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Papa und Sohn auf dem Jakobsweg – Live Reportage

In unserer Rubrik altersübergreifend haben wir heute etwas besonderes für Euch. Marco Janck wird mit seinem Sohn den Jakobsweg laufen und täglich darüber berichten. Unter anderem auch bei uns auf dem Portal und bei uns auf Facebook.

Hallo Marco, stell dich und deinen Sohn unseren Lesern doch einmal vor.

Mein Name ist Marco Janck. Ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und Vater eines tollen 16-jährigen Sohnes. Beruflich startete ich als Polizeibeamter, kündigte 2011 und stieg vollberuflich in meine eigene Agentur ein. Seit Hape Kerkeling den Jakobsweg lief war ich sehr fasziniert von dem Weg und „seinem möglichen Geheimnis“. 2016 machte ich mich dann das erste Mal wirklich auf den Weg. Nicht aus Glaubensgründen, sondern aus Neugierde und eigener Grenzfindung. Ich lief in 14 Tagen 340 Kilometer von Leon nach Santiago de Compostela. Ein wirklich einzigartiges Erlebnis.

Du bist im letzten Jahr den Jakobsweg ja schon einmal gelaufen. Wie kommt es, dass du ihn nun noch einmal gemeinsam mit deinem Sohn angehst.

Als ich im letzten Jahr den Weg lief und am Ziel Santiago de Compostela ankam, war meine erste Reaktion: „NIE WIEDER!“ Doch mit wiederkehrender Körperkraft entstand sehr schnell eine gewisse Traurigkeit. Ich war mir lange nicht darüber bewusst, was diese Traurigkeit auslöste. Mit ein wenig Abstand erkannte ich für mich aber, dass es zwei Faktoren waren. Erstens diese Momente des sich selber besser Kennenlernens und zweitens die Faszination der Gemeinschaft. Beides in einer Form und Stärke, wie ich sie bislang noch nie erlebt hatte. Es ist nur ein Gefühl, aber irgendwie massiv. Für mich war klar, dass ich den Weg auf der zurückgelegten Strecke nicht noch einmal laufen werde. Das wäre mir einfach zu langweilig, wenn ich irgendwie schon alles kenne. Da ich das Meer liebe, entstand ziemlich schnell der Wunsch den „Küstenweg“ in Spanien in Angriff zu nehmen. Den Moment, als ich das erste Mal auf die Idee kam, gemeinsam mit meinem Sohn Niclas zu laufen kann ich gar nicht genau festlegen. Irgendwie kamen wir wohl darüber ins Gespräch und er empfand es auch als eine Herausforderung. Sicherlich auch, weil er selber mal wissen wollte, warum sein „Alter Herr“ auf dem Weg immer so gejammert hat 😉. Wir sind als Familie mit Niclas immer schon viel gelaufen und gewandert. Immer mehr im Urlaub, aber die Prägung und die Lust auf seiner Seite war sicherlich vorgelebt. Mich als Vater hat die Entscheidung meines Sohnes extrem glücklich gemacht. Niclas ist jetzt 16 Jahre alt und wird im Mai 17. Man merkt an allen Ecken, dass ihm „Flügel wachsen“ und es sicherlich nicht mehr allzu lange dauern wird bis er das familiäre Nest verlässt. Mit dem gemeinsamen Weg erhoffe ich mir, dass ein wirklich bleibendes und gemeinsames Vater/Sohn Erlebnis entsteht. Etwas, woran wir uns noch über Jahrzehnte mit einem Lächeln erinnern werden.

Ist dieser Lauf für dich auch eine Art Papa Sohn Verbindungsreise? Also erhoffst du dir eine stärkere Bindung am Ende?

Niclas und ich haben bereits jetzt ein tolles Verhältnis zueinander. Ich glaube, dass dies auch die Grundlage für diesen Weg ist. Meine Vision ist, dass Niclas die spirituelle Ebene des Weges auch für sich finden und erkennen wird. So wie ich es auf meiner ersten Tour im letzten Jahr erlebt habe. Das wäre Königsklasse und sicherlich die besondere Ebene dieser Vater/Sohn Tour. Aber ich will das nicht so hochlegen. Ich habe mich mit einigen Menschen unterhalten, die auch mit ihren Kindern den Weg gelaufen sind. Die Kinder waren hier immer so im Alter von 12-16 Jahren. Hier hörte man deutlich raus, dass die Kinder es als Urlaub bzw. Wandern empfanden und die spirituelle Ebene „noch“ nicht entdeckt wurde. Viele berichteten mir, dass sie gerade darüber zutiefst enttäuscht waren. Genau das will ich für mich verhindern. Ich weiß einfach nicht wie weit ein Jugendlicher sein muss, um die spirituelle Ebene zu erleben. Ich glaube ich hätte das mit 17 Jahren auch nur als Wandern empfunden. Es ist völlig egal. Wenn wir nur 14 Tage eine tolle Zeit alleine miteinander verbringen, dann hat es sich auch schon gelohnt. Alles was dazu kommt nehme ich gerne mit. Wenn sich jetzt jemand fragt, warum meine Frau nicht auch mitkommt und wir als Familie laufen, dann muss ich sagen, dass meine Frau zwar gerne wandert aber die Strapazen des Weges für sich immer ausgeschlossen hat.

Bild von Marco janck und Sohn auf dem Jackobsweg

Hast du keine Angst, dass dein Sohn an seien Grenzen kommt und irgendwann keine Lust mehr hat? Was macht ihr dann?

Angst habe ich überhaupt nicht. Ich kenne Niclas ziemlich gut. Der wird sicherlich leiden, aber er wird nicht aufgeben. Zumindest nicht solange sein Körper es zulässt oder sein Vater nicht auch aufgibt. Die Basis des Erlebnisses Jakobsweg ist das dauerhafte Überschreiten seiner körperlichen Grenzen. Erst darüber entsteht dieser magische Moment. Wenn er also fröhliche pfeifend die ganze Zeit neben mir herläuft und er es mit links macht, dann wäre es eher schade, weil er dann wirklich nur wandert. Wenn wir gesund bleiben, dann quälen wir uns beide da durch. Das haben wir gemeinsam beschlossen.

Du hast ja das letzte Mal schon live berichtet und es haben sich tausende Menschen deine Videos und Livestreams angesehen. Was glaubst du machst die Faszination an diesem Medium aus?

Ich glaube es ist die Sehnsucht vieler Menschen das Fremde und Ferne mitzuerleben. Gerade Menschen, die selber irgendwie vom Jakobsweg fasziniert sind und selber noch nicht den Mut hatten den Weg zu gehen werden gerne zuschauen. Aber auch Menschen, die einfach nur ein paar Naturaufnahmen sehen wollen und (das wollen wir auch erwähnen) die mich scheitern sehen wollten. Ich habe mit meinen Videos von der Tour im letzten Jahr (Videos findet ihr hier) aufzeigen wollen, wie sich der Weg für mich angefühlt hat. Mit all seinen Höhen und Tiefen. Wenn es mir schlecht ging habe ich kein Blatt vor den Mund genommen und wenn ich begeistert war auch nicht. Es sollte authentisch sein. Den Weg machen die meisten Menschen halt nicht mit links. Vielleicht war das auch eines der Geheimnisse des Erfolges der Videos.

Ab heute wird es aber nicht darum gehen, wie ich alleine mit dem Weg klarkomme, sondern darum wie Niclas und ich als Vater/Sohn Gespann den Weg erleben. Auch wieder mit allen Höhen und Tiefen und wieder hoffentlich sehr authentisch. Es soll gerade Vätern zeigen, was da auf unserem Weg passiert und wenn es bei uns nicht total in die Hose geht, Mut machen es auch zu versuchen. Wir werden dieses Mal 290 Kilometer von Aviles bis Santiago de Compostela laufen und dann am 21.04.2017 wieder zurück fliegen nach Berlin.

Wir würden uns freuen, wenn uns viele Menschen auf unseren Videos, berichten und Livestreams begleiten.

Ab heute geht es los. Wir begleiten Marco bei seiner Tour und berichten.

Videos von der Tour

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