Erziehung im Alter von 10 – 13 Jahren

Bild eines Teenagers

Erziehungsarbeit hört im Teeniealter nicht auf, sondern stellt Mütter und Väter vor neue Herausforderungen. Ab dem 8. oder 9. Lebensjahr deines Kindes musst du dich darauf einstellen, dass deine Tochter bzw. dein Sohn sich mit großen Schritten der Pubertät nähert, die sich über viele Jahre erstreckt. Dein Kind wird nun erwachsen, obwohl sein Verhalten kaum darauf schließen lässt.

Vieles, was in der bisherigen Erziehung gut funktioniert hat, gerät mit zunehmendem Alter ins Wanken. Das sonst so “pflegeleichte” Kind wird mit 12, 13 oder 14 zum absoluten Stressbolzen und womöglich fühlst du dich mit der Erziehung Jugendlicher völlig überfordert. Doch das ist eine vollkommen normale Entwicklung und kein Grund, an dir selbst zu zweifeln. Die Konfrontationen zwischen deinem Kind und dir gehören zum Älterwerden dazu und du kannst dir sicher sein, dass dein Kind in die Pubertät kommt.

Mit der Pubertät beginnt der Abnabelungsprozess. Jugendliche wollen sich gegen Regeln und Grenzen auflehnen, selbst bestimmen und finden sich “alt genug”, um alles alleine entscheiden zu können. Eltern sind doof und verstehen sowieso nichts.

Mit der Pubertät kommen die Probleme?

Meistens. Die Pubertät verändert den Hormonhaushalt der Kinder. Der Körper reift, nimmt männliche bzw. weibliche Formen ein, die Sexualität wird entdeckt und während die Kids sich selbst und ebenso diese gravierenden Veränderungen nicht verstehen, geraten Schule, häusliche Pflichten und das Einhalten von Regeln in den Hintergrund.

Als Vater bist du jetzt gefordert, deinem Kind eine emotionale Stütze zu sein, es auf seinen ersten Schritten auf dem Weg ins Erwachsenenalter zu begleiten, es aufzufangen, wenn es stolpert, aber auch, ihm klar zu machen, dass manche Regeln und Grenzen selbst im Ausnahmezustand der Pubertät zu akzeptieren sind. Falsche Freunde, hoher Leistungsdruck in der Schule, die erste Jugendliebe, Liebeskummer, erster Kontakt mit Alkohol und manchmal sogar Drogen sind neben der ohnehin schon schwierigen Pubertät weitere Faktoren, welche die Erziehung eines älter werdenden Kindes erschweren.

Behalte den guten Draht zu deinem Kind

Umso älter Kinder werden, desto selbständiger werden sie. 10-jährige Kids verabreden sich alleine mit Freunden, verplanen eigenständig die Freizeit am Nachmittag und entwickeln immer mehr eigene Interessen. Sie entdecken neue Hobbys, lernen durch den Wechsel von Grundschule zur weiterführenden Schule neue Klassenkameraden und Freunde kennen und sie werden mobiler, wenn sie z. B. alleine oder mit Freunden in die Stadt fahren oder ins Kino gehen. Für die Entwicklung deines Kindes ist es absolut wichtig, dass du ihm gewisse Freiheiten einräumst und es auch eigenständig Entscheidungen übernehmen lässt.

Nur so kann ein Jugendlicher oder eine Jugendliche sich allmählich auf ein eigenständiges Erwachsenenleben vorbereiten. Zum Erwachsenwerden gehört es auch, Fehler zu machen und daraus zu lernen.

Behalte den guten Draht zu deinem Kind und räume ihm auch die Freiheit ein, eigene Fehler zu machen. Achte jedoch darauf, dass es sich um Fehler handelt, die keine übermächtigen und nicht korrigierbaren Folgen für dein Kind haben. Als Erwachsener bist du in der Lage, Situationen besser einschätzen zu können.

Außerdem hast du gegenüber deinem Kind einen enormen Wissensvorsprung. Denke daran, dass dein Erfahrungsschatz nicht nur von guten Erfahrungen herrührt, sondern du oft gerade aus den Fehlern gelernt hast, die du gemacht hast.

Verbote zerstören Vertrauensbasis

Es ist verständlich, dass du die unschönen Lektionen deinem Kind ersparen möchtest. Aber wenn du dich daran erinnerst, mit welchem Entdeckerdrang und welchem Sturkopf du in deiner Teenagerzeit dein Ding durchgezogen hast, fällt es dir leichter, dein rebellierendes Kind zu verstehen.

Dein Sohn, deine Tochter will selbst Erfahrungen machen und ist wahrscheinlich nicht davon abzubringen. Trete nicht immer mit deinem besseren Wissen auf und spreche auch nicht immer nur Verbote aus. Denn das entzweit euch beide, sorgt langfristig dafür, dass du keine Vertrauensperson mehr bist und dein Kind die Dinge heimlich ausprobiert, die du mit Verboten verhindern willst.

Insofern du berechtigt ein Verbot aussprichst, um dein Kind zu schützen, ohne es einzuengen oder es zu sehr behüten zu wollen, erkläre deine Entscheidungen und Beweggründe deinem Sohn bzw. deiner Tochter, damit deine strikte Haltung nachvollziehbar ist.

Kompromisse statt Familienfehden

Nutze dein Erziehungsrecht sowie deine Erziehungspflicht dazu, deinem älter werdenden Kind kontrolliert zunehmend Freiraum einzuräumen. Statt dem täglichen Kampf, wer sich von euch beiden durchsetzt, kannst du in vielen Bereichen deiner Erziehung die Zügel lockerer lassen, während du in wichtigen Bereichen auf die strikte Einhaltung der von dir aufgestellten Regeln bestehst.

Das gesunde Maß von Zuckerbrot & Peitsche

Jeder Jugendliche probiert aus, Grenzen und Regeln zu brechen. Manchmal unbewusst, manchmal sehr bewusst, um zu provozieren. Väter und Mütter sollten versuchen, ein gesundes und für alle akzeptables Maß an Grenzen, Freiheiten, Strenge und Spielräumen zu finden, damit das Kind für Erziehung offenbleibt, sich gleichsam aber auch gut entwickeln kann.

Wenn einmal das Zimmer aussieht, als habe dort seit Jahren niemand mehr aufgeräumt und Staub gewischt, kannst du gewiss leichter darüber hinwegsehen, wenn es ein paar Tage dauert, bis der Teenager endlich mal die Ärmel hochkrempelt und für Ordnung sorgt. Erwischst du dein Kind, wie es stiehlt, kannst du darüber nicht einfach hinwegsehen, sondern solltest sofort darauf adäquat reagieren.

Mehr Freiheiten für Teenager

Teenager sollen und müssen mehr Freiheiten haben, wie ein Kind im Alter von 4, 7 oder 9. Doch zu viel Freiheit wird von Teenagern häufig als Desinteresse interpretiert, so dass Teenies gerne provokant über die Strenge schlagen, um auf sich aufmerksam zu machen. Gewiss ist es ein guter Weg in der Erziehung, an bekannten Werten, Regeln und Grenzen aus der Kindheit festzuhalten, dem Kind aber schrittweise Lockerungen und Auflösungen zu gewähren.

Konflikte entstehen meist dort, wo dein Kind und du abweichende Ansichten habt. Hier ein sehr klassisches Beispiel. Dein Kind geht auf die erste Party. Während dein Sohn bzw. deine Tochter auf der ersten Party natürlich nicht schon um 21 Uhr wieder gehen will, findest du es schon doof, dass die Party überhaupt stattfindet, sie erst um 20 Uhr beginnt, dass dort andere Jungen und Mädchen sind und dir fällt schlagartig ein, dass du in deiner Teenagerzeit heimlich auf Partys geraucht und Alkohol getrunken hast.

Außerdem hast du dort das erste Mädchen geküsst. Spätestens jetzt schrillen bei dir vermutlich alle Alarmglocken und du ziehst in Betracht, den Partybesuch komplett zu verbieten. Zur Erziehung gehört Strenge und das schützende Behüten, aber wenn dein Kind schon 13, 14 oder gar 15 ist, kann der Besuch einer Party ein wichtiger Lernprozess sein.

Der/die Jugendliche hat die Gelegenheit,

  • mit dir solange zu verhandeln, bis du ihm den Partybesuch erlaubst.
  • die Regeln als Grundlage für die Erlaubnis gemeinsam mit dir zu gestalten.
  • die vereinbarten Regeln einzuhalten.
  • die vereinbarten Regeln komplett zu missachten.
Das Aushandeln der Regeln stärkt das Durchsetzungsvermögen deines Kindes und macht es zu einem starken Erwachsenen, wenn es mit logischen Argumenten dich überzeugen kann, von altem, engmaschigerem Regelwerk abzuweichen. Fruchtbare Verhandlungsgespräche stärken das Selbstbewusstsein und machen deinem Nachwuchs klar, dass es sich lohnt, um etwas zu kämpfen.

Das gemeinsame Erstellen einer Ausnahmeregel verhilft dem Heranwachsenden dazu, “utopische” Wunschvorstellungen in realistische Ergebnisse umzuwandeln.

Erzieherische Konsequenzen manifestieren den Lerneffekt

Kinder und Jugendliche brauchen Konsequenzen. Nicht nur, wenn sie etwas verbockt haben, sondern auch, wenn sie etwas gut gemeistert haben. Es erleichtert die Erziehung ungemein, wenn du deinem Teenager eine angemessene Reaktion entgegenbringst.

Um beim Beispiel der Party zu bleiben: Hält sich Sohn oder Tochter an die Vereinbarungen, kannst du klar machen, dass du dich darüber sehr freust und dies bei den nächsten Verhandlungen in deine Entscheidung einbeziehst. Dein Kind hat seine fortgeschrittene Reife unter Beweis gestellt und darf dafür nämlich entsprechend belohnt werden. Allerdings sollte eine positive Konsequenz wirklich angemessen und nicht überschwänglich erfolgen. Gleiches gilt, wenn dein Kind sich nicht an die Vereinbarungen gehalten hat.

Achte auf eine Strafe, die sinnvoll und in direktem Zusammenhang mit dem Regelbruch steht. Kam dein Sohn viel zu spät, muss er bei der nächsten Party deutlich früher nach Hause. Hat sich deine Tochter oder dein Sohn um ein paar Minuten verspätet, drücke einfach beide Augen zu, denn dein Kind hat das Kernprinzip der getroffenen Vereinbarungen zwischen euch verstanden, akzeptiert und eingehalten.

Ist deine Tochter alleine in der Nacht nach Hause gelaufen, statt wie vereinbart mit einer Freundin zu fahren oder dich anzurufen, damit du sie abholen kannst, fällt die nächste Party flach, weil sie durch den Regelverstoß nicht nur die Regeln mißachtet, sondern sich auch noch unnötig in Gefahr gebracht hat.

Auf gar keinen Fall solltest du deiner Tochter vermitteln: “Na, es ist ja zum Glück alles gutgegangen.” Mache ihr stattdessen klar, dass ihr Verhalten unklug und gefährlich war und erkläre ihr, dass es dir bei der ausgesprochene Strafe nicht darum geht, ihr den Spaß zu verderben, sondern dass du sie dazu anregen willst, eigenverantwortlich mit Freiheiten umzugehen. Sie kann das noch nicht, also muss sie das lernen.

Teenager erziehen heißt, ihnen die Welt zu erklären

Erwachsenwerden ist ein Lernprozess, den du durch nachvollziehbare Erziehung gut begleiten kannst. Gerade noch ein Kleinkind, das du in Watte gepackt hast, um es vor allen Gefahren der Welt zu beschützen, steht nun ein Teenager vor dir, der voller Tatendrang steckt und davon überzeugt ist, Erziehung sei nun vollkommen überflüssig.

Doch ab einem gewissen Alter ist auch das Loslassen ein wichtiger Bestandteil von Erziehung. Begleite dein Kind daher liebevoll durch das Teenager-Alter, finde ein gesundes Mittelmaß aus Strenge, Laissez-faire, Fürsorge und erkläre ihm alles, was es wissen muss, wenn es auf eigenen Beinen steht und geh ihm als verlässliches Vorbild voran.

In Konfliktsituationen solltet du nicht nicht als Bestimmer über dein Kind entscheiden, sondern es in wichtige Entscheidungen einbeziehen, seine Meinung anhören, aber dich durchsetzen, wenn dies zum Wohle deines Kindes richtig ist.

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