Erster Frauenarztbesuch

Bild einer Frauenärztin

Sobald junge Mädchen das erste Mal ihre Periode bekommen, wird oft auch der erste Besuch bei der Frauenärztin/Frauenarzt zum Gesprächsthema.

Medizinisch ist eine gynäkologische Untersuchung erst dann indiziert, wenn ein Mädchen sich konkret über Verhütungsmethoden informieren möchte oder Beschwerden gynäkologischer Art – zum Beispiel Schmerzen oder ein veränderter Ausfluss – vorliegen.

In den meisten Fällen gehen junge Mädchen zur Frauenärztin/Frauenarzt, wenn sie erste sexuelle Kontakte mit dem anderen Geschlecht eingehen. Als Vater ist das beunruhigend – aber eben auch Fakt: Statistisch findet der erste Geschlechtsverkehr in unseren Breitengraden zwischen dem 15. und 16. Lebensjahr statt. Problematisch wird dies immer dann, wenn der Gedanke an Verhütung und Schutz vor Krankheiten nicht präsent ist.

Daher ist es richtig und gut, wenn sexuell aktive Mädchen – oder solche, die das planen – einen ersten Besuch in der gynäkologischen Praxis in Erwägung ziehen. Immerhin zeigt dies, dass sich das Mädchen seiner Verantwortung bewusst ist und diese auch selbstständig in die Hand nehmen kann.

Was passiert da eigentlich? 

Die Gynäkologin/Gynäkologe kümmert sich von Berufswegen um alle Erkrankungen, die ausschließlich die weiblichen Fortpflanzungs- und Sexualorgane betreffen. Der Aufgabenbereich umfasst dabei sowohl die Vorsorge und Prävention als auch die Nachsorge nach Operationen und die Geburtshilfe.

Die Untersuchungen erfolgen in erster Linie über moderne bildgebende Verfahren wie Ultraschall. Ergänzend dazu gibt es Tastuntersuchungen zur Lagebestimmung der inneren Geschlechtsorgane und optische Untersuchungen der äußeren und inneren Geschlechtsanlagen. Eine gynäkologische Untersuchung dauert selten länger als 10 bis 15 Minuten.

Für junge Mädchen stellt jede dieser Untersuchungen eine große Hemmschwelle dar: Immerhin sieht sich eine fremde Person die intimsten und auch empfindlichsten Körperregionen an. Daher ist ein erster Besuch bei der Frauenärztin/Frauenarzt grundsätzlich mit großer Aufregung und auch Angst verbunden – oft werden dann beste Freundinnen zur moralischen Unterstützung mitgenommen oder die Mutter um Begleitung gebeten.

Wichtig zu wissen: Auch bei minderjährigen Mädchen unterliegen alle Gynäkologinnen und Gynäkologen der ärztlichen Schweigepflicht! Diese umfasst auch die Schweigepflicht gegenüber den Eltern – daher besteht hier in keinem Fall ein Auskunftsrecht der Erziehungsberechtigten gegenüber der behandelnden Ärztin bzw. gegenüber dem behandelnden Arzt. Nur in besonderen, rechtlich relevanten Situationen (Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch) kann es hier Ausnahmen geben – grundsätzlich ist aber immer davon auszugehen, dass eine Schweigepflicht besteht.

Die Wahl der richtigen Frauenärztin bzw. des richtigen Frauenarztes

Da eine gynäkologische Untersuchung sehr intim ist, sollte ein junges Mädchen (aber natürlich auch jede erwachsene Frau) unbedingt ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu „ihrer“ Ärztin/Arzt haben. Da Sympathien hier stark ausschlaggebend sind, kann es sein, dass beim ersten Besuch das Vertrauensverhältnis noch nicht da ist. Eine gute Gynäkologin/Gynäkologe wird das berücksichtigen und eine Untersuchung nach Möglichkeit auf einen der nächsten Besuche in der Praxis verschieben.

Manche Praxen bieten explizite Jugendsprechstunden an: Hierbei nimmt sich die Ärztin oder der Arzt extra Zeit, um behutsam und ohne Zeitdruck auf alle Probleme und Fragen einzugehen, die gerade junge Mädchen beschäftigen. Hier finden in der Regel auch keine körperlichen Untersuchungen statt.

Die meisten Mädchen bevorzugen eine Frauenärztin – was vor allem daran liegt, dass gerade junge Mädchen noch sehr schambehaftet reagieren, wenn es um ihren Körper, Nacktheit und ihre intimen Körperbereiche geht. Besonders in Städten und Ballungsgebieten ist die Auswahl groß, sodass es kein Problem darstellen sollte, auch eine geeignete Gynäkologin zu finden

Meine Tochter ist noch Jungfrau – kann sie trotzdem zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt? 

Für junge Mädchen, die oft noch jungfräulich beim ersten Besuch in der gynäkologischen Praxis sind, gibt es spezielle Untersuchungsinstrumente. Diese sind in ihrer Bauart so klein und schmal, dass sie das Jungfernhäutchen auf keinen Fall verletzen. Da vor der Untersuchung in jedem Fall ein Vorgespräch stattfindet, wird die Ärztin oder der Arzt auch danach fragen, ob es bereits schon zu sexuellen Aktivitäten gekommen ist. 

Warum ist das alles so peinlich?

Auch wenn erwachsene Frauen die gynäkologischen Termine scheinbar mit Routine und Gelassenheit absolvieren – selbst hier ist bei vielen das Schamgefühl stark ausgeprägt und die Untersuchungen werden als peinlich empfunden.

Der unangenehmste Teil ist bei fast allen Frauen der Aspekt, dass die Untersuchungen nackt vorgenommen werden. Einige Tricks können über die Situation hinweghelfen: Die Untersuchung der inneren und äußeren Geschlechtsorgane erfordert lediglich, dass die untere Körperhälfte nackt ist. Ein längeres T-Shirt lässt sich also auf dem Weg von der Umkleidekabine (oder vom abgetrennten Teil des Untersuchungsraums) unauffällig über den Po ziehen, sodass sich ein Mädchen nicht ganz so ausgeliefert und nackt fühlt. Falls eine Brustuntersuchung erfolgt, gibt es üblicherweise immer die Gelegenheit, sich zunächst wieder Slip und Hose anzuziehen und dafür das Oberteil und den BH abzulegen.

Auch Gynäkologin und Gynäkologe sind Menschen und sich der peinlichen Grundstimmung durchaus bewusst! Mit etwas Small Talk während der Untersuchung schaffen sie es aber fast immer, auch die nervöseste Patientin zumindest gedanklich abzulenken – je angespannter die Frau bzw. das Mädchen, desto anstrengender wird die Untersuchung.

Und irgendwann ist der erste Besuch überstanden und Deine Tochter wird wahnsinnig stolz sein, dass sie auch diesen Schritt „geschafft“ hat. Vielleicht lädst Du sie danach auf eine Pizza oder auf ein Eis ein – immerhin hast Du die Gelegenheit, die Begleitung einer jungen Dame zu genießen!

Frauenarztbesuch im im Detail

Vorgespräch

Hier wird dem Arzt gesagt, um was es geht, also Routineuntersuchung, Verhütungsfragen oder ob gar Beschwerden vorliegen. Die Patientin kann Fragen stellen und wird dann in eine Kabine geschickt, um sich auszuziehen. Der Arzt wird nach der letzten Periode fragen und ob die Blutungen regelmäßig kommen.

Untersuchung

Das ist der oft als unangenehm empfundene Teil. Die Frau, in dem Fall das Junge Mädchen, setzt sich, unten herum nackt, auf einen speziellen Stuhl. Er hat seitlich Stützen für ihre Beine und wird dann etwas nach hinten gekippt. Der Arzt untersucht jetzt mit einem speziellen Instrument, dem Speculum, die Scheide und entnimmt Schleimhautproben. Anschließend tastet er mit dem Finger den Gebärmutterhals ab, was oft etwas unangenehm ist und drückt. Anschließend wird die Brust nach Knötchen oder Verhärtungen abgetastet.

Nachbesprechung

Wieder bekleidet, wird die Patientin noch einmal zum Gespräch ins Sprechzimmer gebeten. Der Arzt teilt eventuelle Befunde mit und stellt ein Rezept aus, beziehungsweise gibt Tipps für die optimale Verhütungsmethode. Sollten Fragen bestehen, dürfen diese jetzt gestellt werden. Fast alle Frauenärzte beraten sehr gerne und ausführlich.

Wann sollte meine Tochter zum ersten Mal zum Frauenarzt? 

Idealerweise, nachdem die erste Periode vorbei ist. Ab da sollte die junge Frau alle halbe Jahre untersucht werden. Wenn sich das Mädchen die Pille verschreiben lässt, kann es sein, dass im ersten Jahr die Untersuchungszyklen kürzer gewählt werden. Von Unverträglichkeiten einmal abgesehen, ist die Pille ein Hormonpräparat, das erheblichen Einfluss auf die Physiologie der Frau nimmt. Manche Pillen können zudem die Entwicklung des Mädchens beeinflussen. Um ganz sicher zu sein, dass hier nichts übersehen wird, bestellen viele Frauenärzte junge Pillenanwenderinnen alle drei Monate zur Kontrolle in die Praxis.

Wie bei allen anderen Fachärzten auch gilt natürlich: Wenn Beschwerden auftreten, sofort in die Sprechstunde gehen. Beschwerden, die gynäkologisch abgeklärt werden sollten, sind zum Beispiel:

  • plötzliche heftige Unterleibsschmerzen
  • Zwischenblutungen oder Schmierblutungen
  • Ausbleiben der Regel
  • plötzlich auftretende Schmerzen oder Verhärtungen in der Brust
  • Sekeretbildung an der Brust

Geht der Papa mit? Und wenn ja, wie weit? 

Das sollten Sie am besten mit Ihrer Tochter besprechen. Vonseiten des Frauenarztes, wird es meist so gehandhabt, dass Vater oder Mutter beim Vorgespräch und eventuell beim Nachgespräch, anwesend sein können. Während der Untersuchung ist mindestens eine Assistentin dabei, und Vater oder Mutter nur auf ausdrücklichen Wunsch der Patientin. Sollte Ihre Tochter auch die Besprechungen oder auch nur eine davon lieber alleine führen wollen, respektieren Sie diesen Wunsch bitte!

Für die meisten Frauen/Mädchen ist der Gynäkologe neben der besten Freundin die wichtigste Vertrauensperson. Die Ärztinnen und Ärzte wissen um ihren besonderen psychologischen Status und sind entsprechend geschult. Außerdem ist das auch eine Frage der Gesundheitsvorsorge: Vielleicht gibt es Vorgänge im Körper oder auch gesundheitlich relevante Ereignisse, die Ihre Tochter ohne Weiteres dem Arzt anvertraut, die der Papa jetzt aber nicht unbedingt wissen muss.

Praxis oder Klinik? 

Frauenärzte sind Fachärzte. Das bedeutet, dass Sie natürlich auch in die gynäkologische Abteilung des Krankenhauses in Ihrem Ort gehen können. Sie vereinbaren einen Termin während der Sprechzeiten, genau wie beim niedergelassenen Arzt. Alles ist etwas unpersönlicher und Ihre Tochter wird den Arzt haben, der gerade Dienst hat und keinen festen Ansprechpartner. Dies muss nicht unbedingt ein Nachteil sein, manche Mädchen wünschen gerade das, um ein wenig Abstand zu wahren und so etwas wie ein Stück Anonymität zu haben.

Doch auch die niedergelassene Praxis bietet viele Vorteile. Es kann sich ein Vertrauensverhältnis entwickeln und die meisten Mädchen/Frauen bleiben ihrem Gynäkologen ein Leben lang treu. Die ganzen „Frauengeschichten“ sind etwas sehr intimes und auch sehr emotionales. Spätestens ab der Schwangerschaft ist es sehr hilfreich, wenn die Frau einen festen Ansprechpartner hat. Auch Verhütungsfragen oder Erkrankungen werden sehr oft mit einem festen Arzt, der die ganze Zeit begleitet, besser verkraftet.

Mann oder Frau? 

Das ist nun wirklich Geschmackssache. Die Qualifikation von Frauenärzten und Frauenärztinnen ist identisch. Man hört allerdings immer wieder von Frauen, das viele von ihnen männliche Ärzte bevorzugen, die seien einfühlsamer. Das ist erstaunlich, denn in allen anderen Lebensbereichen attestieren uns die Damen ja eher selten besonderes Einfühlungsvermögen.

Bei der Wahl der Praxis hilft das Internet nur begrenzt. Am Besten hören Sie sich in der Familie und im Freundeskreis einmal um. Ein weiterer Trick: Rufen Sie für die Terminvereinbarung nicht an, sondern gehen Sie in die Praxis. So bekommen sie direkt einen ersten Eindruck vom Ambiente und der Atmosphäre in der Praxis. Wenn möglich, nehmen Sie Ihre Tochter mit. Wenn sie sich nicht wohlfühlt, gehen Sie einfach wieder. Man kann sich ja mal in der Tür irren, nicht wahr?

„Sonderfall Frauenarzt“?? 

Es fühlt sich zweifellos für uns so an und vermutlich für die Mädels auch, vor allem beim ersten Mal. Aber am Ende des Tages ist auch der Frauenarzt „nur“ ein Facharzt mit wichtigen Aufgaben und Angeboten in der regelmäßigen Gesundheitsvorsorge. Er berät in jedem Alter, welche Untersuchungen sinnvoll sind, ob Impfungen vorgenommen werden sollten oder auch, welche Präparate und Medikamente helfen können.

Wussten Sie zum Beispiel, dass es essentiell für Mädchen ist, sich mit etwa 15 Jahren noch einmal gegen Masern, Mumps und die Röteln impfen zu lassen? Eine Infektion in der Schwangerschaft kann für das Kind schwerwiegende Folgen haben. Der sogenannte „offene Rücken“ bei Babys hat oft mit einer solchen Infektion zu tun, sogar wenn sie „still“ also ohne Symptome bei der Mutter verläuft.

Wenn Sie eine Katze haben, kann auch eine frühe Toxoplasmose-Impfung sinnvoll sein, sofern Ihre Tochter noch keinen Titter (Abwehrschutz) hat. So eine von Katzen übertragene Infektion wird meist nicht bemerkt oder, wenn überhaupt für eine kleine Erkältung gehalten. Sie ist für Kinder wie Erwachsene harmlos. In der Schwangerschaft allerdings kann sie zu Fehlgeburten oder schweren Entwicklungsstörungen des Babys führen. Für all solche Fragen, die man(n) nun wirklich nicht zwingend wissen muss, und die auch nicht Allgemeinwissen sind, ist der Frauenarzt der Fachmann oder die Fachfrau.

Für die Gesundheit der Frau bis ins hohe Alter und auch für die Gesundheit der nächsten Generation ist der Gynäkologe oder die Gynäkologin wichtiger Begleiter und kompetente Ansprechpartnerin von Anfang an. Ein anderer Facharzt, den Sie und Ihr Mädchen alle halbe Jahre sehen, ist genauso wichtig und, wenn auch anders, genauso unangenehm: der Zahnarzt! Und wenn es zu ihm geht, rufen sie ja nun auch nicht den „Ausnahmezustand“ aus, zumindest nicht offiziell. Mit dem Frauenarztbesuch, egal dem wievielten ist es (fast) genauso.

Über papa.de 270 Artikel
Auf papa.de findest du ein Elternmagazin aus der Sichtweise von Vätern / Papa´s geschrieben. Werde Teil unserer großen Community und erlebe die Faszination des Elternseins aus dem Blickwinkel eines Papa´s.