Plötzlicher Kindstod

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Plötzlicher Kindstod

Alle Eltern fürchten ihn – den Plötzlichen Kindstod, der auch als Plötzlicher Säuglingstod, Neugeborenentod, Sudden Infant Death Syndrom (SIDS), mors subita infantium (lateinisch) oder Krippentod bezeichnet wird. Ohne jegliche Vorzeichen liegt plötzlich der Säugling tot im Kinderbettchen. Insbesondere im ersten Lebensjahr kommt es zu diesem Sterben von Babys, die bis zu dem tragischen Ereignis gesund waren und keinerlei Anzeichen zeigten. Nach wie vor gibt es keine abschließende wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen, doch es gibt viele Tipps, was du berücksichtigen kannst, um die Kindstodgefahr deines Kindes stark zu minimieren.

SIDS versetzt alle Eltern in Panik

Das Phänomen ist der Alptraum aller Mütter und Väter. Am Abend legt man sein Baby ins Bett und morgens findet man das kleine Wesen leblos in seinem Bett auf. Der Plötzliche Kindestod tritt fast immer in der Nacht ein – vollkommen unbemerkt. Es scheint, als habe das Kind einfach mit dem Atmen aufgehört. Es gibt keine auffälligen Vorzeichen und Eltern, die ihr Baby durch diesen grausamen Schicksalsschlag verlieren, sehen sich nicht nur mit vielen Fragen und unendlicher Trauer konfrontiert, sondern machen sich selbst Vorwürfe und sie werden unter Verdacht gestellt, ihrem Baby etwas angetan zu haben.

Schon in der Schwangerschaft entwickelt sich verständlicherweise die Angst bei den Eltern, dass ihnen dieses schreckliche Schicksal passiert, dem jeder Vater und jede Mutter hilflos ausgeliefert ist. Da es keine Anzeichen für das plötzlich Sterben des Babys gibt, kann man nichts tun, um den Tod des Säuglings zu verhindern. Ärzte und Wissenschaftler haben lediglich ansatzweise Erklärungen und Theorien, wie es zum Plötzlichen Kindstod kommt und was das Risiko anbelangt, dass ein Kind daran sterben könnte.

Was ist der Plötzliche Kindstod?

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge handelt es sich um eine Atemstörung während des Schlafs. Kinder vergessen das Atmen. Durch die reduzierte Atmung tritt Sauerstoffmangel ein, der Herzschlag verlangsamt sich. Da keine frische Luft eingeatmet wird, erhöht sich die Konzentration von Kohlendioxid im Blut. Es wird davon ausgegangen, dass die betroffenen Säuglinge dabei nicht aufwachen, was eigentlich üblich wäre, wenn die Kohlendioxid-Konzentration im Blut steigt. Dies ist normalerweise ein Anreiz, intensiv zu atmen, um mehr Sauerstoff in die Blutbahn zu bringen. Es besteht die Annahme, dass am Plötzlichen Kindestod verstorbene Kinder noch keine ausreichende Reife des Gehirns entwickelt haben, so dass die Atmung nicht wieder aufgenommen wird, um die Sauerstoffsättigung im Blut durch das Einatmen zu erhöhen. Das Notfallsystem, kräftig zu atmen, wenn zu wenig Sauerstoff im Blut ist, funktioniert den Vermutungen nach noch nicht richtig, deswegen sehen am Plötzlichen Kindestod verstorbene Kinder aus, als würden sie noch schlafen.

Es besteht zudem die Vermutung, dass ein Mangel des Gehirnbotenstoffes Serotonin eine Rolle spielen könnte. Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Theorien, doch bislang steht nicht genau fest, was tatsächlich für das Sterben im Kindbett als Ursache verantwortlich ist. Auch Umweltgifte und Ausdampfungen von Materialien der Matratze und des Bettes werden in die Theorien einbezogen. Bei der Einrichtung des Kinderzimmers solltest du sicherheitshalber auf unbedenkliche Materialien größten Wert legen.

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Risikogruppe Plötzlicher Kindestod: Welche Kinder gelten als gefährdet?

Obwohl es keine fundierten wissenschaftlichen Erklärungen gibt, lassen sich bestimmte Umstände als risiko-begünstigend annehmen. Säuglinge gelten als besonders gefährdet, am Plötzlichen Kindestod zu sterben, wenn

  • die Bauchlage des Säuglings während dem Schlaf gewählt wird.
  • die Mutter in der Schwangerschaft geraucht hat.
  • im Haushalt nach der Geburt geraucht wird, bzw. das Kind Zigarettenrauch ausgesetzt ist.
  • das Kind mit einem Geburtsgewicht von unter 2 Kilo geboren wurde.
  • es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft handelte.
  • das Kind als Frühgeburt das Licht der Welt erblickte.
  • die Mutter vor dem 21. Lebensjahr entbindet.
  • während der Schwangerschaft Drogen konsumiert wurden.
  • ein auffälliger Befund des Mutterkuchens nach der Entbindung gemacht wurde.
  • bereits ein Geschwister am Sudden Infant Death Syndrom verstarb.
  • soziale Lebensumstände (der Mutter vor der Schwangerschaft, Alleinerziehung, soziale Benachteiligung) vorherrschen.

Auch besonders blasse Kinder sowie Säuglinge, deren Arme und Beine blau anlaufen, haben ein erhöhtes Kindstodrisiko.

Im Umkehrschluss lassen sich einige Risikofaktoren ausmachen, die Eltern bereits während der Schwangerschaft, aber auch nach der Geburt reduzieren können. Dazu gehört auch das Stillen sowie der Einsatz spezieller Atemüberwachungsgeräte, die Alarm schlagen sollen, wenn das Kind mit der Atmung aussetzt.

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Wie kannst du das Risiko deines Kindes minimieren?

Leider gibt es keine medizinischen und wissenschaftlichen Empfehlungen, die dazu geeignet wären, das Risiko des Sudden Infant Death Syndrom vollständig auszuschalten. Es gibt also für dich keine Sicherheit, dass deiner Familie und dir dieser schwere Schicksalsschlag erspart bleibt. Doch zumindest kannst du das Sterberisiko für dein Baby senken, so weit dies überhaupt möglich ist.

Eine erfreuliche Nachricht für alle Eltern

Die umfangreiche Aufklärung in Kinderarztpraxen scheint Früchte zu tragen. Während noch vor einigen Jahrzehnten alleine in Deutschland jährlich etwa 1.300 Kinder am Plötzlichen Kindestod starben, sterben heute “nur” noch circa 250 Kinder am Krippentod. Im Jahr 2014 waren es sogar „nur“ 119 Säuglinge. Das verstärkte Bewusstsein der Eltern, wie wichtig die Risikovermeidung ist, trägt somit dazu bei, dass immer mehr gefährdete Säuglinge von SIDS verschont bleiben. Sensibilisierte Eltern können somit dazu beitragen, ihre Babys vor dem Säuglingstod zu schützen.

Rauchen erhöht das Risiko des SIDS

Insofern deine Partnerin Raucherin ist, unterstütze Sie darin, sofort nach dem Feststellen der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufzuhören. Der Konsum von mehr als 10 Zigaretten erhöht die SIDS-Gefahr auf das Siebenfache.

  • Ist eine Schwangerschaft geplant, sollte deine Partnerin bereits vor der Empfängnis das Rauchen vollständig einstellen.
  • Wenn du selbst Raucher bist, gilt für dich das gleiche. Denn deine Partnerin ist Passivraucherin, wenn du in ihrer Nähe rauchst. Babys in “rauchenden” Familien sind 2 bis 4 mal gefährdeter, als Säuglinge im Nichtraucherhaushalt.

Bauchlage gilt als größter Risikofaktor

Erwiesen ist, dass die Bauchlage des schlafenden Kindes die größte Kindstodgefahr für das Kind darstellt. Auf dem Bauch schlafende Säuglinge haben in der Schlafposition keinen adäquat funktionierenden Hustenreflex. Es scheint zwischen dem nicht funktionierenden Hustenreflex und dem Plötzlichen Kindestod einen Zusammenhang zu geben. Entgegen früherer Empfehlungen sollst du dein Baby auf den Rücken legen, wenn du es zu Bett bringst. Diese Empfehlung gilt insbesondere für das erste halbe Lebensjahr.

Irgendwann lernt jedes Baby, sich alleine auf den Bauch umzudrehen. Das kannst du natürlich nicht verhindern. Aber bis ein Säugling diese Fähigkeit erlernt hat, ist es bereits älter und hat damit ohnehin ein niedrigeres Risiko, am Krippentod zu sterben.

Das Schlafklima: Säugling niemals zu warm einpacken

Eltern meinen es oft gut, indem sie ihrem Baby ein kleines Kopfkissen und Stofftiere ins Bettchen legen. Das solltest du auf keinen Fall tun. Denn die Textilien können auf den Kopf deines Babys fallen und dann die Atmung erschweren. Gleiches gilt für Bettdecke, Mütze und ähnliches. Säuglinge haben einen Greifreflex, wegen dem sie alles, was sie greifen können, an sich heranziehen. Das ist hochgefährlich, da sich der Säugling im Schlaf Greifbares über den Kopf ziehen kann. Einerseits kann das direkt zur Erstickung führen. Andererseits atmen Babys Kohlendioxid ein, wenn unmittelbar vor den Atemorganen Stofftiere, Kissen oder Decke liegen und die Luftzirkulation innerhalb des Babybetts vermindert ist.

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Außerdem spielt auch die Temperatur im Kinderbett eine Rolle, wenn es um den Plötzlichen Kindestod geht. Babys regulieren über das kleine Köpfchen die Körpertemperatur. Wenn sie im Schlaf eine Mütze aufhaben, kann der kleine Körper keine Wärme abgeben. Die ideale Temperatur im Kinderzimmer liegt bei 16 und 18°C. Damit der Körper nicht unterkühlt, lege dein Baby in einem Kinderschlafsack ins Bettchen. Dadurch bleibt das kleine Köpfchen frei und der Schlafsack schränkt die Bewegungsfreiheit ein. Dein Kind kann sich daher nur noch sehr schwer umdrehen. Auf das Nestchen (textile Bettumrandung) solltet ihr ebenfalls verzichten.

Stillen schützt vor Sudden Infant Death Syndrom

Das Risiko, am Sudden Infant Death Syndrom zu sterben, wird durch das Stillen um 50 % reduziert. Wenn die Mama wenigstens 4 Monate durchgehend euer Baby stillt, braucht ihr euch viel weniger Sorgen um das Kleine zu machen.

Schnuller und harte Matratze

Obwohl der Nuckel seine Nachteile mit sich bringt, gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass er dem Kind während dem Schlaf dabei hilft, konstant weiter zu atmen. Daher solltest du mit der Mama zusammen abwägen, ob ihr euch für den Schnuller entscheidet. Auch eine harte Matratze im Kinderbett soll gut sein, die Gefahr von SIDS zu senken.

Bei bestimmten Anzeichen zum Kinderarzt

Jedes Baby wird mal krank und das ist kein Grund, sofort in Panik auszubrechen. Damit du ein gutes Gefühl hast und zur Sicherheit, gehe dann zum Kinderarzt, wenn du folgende Auffälligkeiten bei deinem Säugling feststellst:

  • anhaltende Erkältung, Fieber, Atemwegserkrankungen
  • festgestellten Atempausen
  • auffällige Flecken auf der Haut
  • blaues Anlaufen des Kindes
  • starkes Schwitzen
  • häufiges Schreien (und wenn das Baby sich nicht beruhigen lässt)
  • der Säugling lässt sich nur schwer aufwecken

Fakten Plötzlicher Kindestod

  • In den ersten 6 Lebensmonaten ist das Risiko am höchsten (ca. 80 % der SIDS-Fälle).
  • Am häufigsten tritt der Kindestod im ersten Lebensjahr auf.
  • Etwa 2 bis 6 % der betroffenen Kinder sterben im zweiten Lebensjahr.
  • Jungen sollen häufiger gefährdet sein wie Mädchen.
  • Schutzmaßnahmen reduzieren das Risiko drastisch.
  • Im Winter sterben mehr Kinder als im Sommer (2/3)
  • Der Kindstod ist in den Industrieländern eine der häufigsten Todesursachen bei Babys.

Co-Sleeping: Wird dadurch das Risiko von SIDS gesenkt?

Wird vom Plötzlichen Kindstod gesprochen, ist häufig vom Begriff Co-Sleeping die Rede. Gemeint ist damit das Schlafen des Kindes im Bett der Eltern, zumindest aber im Elternschlafzimmer. Für dich als Papa ist das sicherlich eine gute Idee. Du und die Mama werdet euch sicherer fühlen, wenn ihr euer Kind ganz in der Nähe wisst und jederzeit nach ihm schauen könnt. Das Heimtückische: Irgendwann schlaft auch ihr ein und außerdem ist der Plötzliche Kindstod nicht hörbar.

Kinderärzte sind sich zudem nicht einig, ob Co-Sleeping die Krippentod-Gefahr senkt. Kritiker geben zu bedenken, das Schlafen im Elternbett (Bedsharing) könne die Gefahr sogar erhöhen und Eltern sich in vermeintlicher Sicherheit wägen. Wenn ihr euer Kind mit in eurem Ehebett schlafen lassen wollt, müsst ihr wichtige Regeln beachten:

  • Das Baby wird nicht zugedeckt, sondern schläft im Schlafsack.
  • Die Schlafzimmertemperatur soll ebenfalls zwischen 16 und 18°C liegen.
  • Die Ritze zwischen den beiden Matratzen darf keine Gefahrenquelle darstellen.
  • Die Matratze des Elternbetts muss hart sein.

Eine Studie aus Schottland bewies, dass sehr junge Säuglinge (jünger als 11 Wochen) im Elternbett sogar noch gefährdeter sind, als würden sie im eigenen Kinderbett schlafen.

Eine Alternative ist es, das Babybett direkt neben dem Elternbett aufzustellen. Dann könnt ihr sicherstellen, dass euer Kind nicht unter die Bettdecke rutscht. Einige Eltern lassen das Baby bei sich auf dem Bauch schlafen, weil sie davon überzeugt sind, dass die eigenen Atembewegungen dem Kind als Impuls für konstantes Atmen dienen.

Was passiert, wenn ein Baby stirbt?

Eltern, die vor dem Kinderbettchen stehen und feststellen, dass das Baby nicht mehr lebt, stehen vor schier unglaublichen Tragödien. Allein den Tod des eigenen Kindes festzustellen, ist ein Schicksalsschlag, dem man als Mutter und Vater nicht gewachsen ist. Hinzu kommen die Selbstvorwürfe, die man sich als Elternteil macht und die zahlreichen Prozedere, die folgen. Das Kind muss obduziert werden, um die exakte Todesursache festzustellen. Eltern werden verhört und müssen immer wieder quälende Fragen beantworten, denn beim Tod durch SIDS gibt es keine einwandfreien pathologische Befunde. Das heißt: Der Plötzliche Kindestod selbst kann nicht diagnostiziert werden. Lediglich über Ausschlussdiagnostik können andere Todesursachen wie Schütteltrauma, Unfall, Krankheit usw. ausgeschlossen werden. Betroffene Mütter und Väter müssen sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, ihr Kind getötet zu haben, während sie mit dem Verlust des Babys in tiefer Trauer sind.

Verwaiste Eltern: Hohe Krankheits- und Suizidalitätsrate

Aufgrund der Tatsache, dass die Diagnose “Plötzlicher Kindestod” die Fragen nach dem Warum nicht hinreichend beantwortet und verwaiste Eltern fast wie Täter behandelt werden, damit die Gerichtsmedizin die Todesursache aufklären können, ist der Verlust des Kindes in jedweder Hinsicht ein kaum zu verarbeitender Schicksalsschlag. Viele Hinterbliebene Elternteile verunglücken schwer bzw. tödlich, erkranken an Krebs oder nehmen sich das Leben. Selbstvorwürfe, die Verdächtigung und der Verlust des Kindes sind derart einschneidende Ereignisse, die das Leben nicht mehr lebenswert erscheinen lassen. Betroffene Eltern müssen sich sofort professionelle Hilfe holen, um Trauerarbeit, Loslassen und juristische Angelegenheiten bewerkstelligen zu können.

Hilfe für betroffene Eltern gibt es bei der Gemeinsamen Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod (GEPS). Kontaktdaten:

GEPS Deutschland e. V.
Bundesgeschäftsstelle
Fallingbosteler Straße 20
30625 Hannover

Telefon: 0511-8386202

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