird!) oder von Ursula Kodjoe etwas sehr Gutes zum Thema entfremdende Elternteile. Dies sind Filme, die man gesehen haben muss.

Zu Entfremdung oder PAS (was absolut schlimm und lebenslang belastend ist) findet man kurz etwas hier http://www.aerzteleitfaden.bayern.de/diagnose/seelische-gewalt.php unter Punkt 3.4.2.4. und ausführlich, samt Interventionsmöglichkeiten, hier http://www.vafk.de/bremen/pas/pasfischer.pdf

Die Resolution 2079 findet man hier assembly.coe.int/nw/xml/XRef/Xref-XML2HTML-en.asp?fileid=22220&lang=en und eine inoffizielle Übersetzung auf Deutsch auch hier http://www.vaeter-ohne-rechte.at/europarat-fordert-doppelresidenz-als-standardmodell/

Die bald berühmten Kölner Demos werden vom dortigen Väteraufbruch für Kinder organisiert.

Ich denke, man findet seinen Weg zu neuen Quellen von diesen Links aus. Es gibt ansonsten auch Gruppen auf Facebook, in denen man sich solche Informationen/Links teilt und diskutiert. “Väter ohne Rechte” ist zum Beispiel eine solche Gruppe, mit etwa 5.500 Mitgliedern aus Deutschland und Österreich, also den beiden Ländern, in denen es besonders “schwierig” ist. Die beiden Länder sind nicht nur durch die Geschichte verbunden, sondern bis heute auch durch den Umgang mit Vätern, Eltern, Kindern.

papa.de - Michael:
Lieber Frank, ich muss mich bedanken. Selten habe ich bei einem Interview so viel gelernt wie mit Dir. Wenn Du die Petition abgeben willst, komme ich gerne mit, wir sitzen ja gleich bei Berlin.

Ich bedanke mich vielmals für die Zeit, die Du Dir genommen hast, um uns das Wechselmodell einmal genauer zu erklären. Ich wünsche vor allem den Kindern in Deutschland, dass diese bald mehr von beiden Elternteilen haben und das Deutschland auch in Sachen Erziehung mal im 21. Jahrhundert ankommt.

Vielen Dank!

Informationen zur Petition

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